»Alleiniges Thema meiner Malerei ist die Farbe«

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Die berühmten Farbstudien von Willi Geiger sind in der Sommerausstellung in Übersee noch bis zum 12. September zu sehen. (Foto: Giesen)

Nach fünf Jahren gibt es heuer erstmals wieder eine neue Sommerausstellung im Künstlerhaus Geiger in der Bax, im Ortsteil Neuwies. Die Fahrt auf kleinen Sträßchen bis zu dem idyllisch inmitten von Wiesen gelegenen Anwesen im Überseer Ortsteil Baumgarten lohnt sich allein schon wegen des fast 500 Jahre alten, im Original weitgehend erhaltenen Bauernhauses und deshalb, weil es immer wieder ein besonderes Erlebnis ist, Bilder an dem Ort anzusehen, an dem sie entstanden sind oder wo die Künstler lange gelebt haben.

Seit 2004 organisiert die Kunsthistorikerin Julia Geiger, Enkelin von Rupprecht Geiger (1908 bis 2009) und Urenkelin von Willi Geiger (1878 bis 1971) hier (normalerweise) alle zwei bis drei Jahre Ausstellungen, um das Andenken an die beiden bedeutenden Maler in der originalen Umgebung zu bewahren.

Vater und Sohn standen sich künstlerisch sehr nahe

Die neue Präsentation ist nun »Farbe als Motiv« überschrieben und zeigt anschaulich, dass sich Vater und Sohn Willi und Rupprecht Geiger nicht nur biografisch, sondern auch künstlerisch sehr nahe standen und sich – auch wenn jeder seinen eigenen künstlerischen Weg ging – wechselseitig beeinflussten. Das zeigen Bilder mit gleichen Motiven, zum Beispiel »Stillleben mit Birnen« von Rupprecht 1945, von Willi 1965.

Während Willi Geiger von 1901 bis 1905 als Meisterschüler von Franz von Stuck an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte, später in Italien, Tunesien, Frankreich und Spanien, hatte er seit 1928 eine Professur für Malerei an der Staatlichen Akademie für Graphik und Buchkunst in Leipzig inne, bis er 1933 wegen politischer Denunziation fristlos entlassen wurde. Bis nach dem Krieg zog er sich nach München und in die Bax am Chiemsee in die »innere Emigration« zurück. In der Zeit entstanden verschiedene streng gehütete Zeichnungen, die nach dem Krieg als Mappen mit dem Titel »Zwölf Jahre« und »Eine Abrechnung« erschienen. 1946 wurde Willi Geiger durch eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München und zahlreiche Ehrungen rehabilitiert.

Sohn Rupprecht, einziger Sohn von Willi und Clara Geiger, studierte Architektur, absolvierte eine Maurerlehre und arbeitete in verschiedenen Architekturbüros bis er von 1940 bis 1944 Kriegsdienst an der Ostfront in Polen und Russland leistete. Als Kriegsmaler war Rupprecht Geiger später unter anderem 1944 in Griechenland eingesetzt, wo er seine autodidaktischen Studien zur Malerei fortführte. Ein Vielzahl an farbenprächtigen Landschaften, Stillleben und Stadtansichten entstanden, bei der die Erfahrung der Farbe im Vordergrund stand.

»Der Süden ist ein einziger Rausch, eine Symphonie der Farben und man steht ihr ach allzu oft fassungslos gegenüber. Oft gehe ich ratlos und fast verzweifelt durch die Glut der Häuser – Gassen und Licht und Schatten erscheinen mit erdrückender Fülle«, beschrieb der Künstler damals seine Farberfahrung.

Farbe als zentrales Anliegen der Kunst

Nach dem Krieg begann seine sehr erfolgreiche malerische Laufbahn, während er bis Mitte der 1960er Jahre mit seiner Frau Monika ein Architekturbüro in München leitete. Schon zu Beginn seiner Karriere erhob Rupprecht Geiger die Farbe und deren Erkundung zum zentralen Anliegen seiner Kunst. »Alleiniges Thema meiner Malerei ist die Farbe«, sagte er 1983.

Rupprecht wurde 101 Jahre alt und arbeitete bis kurz vor seinem Tod in seinem Atelier in München. Berühmt sind seine Bilder mit Leuchtfarben und einfachen grafischen Formen wie Kreis oder Quadrat. Wiederholt stellte er auf der documenta in Kassel aus und repräsentierte Deutschland 2002 bei der 25. Biennal de Sao Paulo in Brasilien.

Im noch heute unveränderten Wohnhaus in der Bax kann der Besucher noch unverfälscht die Atmosphäre der früheren Zeit spüren. Hier sind vor allem die Ölbilder von Willi Geiger ausgestellt. Auf manchen, wie »Stillleben mit Stuhl«, wird das Mobiliar gezeigt, das noch heute hier zu sehen ist. Verschiedene andere Stillleben – mit Wassermelone, Früchten oder Krebs – vermitteln einen Eindruck vom Alltagsleben im Süden, aber auch in der Bax.

Willi Geiger erwarb 1930 die sogenannte Bax, ein damals schon 400 Jahre altes, halb verfallenes Bauernhaus, das er mit seinem Sohn im alten Stil wieder aufbaute – die Bezeichnung Bax bezieht sich möglicherweise auf einen früheren Hofbesitzer im 19. Jahrhundert, Georg Paxer. In der Bax wohnte die Familie Geiger in den Sommermonaten und während der Nazizeit, nachdem Willi Geigers Lehrauftrag für Malerei und Karriere als Maler vorbei war. Nach seiner Rehabilitierung 1946 wurde das Haus von der Familie bis heute wieder als Ferienhaus genutzt.

Die Reisen in den Süden, vor allem nach Spanien, prägten nicht nur den Vater bis ins hohe Alter, sondern auch den Sohn und gaben immer wieder Inspirationen für neue Bilder. Dabei wirken Willis Bilder – im Gegensatz zu den leuchtenden Farben des Sohns – immer dunkler, weniger strahlend.

Die kurzen Bezeichnungen der Bilder von Rupprecht Geiger stammen von den Organisatoren der Ausstellung. Er selbst nummerierte seine Bilder lediglich fortlaufend durch, um den Betrachter nicht von der Wahrnehmung der Farbe abzulenken und durch Worte die Assoziationen zu lenken.

Die Ausstellung im Künstlerhaus Geiger, Neuwies 11, ist bis Sonntag, 12. September, jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. An den Sonntagen gibt es regelmäßig Veranstaltungen, bei denen Florian Geiger, Sohn von Rupprecht, Architekt und Künstler, über seinen Vater und Großvater sowie die Geschichte des Hauses erzählt. Christiane Giesen

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