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Unistress macht vielen Studenten zu schaffen

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In fast allen Hochschulorten gibt es psychologische Beratungsstellen für Studenten, denen die Belastungen über den Kopf wachsen. Die Nachfrage nimmt kontinuierlich zu.

Mit dem Januar und dem Ende der Weihnachtsferien steht für die Studenten in Deutschland und Österreich auch immer die Prüfungszeit vor der Tür. Doch der Unistress macht vielen Studenten zu schaffen. Manchen so sehr, dass sie seelisch krank werden. Betroffene sind mit solchen Problemen an der Uni aber nicht allein. Sie können sich kostenlos und anonym beraten lassen. Die Nachfrage danach ist stark gestiegen.


Angst vor der nächsten Prüfung, Heimweh oder Sorgen um die berufliche Zukunft: So manchem Studenten wachsen die Belastungen über den Kopf. Die straffen Zeitpläne und vielen Klausuren im Bachelor tun ihr Übriges. Für stressgeplagte Studenten gibt es in fast allen Hochschulorten aber psychologische Beratungsstellen. Jeder Student, der Probleme mit dem Studium, der Familie oder den Freunden hat, kann sich dort professionelle Hilfe holen.

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Nachfrage nach Beratungsstellen wächst

Die Nachfrage danach wächst kontinuierlich: So haben zuletzt fast 26 000 Studenten Hilfe in den Beratungsstellen gesucht. Dort können sich Studenten telefonisch oder per E-Mail melden. Dann wird meist ein Termin vereinbart, wo geklärt wird, wann und wie oft man sich wieder sieht. So bekommt jeder die Hilfe, die er braucht. Und: Die Berater – meist Psychologen – unterliegen der Schweigepflicht.

Dass Studenten psychische Probleme haben können, ist nichts Neues. »Immerhin ist das eine Lebensphase, in der einiges in Bewegung ist und Krisen daher fast zwangsläufig auftreten«, erklärt Wilfried Schumann, Leiter der psychosozialen Beratungsstelle in Oldenburg. »Allerdings hat sich die Lage in den vergangenen Jahren spürbar verschärft.«

Die Gründe dafür? »Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sind Prüfungen und die Erbringung von Leistungen stark in den Vordergrund gerückt«, sagt Psychologe Schumann. Hinzu komme der Druck, möglichst schnell zu studieren. »Viele Studierende fragen sich schon früh, ob ihre Leistungen aus dem Bachelor gut genug für einen Master sind.« Hinzu komme, dass viele Studenten sehr ehrgeizig seien. »Sie setzen sich selbst stark unter Druck«, berichtet Schumann. Das bestätigt Fachmann Grob: »Viele haben das Leistungsdenken der Gesellschaft sehr verinnerlicht und gestehen sich keinen Misserfolg oder gar ein Scheitern ein.«

Von der Prüfungsangst bis zu Konzentrationsproblemen

Die Folgen können unterschiedlich sein. »Viele Studierende kommen mit Lern-, Leistungs- und Prüfungsproblemen zu uns«, berichtet Sabine Köster, Leiterin der psychotherapeutischen Beratungsstelle vom Studentenwerk Karlsruhe. Dort hat sich die Anzahl der Ratsuchenden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. »Einige haben Prüfungsangst, andere haben Motivations- oder Konzentrationsprobleme.« Andere lernten zwar sehr viel, bekämen aber nur schlechte Noten.

»Bei all diesen Problemen kann man natürlich kein Patentrezept geben, sondern muss schauen, was jeweils die Ursache ist«, sagt Köster. »Wer zum Beispiel Misserfolge in Prüfungen hat, könnte sich beim Lernen verausgabt haben, weil er nie Pausen machte. Oder aber die Konzentration bei der Prüfungsvorbereitung hat darunter gelitten, dass es in anderen Lebensbereichen gerade viel Stress gibt.« Dann könnten die Berater helfen, einen Weg zu finden, mit der Situation besser klarzukommen. »Vielleicht hat derjenige auch nicht gelernt, effektiv zu lernen. Dann besprechen wir Lerntechniken, helfen bei der Erstellung eines Wochenplans oder geben Tipps, wie man ein Skript durcharbeiten kann.«

Experten raten: Möglichst früh Hilfe holen

Viele Studenten versuchen aber, die Probleme mit sich selbst auszumachen. Die Experten raten jedoch, sich möglichst früh Hilfe zu holen. »Je länger man wartet, desto mehr könnten sich die Probleme auch auf andere Bereiche auswirken«, sagt Köster. So könne es passieren, dass aus einem Durchhänger eine längere Krise werde, man sich zunehmend selbst infrage stelle und Freundschaften zu leiden beginnen. »Wer früher in die Beratung kommt, braucht vielleicht nur ein oder zwei Gespräche, damit es deutlich besser geht.«

Außerdem sollte man die Ansprüche an sich selbst hinterfragen. »Viele Studierende quälen sich mit ihren Leistungsidealen und übersehen, was sie schon können«, berichtet Experte Schumann. Wer sich überfordert fühle, habe oft sehr hochgesteckte Ziele. »Reguliert man die Ziele, sinkt auch der Druck.« Zudem gehöre es zum Leben, Misserfolge zu haben. Das schade auch keinem Lebenslauf. »Stattdessen sollte man sich mehr vertrauen und die eigenen Erfolge sehen.«