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Völkerverständigung der besonderen Art

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Auch diese Schülerinnen interessierten sich für die Ausstellung mit Bildern und Exponaten aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. (Foto: Mix)

Traunreut – Seit 14 Jahren besteht in St. Baussant in Frankreich ein Schülerprojekt, bei dem Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg restauriert und als Gedenkstätte eingerichtet werden. Seit 2013 sind daran auch Schüler des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums (JHG) beteiligt. Nun trafen sich ehemalige und eventuell zukünftige Teilnehmer sowie deren Eltern in der Aula der Schule, wo das Projekt vorgestellt wurde.


Die Verbindung des Gymnasiums in Traunreut mit dem Collège Ferdinand Buisson in Thiaucourt hat den Kontakt zwischen den französischen und deutschen Jugendzentren ermöglicht. Daraus entstand die Idee, dass deutsche Schüler am Projekt mitarbeiten. Dank der Initiative und Kooperation verschiedener französischer Partner und der Stadt Traunreut wurde es im Juli einer Schülergruppe der 10. Jahrgangsstufe des JHG ermöglicht, daran teilzunehmen (wir berichteten ausführlich).

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Marc Rolin, der für die Organisation der Arbeit in den Schützengräben zuständigen, militärhistorischen Gesellschaft von Lothringen, gab anhand einer Reihe von Bildern Einblick in die Arbeiten an den Schützengräben. Nach seinen Angaben ist die Region St. Baussant noch heute stark gezeichnet vom Ersten Weltkrieg. Kämpfe zwischen deutschen und französischen Truppen gab es hier zwischen September 1914 und Juli 1915. Inzwischen sind die Schützengräben meist zugewachsen oder eingefallen, ein dichter Wald steht über den Anlagen von damals. Nach dem Vorbild alter Fotos rekonstruiert man Teile der Schützengräben, legt sie wieder frei, säubert sie, erneuert die Stützmauern, sammelt die gefundenen Gegenstände aus den Kriegsjahren und zeigt sie in einer Ausstellung. Teile daraus sind nun auch in einer Ausstellung in der Aula des Traunreuter Gymnasiums zu sehen.

Wie einzelne jugendliche Teilnehmer in kurzen Interviews deutlich machten, sehen sie in ihrer Arbeit ein wichtiges Symbol: »Früher kämpften hier französische und deutsche Soldaten gegeneinander in den Gräben. Heute arbeiten hier französische und deutsche Jugendliche miteinander.« Freundschaften seien dabei entstanden, die auch nach Beendigung der gemeinsamen Arbeiten weiter bestehen. Mit vorgelesenen Tagebucheinträgen eines deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg wurde deutlich gemacht, was die Männer damals in den Schützengräben erlebten. Persönliche Aufzeichnungen und Erfahrungen der Schüler, die heuer in Frankreich waren, wurden dem gegenüber gestellt. Darin wurde unter anderem betont, dass diese restaurierten Schützengräben ein Mahnmal sein sollten, »damit so etwas Schreckliches niemals mehr geschieht«.

Schulleiter Matthias Schmid hob in seiner kurzen Ansprache hervor: »Am Glauben an ein friedliches Zusammenleben muss immer gearbeitet werden. Es ist Aufgabe jeder Generation, vor den Schrecken des Krieges zu warnen und alles dafür zu tun, dass es wenigstens in Europa nicht mehr so weit kommen kann.«

Lehrerin Christina Falter, die den jährlichen Schüleraustausch zwischen beiden Schulen organisiert und begleitet, drückte ihre Hoffnung aus, dass das Projekt auch in den nächsten Jahren weitergeführt wird und vielleicht durch die Präsentation Schüler der kommenden zehnten Jahrgangsstufe schon mal neugierig gemacht wurden. mix