Alle Bayern kommen in den Himmel

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Wolfgang Krebs schickte das Traunreuter k1-Publikum in den siebten Kabarett-Himmel.

Es ist schon kurios: Die Hölle ist übervoll mit bayerischen Politikern, aber im Himmel erscheint schon seit Ewigkeiten kein CSU-ler mehr. Ein Himmel ohne bayerische Politiker, das ist fast so schlimm wie das Schloss Neuschwanstein ohne Japaner, findet der besorgte Kini alias Kabarettist Wolfgang Krebs, der mit seinem Programm »Vergelt's Gott« auf der Traunreuter k1-Bühne »residierte«.

Sollte man Wolfgang Krebs etwa in den Himmel schicken, um das Problem zu lösen? Wohl kaum, denn mit seiner scharfzüngigen Art, Landespolitiker zu imitieren, würde wohl der letzte dort Verbliebene todeswütig aus allen Wolken fallen – und das will ja keiner. Also doch k1, wo sich ein vom Lachen beflügeltes Publikum paradiesisch (oder höllisch – je nachdem) amüsierte. Um den Notstand im Himmel kann sich ja Petrus kümmern. Und das tat er auch: Wild entschlossen diesem Missstand auf den Grund zu gehen, reaktivierte er den direkten Draht der bayerischen Staatsregierung vom Himmel ins Hofbräuhaus. Als geheimer Rat von Petrus ließ der Kabarettist König Ludwig aktiv werden und ihn mit seinem direkten Ansprechpartner auf Erden, Edmund Stoiber, Kontakt aufnehmen. Und schon tanzten die Damen und Herren Politiker zum Rapport an. Stoiber in weiß-blauem und gold-beflügelten Engelskostüm gekleidet, ging dem Problem (»wieso der Himmel so leer ist wie ein veganes Wirtshaus in Altötting«) analytisch auf den Grund. Eine religiöse Ursache schloss er aus: Katholiken und »Protest-Tanten« seien ausreichend im Lande vertreten. Wenn der Teufel in der Not Fliegen frisst, so die nächste Idee Petrus', warum also nicht den viel zu leeren Himmel mit Freien Wählern auffüllen? Das brachte Hubert Aiwanger auf den Plan: Der sich schon im Leben davor, auf’s Leben danach vorbereite. Natürlich »schafft« er alles (und alle) im breitesten Niederbairisch und das, ganz ökonomisch, mit nur vier Vokalen.

Auch Horst Seehofer tanzte an, um seinen bayerischen Senf dazu zugeben: Bayern sei die Vorstufe zum Paradies – folglich kommen alle Bayern in den Himmel (auch Bayerns Politiker). Er selbst wolle aber auf keinen Fall dort sein, wo der Söder hinkommt. Denn es gebe Kollegen, die müsse man als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen können. Warum so wenig CSU-ler im Himmel landen, das läge sicher an den Ausreisebestimmungen. Anschließend stimmte Markus Söder in aller Herrlichkeit in den himmlisch-kabarettistischen Reigen ein: »I bin der Allerbeste: Weiß alles, kann alles, trau mir alles zu, entscheide alles, und zwar alleine«, so der Krebs-Söder, der sich sicher ist, demnächst vom Papst in den Vatikan abberufen zu werden. Zudem sei er Bayerns oberster Bienenretter, Artenschützer und Frauenversteher.

Last but not least kam auch Noch-Kanzlerin Merkel zu Wort: Gen Himmel zu fahren, das sei ein rein physikalischer Akt. Also kein Zauber. Sie bereite sich lieber auf das Ende ihrer Amtszeit vor, indem sie zuhause die Maskenpflicht einführt, damit sie sich schrittweise wieder an ihren Mann (den »Dings« oder wie er heißt) gewöhnt. Und in der dunklen Jahreszeit will sie ein Weihnachtskrippenspiel mit den noch amtierenden Kollegen inszenieren (die Rollenbesetzung steht schon – Laschet etwa bekommt die Rolle des Ochsen). Mit einem Blick nach oben, war sich aber Krebs-Merkel sicher: »Wir schaffen das!«.

Geschafft war nach fast zwei Stunden pausenlosem Lachen auch das k1-Publikum und mindestens im siebten Kabarett-Himmel. Der andere Himmel kann schließlich noch warten. Kirsten Benekam

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