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Bei der Preisverleihung im Kulturforum Klosterkirche (von links): der Präsident des Lionsclubs Traunstein, Simon Miehler, neben den Preisträgern Fabian Egger und Valentin Diem sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden der ARTS-Kulturfördervereinigung Dr. Thomas Pensler. (Foto: Giesen)

30. Verleihung des ARTS-Kulturförderpreises an zwei junge Künstler

Nach drei Jahren voller Einschränkungen konnte die Verleihung des ARTS-Kulturförderpreises im Kulturforum Klosterkirche Traunstein wieder mit vielen Gästen und anschließendem Stehempfang stattfinden.

Der stellvertretende Vorsitzende der ARTS-Kulturfördervereinigung, Dr. Thomas Pensler, freute sich bei der Begrüßung, dass zu dieser 30. Verleihung so viele Interessierte gekommen waren, darunter Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und allen Gesellschaftsbereichen. Für ARTS sei die Vergabe des Preises einer der beiden wichtigsten Termine im Jahr. Den Preis übergaben der Präsident des Lionsclubs Traunstein, Simon Miehler, und Dr. Thomas Pensler für ARTS als Stifter des Preises.

Der Lionsclub Traunstein stiftet den mit je 1000 Euro dotierten Preis seit vielen Jahren, zum ersten Mal übernahm die Kulturfördervereinigung heuer die andere Hälfte des Preises. Er ging an den im Achental aufgewachsenen Bildhauer Valentin Diem und den Flötisten und Komponisten Fabian Egger aus Traunstein.

Der brachte einleitend als musikalisches Sahnehäubchen auf seiner Querflöte eine Eigenkomposition für Flöte Solo zu Gehör mit dem Titel »Schlaflos«. Bei den ungewohnten Klängen wurde sofort Eggers frappierend virtuoses Spiel auf der Flöte offenbar.

In einer geistreich-humorvollen Rede stellte Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer die beiden Preisträger kurz vor. Es sei unglaublich, welche Preise Fabian Egger mit seinen jungen Jahren (15) schon bekommen habe, stellte Hümmer fest: dreimal den ersten Preis beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert«, den Nachwuchsförder- und Publikumspreis der Sparkassen beim Schleswig-Holstein-Musikfestival, den Sonderpreis für zeitgenössische Musik der Versicherungskammer Bayern und viele weitere Preise von Flötengesellschaften national und international. »Dafür zolle ich Dir meinen höchsten Respekt«, so der OB. Derzeit besucht Egger die 10. Klasse des Landschulheims Schloss Ising. Zuletzt, 2022, wurde er Preisträger der internationalen Sommerakademie Mozarteum und durfte als Solist im Rahmen der Salzburger Festspiele auftreten.

Der weitere Preisträger ist der 1992 in Schleching geborene Bildhauer Valentin Diem. Seine Kreativität sei beachtlich, stellte der Oberbürgermeister fest, denn sie beschränke sich nicht nur auf die Bildhauerei, sondern auch auf seine Grafikarbeiten, die individuell gefertigten E-Gitarren, die Diem neben dem Keyboard selbst spielt. Zusätzlich ist er als stellvertretender Leiter im Museum Salz und Moor in Grassau tätig. Seine ausnehmend hohe, intellektuell anspruchsvolle Bildhauerkunst stellte Valentin Diem den Besuchern anhand zweier Arbeiten vor, eine aus Holz und eine aus Stein geschaffen. Die Holzskulptur »Zeitgeist« zeigt eine völlig nackte (also nicht jugendfreie) Männerfigur mit Hängebauch, aber elegant gekreuzten Beinen auf einer kleinen Plattform, die gerade mit dem Handy ein Selfie macht.

Wie Diem selbst erklärte, sei dieses Sich-Entblößen eine Metapher für die Selbstdarstellung des modernen Menschen in den neuen Medien wie Tic Toc oder Instagram, wo jeder sich selbst durch gefakte Fotos etc. darstellen könne wie er will. All das bilde allerdings oft ganz und gar nicht die Realität ab.

In einer weiteren gezeigten Skulptur Diems mit dem Titel »Fleur de viande« (Fleischblume) lässt der Künstler nach eigenen Worten »seine ästhetischen Lieblingsstellen der Anatomie« so aussehen, als seien sie florales Wachstum. So wirkt der Stein als eine Art von Ammonit. Wichtig sei es, die Skulpturen von allen Seiten zu betrachten und auch anzufassen.

Herzlich gratulierte auch im Namen von Landrat Siegfried Walch der stellvertretende Leiter des Sachgebiets Kultur und Heimatpflege im Landratsamt Traunstein, Stephan Hüfner, selbst Solofagottist. Er ehrte nicht nur die Beharrlichkeit und Begeisterung der beiden jungen Künstler, sondern reflektierte darüber, wie sich die soziale Gemeinschaft über die kulturelle Identität definiert. Denn beide Künstler hätten einen – in der heutigen Zeit besonders schwierigen Weg gewählt, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Jeder Künstler wolle sich mitteilen, andere interessieren, begeistern und bewegen, erklärte Hüfner. Damit wolle er dazu beitragen, dass sich eine Gemeinschaft findet, die sich über die gemeinsame kulturelle Identität definiert. Deshalb seien Kulturförderpreise so wichtig für junge Künstler: Sie seien nicht nur die Belohnung für jahrelange Disziplin und Beharrlichkeit, sondern geben Zuversicht und Selbstvertrauen und ermöglichen Aufmerksamkeit und Publikum – Auftritte, Einladungen zu Ausstellungen, »sie befördern Karrieren«, so Hüfner.

ARTS vermittle mit diesem Preis glaubhaft, dass es sich lohnt sich anzustrengen, dass es Spaß macht sich mitzuteilen und sich mit tiefer gehenden Dingen zu beschäftigen. Daher müssen die an Kultur Interessierten, nicht zuletzt gegenüber der Politik immer wieder betonen, dass unsere gemeinschaftlich erlebte Kultur eine unverzichtbare Investition in die Zukunft ist »und keine Freizeitaktivität, an der man nach Lust und Laune herumsparen darf«, so Stephan Hüfner.

Ein Soloflötenstück von Georg Philipp Telemann, wunderbar gespielt von Fabian Egger, beendete den Festakt offiziell. Danach konnten die Besucher bei Gesprächen und Begegnungen mit den Künstlern die Kunstwerke genau in Augenschein nehmen.

Christiane Giesen

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