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Zwei Monate in einer anderen Welt

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Die beiden Deutschen waren in den zwei Monaten eine große Unterstützung für die Mitarbeiter. Sonja Niederbuchner half unter anderem beim Unterrichten und beim Kochen der Mahlzeiten.
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Den meist traumatisierten Kindern Liebe und Zuwendung zu schenken, das war eine der Hauptaufgaben der beiden Chiemgauerinnen. Auch Monika Perschl hat daher mit den Kindern viel gekuschelt.

Eine Auszeit nehmen und gleichzeitig etwas Gutes tun: Sonja Niederbuchner aus Oed bei Chieming und Monika Perschl aus Grassach bei Altenmarkt entschieden sich nach dem Abitur für ein freies Jahr, halfen nun zwei Monate in einem kenianischen Kinderheim, das von einer Mühldorferin gegründet wurde. Für das Traunsteiner Tagblatt berichteten sie kurz nach der Rückkehr von ihren Erlebnissen.


Aufgeregt und zugleich neugierig kamen wir am Flughafen in Nairobi an. Schon nach kurzer Zeit im Kinderheim mit dem Namen »The Nest« fühlten wir uns aber wie zu Hause – aufgenommen in die große Nest-Familie. Diese bestand aus knapp 80 Kindern und dem dazugehörigen Personal. Die meisten Nest-Kinder waren in Limuru untergebracht, einer kleinen Stadt nordwestlich von Nairobi. Eine zweite Station befand sich am Stadtrand von Nairobi. Hier wurden die Säuglinge betreut. Nur ein paar Hundert Meter entfernt, befand sich der dritte Standort: das Halfway House. Hier bekamen aus der Haft entlassene Mütter die Chance, sich neu zu orientieren.

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Wir verbrachten unsere Zeit hauptsächlich in Limuru, wo Kinder ab einem Jahr leben. Hier halfen alle mit: Die Kinder unterstützten sich gegenseitig und vor allem die Älteren übernahmen viele der Arbeiten.

Vorrang hatte jedoch die Schule: Während einige von ihnen öffentliche Schulen besuchen konnten, wird der Großteil direkt im Nest unterrichtet. Dort gab es neben einer ersten und zweiten Klasse, auch eine Vorschule, in der den Jüngeren Grundlagen, wie das Zählen oder erste englische Wörter vermittelt wurden.

Viele der Kinder waren traumatisiert

Jedes der Kinder hatte sein eigenes Schicksal erlebt, aber trotzdem wirkten sie nach einiger Zeit im Nest fröhlich und ausgelassen. Während einige von ihnen zurückgelassen aufgefunden wurden, lebten andere nur dort, solange ihre Mütter inhaftiert waren. Viele der Kinder kamen traumatisiert oder in einem sehr schlechten körperlichen Zustand ins Nest. Zu unseren Hauptaufgaben gehörte es, den Kindern Liebe und Zuwendung zu schenken.

In unserer Zeit im Kinderheim konnten wir am Alltagsleben teilnehmen und sowohl Mitarbeiter als auch Kinder bestmöglich unterstützen. Zu den Aufgaben des Personals gehörte das Zubereiten von Mahlzeiten, das Waschen, Hausmeistertätigkeiten, das Unterrichten und die generelle Aufsicht und Pflege der Kinder. Außerdem musste man sich auch um die Felder kümmern, auf denen einige Lebensmittel, wie Kartoffeln, Kohl und anderes Gemüse, selbst angebaut wurden. Auf dem Speiseplan der Kinder standen täglich drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten. Dafür wurden dementsprechend viele Lebensmittel benötigt, die jede Woche aufs Neue eingekauft wurden.

Das Geld für die Nahrungsmittel war aber nur ein kleiner Teil der laufenden Kosten, die durchgehend gedeckt werden mussten. So sind monatlich nicht nur Transportkosten, Wasser und Strom, zu bezahlen, sondern auch etwa die Gehälter für Angestellte. Zudem fielen immer wieder zusätzliche Ausgaben, wie medizinische Behandlungen und Reparaturkosten an.

Programm finanziert sich aus Privatspenden

Ins Leben gerufen wurde die eingetragene Stiftung durch Irene Baumgartner, die ursprünglich aus dem Landkreis Mühldorf stammt. Bis heute lebt sie in Kenia und übernimmt dort die Leitung und Organisation des Projekts. Seit der Gründung des Nests 1997 finanziert sich das Programm ausschließlich aus Privatspenden. Jeder noch so geringfügige finanzielle Beitrag wird begrüßt, um die laufenden Kosten zu bewältigen.

Durch die Spendengelder können derzeit 38 Gehälter des Projekts finanziert werden. Ebenso können Sonderzahlungen wie Reparaturen an den Gebäuden und dringende Neuanschaffungen übernommen werden. Ganz oben auf der Liste steht unter anderem ein neuer Kleinbus, mit denen die Kinder zur Schule und Nahrungsmittel transportiert werden.

Wer die Möglichkeit hat, ist außerdem jederzeit herzlich dazu eingeladen, das Nest zu besuchen und sich dort selbst zu engagieren. Für uns war die Zeit im Nest eine tolle Erfahrung, durch die wir viel über die unterschiedlichen Lebensumstände gelernt haben. Wir freuen uns jetzt schon darauf, das Projekt in einigen Jahren wieder zu besuchen und es bis dahin von zu Hause aus bestmöglich zu unterstützen.