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Vernetzt und doch allein

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Rausgehen und Freunde treffen: Das ist bei vielen Jugendlichen in Zeiten von Facebook selten geworden.

Smartphones gehören für junge Menschen zum Alltag. Noch nie wurde so viel angeklickt, geschrieben und geteilt. Noch nie war die Vernetzung so groß. Und doch fühlen sich immer mehr Kinder und Jugendliche allein, weiß Anna Zacharias von der »Nummer gegen Kummer«.


»Einsamkeit und depressive Verstimmung, diese Themen nehmen zu bei unserem Jugendtelefon.« Ob beide Entwicklungen zusammenhängen, möchte sie nicht beurteilen. »Aber anscheinend gibt es viele, die sich trotz der Vielfalt an sozialen Netzwerken isoliert und teilweise einsam fühlen.«

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»Es dreht sich alles ums eigene Ich«

Es gibt offenbar einen Widerspruch: Fast jeder ist in eine große virtuelle Gemeinschaft eingebunden, doch das Gefühl dazu passt nicht. Der langjährige Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier sieht die Rolle von sozialen Netzwerken in zwischenmenschlichen Beziehungen kritisch: »Das Ego steht im Mittelpunkt und nicht die Beziehung zu anderen. Es dreht sich alles ums eigene Ich«, sagt der Gründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien.

Auf Facebook sei man aber nicht man selbst, sondern reduziere sich auf ein angelegtes Profil, das immer verzerrt ist. »Facebook ist für viele nur eine Scheinwelt: Ich kann Bilder von Hawaii hochladen und sagen, ich habe dort Urlaub gemacht« – selbst, wenn das gar nicht stimme, nennt Zacharias als extremes Beispiel.

Schwierig wird diese Inszenierung dadurch, dass man sein eigenes Profil ständig mit dem von Freunden und Bekannten vergleichen kann – die scheinbar alle richtig tolle Dinge tun. »Gleichzeitig sitzt man alleine vor dem Bildschirm. Am Ende des Tages bleibt die eigene Defiziterfahrung«, sagt Heinzlmaier. Die Nutzer in sozialen Netzwerken sind also immer auf sich selbst zurückgeworfen: Warum bin ich nicht so erfolgreich, beliebt oder glücklich wie der andere? Dabei vergleichen sich viele mit Leuten, die ihnen eigentlich egal sein könnten: »Viele wollen gerade herausfinden, was Leute machen, mit denen sie eigentlich wenig Kontakt haben«, sagt Zacharias.

Jugendliche säßen also vor ihrem Gerät und warteten auf ein Feedback zum eigenen Leben, sagt Heinzlmaier. »Viele versuchen, über die virtuellen Kontakte all das zu bekommen, was man nur in der risikoreichen Welt da draußen bekommen kann.« Und manche verlieren sich dann in diesem Bemühen, stets einen Eindruck hinterlassen zu wollen. »Sie wissen am Ende des Tages gar nicht, wer sie sind.« Mit echtem Austausch und richtiger Kommunikation hat das wenig zu tun.

Es ersetzt kein persönliches Gespräch

Wichtige Merkmale von echter Freundschaft fallen im sozialen Netzwerk einfach weg. »Facebook limitiert und strukturiert die Kommunikation. Es gibt keinen Dislike-Button, soziale Rückschläge finden nicht statt«, erklärt Heinzlmaier. Kaum jemand teilt seine Misserfolge schließlich dem gesamten Bekanntenkreis mit. »Man kriegt auch nur wenig Feedback, das ersetzt nie ein Telefonat oder persönliches Gespräch«, ergänzt Zacharias. »Echte Emotionen lassen sich durch Profile nur schlecht vermitteln.«

Aus Sicht von Heinzlmaier darf man ein Netzwerk im Internet nicht mit einer Gemeinschaft in einer Clique verwechseln: »In der Gemeinschaft überwindet man das Nutzenprinzip. Man unterstützt andere, ohne selbst einen Vorteil zu haben.« Heinzlmaier rät nun aber nicht, sich gleich von Facebook abzumelden und das Smartphone in die Schublade zu stecken. »Es geht nicht darum, sich aus den sozialen Netzwerken zu verabschieden, sondern möglichst schnell von einer virtuellen zu einer realen Beziehung zu kommen.« Denn Freundschaft entstehe durch gemeinsames Erleben und das wird im Internet schwierig.