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Wie Abiturienten ihre Heimat sehen

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Traunreut. Die Lehrpläne setzen falsche Akzente, Schüler nehmen Berufschancen, die sich ihnen in der Region bieten, nicht richtig wahr, Unternehmen präsentieren sich unzureichend, Lehrer legen keinen großen Wert auf Kontaktpflege mit der heimischen Wirtschaft. Die Studie, die der Informationskreis der Wirtschaft Traun/Alz (IdW) im Technologie- und Design-Center der Siteco in Traunreut präsentiert hat, deckt einige Schwachstellen auf, die für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Südostbayern nicht förderlich sind. Darüber tauschten sich Personalverantwortliche, Politiker, Schulleiter und eine Schülerin bei der Veranstaltung aus.


Um zu erfahren, was jungen Leuten wichtig ist, wie sie ihre Karrierechancen sehen und welche Rolle die heimischen Unternehmen dabei spielen, beauftragte der IdW die Gesellschaft für demographische und soziale Planungen Demosplan damit, die Schüler der Abiturklassen und abiturnahen Jahrgänge der Gymnasien, Berufs- und Fachoberschulen in der Region 18, dazu gehören auch die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land, über deren Zukunftspläne zu befragen. 1752 Schüler beteiligten sich an der Online-Umfrage – etwa 70 Prozent der in Frage kommenden Jahrgänge.

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Lieblingsfächer: Sport und Fremdsprachen

Bei den Lieblingsfächern dominierte der Sportunterricht (17,7 Prozent) vor Fremdsprachen (16,3), Mathematik (16,2) und den sogenannten Kulturfächern (10,5). Mit 1,6 Prozent rangiert Informatik ganz weit hinten. Ganz vorn bei den Studienwünschen liegen dennoch die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) mit 25,8 Prozent. Es folgen Wirtschaft und Recht (15,8), Sozial- und Kommunikationswissenschaften (11,4), Medizin (10,2) und Lehramt (8,4). Die Reihenfolge der bevorzugten Studienorte: Raum München (41,6), Regensburg (11,4), Rosenheim (7,3), Salzburg (8,2). Ein duales Studium ist für knapp die Hälfte der Befragten grundsätzlich interessant.

Als Berufswünsche nannten die angehenden Abiturienten Medizin (14,5 Prozent), Wirtschaftswissenschaften (14,1), Lehramt (12,5) und Ingenieurswesen (11,9) am häufigsten. Die Auswertung der Umfrage ergab, dass 68 Prozent der Schüler, deren Lieblingsfächer naturwissenschaftliche Fächer sind, im Studium in diese Richtung weitergehen wollen. Knapp drei Viertel davon sehen hier auch ihre berufliche Zukunft.

Nach dem Studium wollen 41 Prozent der Schüler in die Heimatregion zurückkehren, 36 Prozent glauben, dass sie wegziehen müssen, um ihre Karrierepläne verwirklichen zu können. 38,5 Prozent aller Schüler sind der Meinung, es müssten mehr Arbeitsplätze in der Region angeboten werden, um sie hier zu halten; 14,8 Prozent glauben, es bräuchte hierfür eine größere Auswahl an Arbeitgebern.

Mehr Praxis bei Informatik gefordert

Zum Themenkreis »Schule und Studium« saßen die Schulleiter des Traunreuter und des Laufener Gymnasiums, Dr. Robert Anzeneder und Dr. Alfred Kotter, Christine Ramsauer als Schülervertreterin, Prof. Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim, Altöttings Landrat Erwin Schneider und BSH-Personalleiter Otto Rockel auf dem Podium.

Dabei wurde unter anderem diskutiert, warum das Zukunftsfach Informatik so schlecht in der Umfrage abschnitt. Die Schulleiter sehen in diesem Zusammenhang Handlungsbedarf bei den Lehrplänen und fordern mehr Praxisbezug.

Warum glauben so viele Schüler, dass ihnen die Region keine oder nur schlechte Perspektiven bietet? Mit dieser Frage beschäftigten sich der IdW-Vorsitzende Konrad Sterflinger, Dr. Wolfgang Neef, Geschäftsführer des Bildungswerks der Wacker Chemie in Burghausen, Kathrein-Personalleiter Alexander Tessner und Mühldorfs Landrat Georg Huber. Der Landrat hielt fest, dass die Unternehmen offenbar nicht ausreichend über das Arbeitsplatzangebot informieren.

Sterflinger betonte für den IdW, der rund 16 000 Arbeitsplätze im Chiemgau repräsentiert, dass vielen Unternehmern Kopfzerbrechen bereitet, woher bei der sich abzeichnenden mangelnden Quantität die Qualität kommen soll. Er beklagte den Trend bei den Hochschulen, Eintrittsschwellen zu senken, um mehr Studenten zu gewinnen.

Demografie und Arbeitsmarkt – darum drehte sich die dritte Gesprächsrunde, an der sich Jutta Müller, Geschäftsführerin Arbeitsagentur, ChemDelta-Bavaria-Sprecher Dr. Alfred Kern, Landrat Hermann Steinmaßl und Bettina Oestreich von der Max-Aicher-Unternehmensgruppe beteiligten.

Gegen eine Demografie-Hysterie wandte sich Steinmaßl: »Lassen wir uns doch nicht verrückt machen!«, forderte er. Man dürfe den Status quo nicht aus den Augen verlieren: »Wir stehen hervorragend da, um unser vielfältiges Arbeitsplatzangebot beneiden uns viele.« Eine Abwanderung der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen sei völlig normal. »Die sollen was von der Welt sehen. Wichtig ist, dass sie danach wieder zurückkommen.«

Arbeitsagenturchefin Müller plädierte dafür, das Feld Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung intensiver zu bearbeiten. fal