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Traunsteiner Gymnasiasten erlebten Geschichtsunterricht vor Ort

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Traunstein – Im P-Seminar mit dem Titel »Sentiero della Pace« beschäftigten sich zehn Schüler des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein seit Beginn des vergangenen Schuljahrs mit dem Gebirgskrieg von 1915 bis 1918.


Das Kernstück des P-Seminars bildete die Beschreitung eines Abschnitts des sogenannten »Friedenswegs«, der zum großen Teil auf ehemals militärisch genutzten Pfaden und Wegen dem ehemaligen Frontverlauf vom Stilfser Joch bis zur Adria folgt.

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Die Wahl fiel auf fünf Etappen am Karnischen Hauptkamm, der heute die Grenze zwischen Süd- und Osttirol bildet, sodass man dort im wörtlichen Sinne oft mit einem Bein in Österreich und mit dem anderen in Italien wandert. Die Tour wurde von den Schülern sowohl inhaltlich als auch logistisch vorbereitet. Neben der Erschließung der historischen Hintergründe und der Organisation galt es, durch entsprechende Übungstouren und individuelles Training die körperlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die fünf mäßig anspruchsvollen Etappen in meist hochalpinem Gelände sicher bewältigen zu können.

Zudem konnten mehrere Firmen aus der Region als Sponsoren gewonnen werden. Die Spenden in Höhe von insgesamt 1000 Euro kommen in voller Höhe der Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« zugute.

Nach einem einführenden Vortrag in der Festung Mitterberg bei Sexten ging es los in Richtung Sillianer Hütte. Der grandiose Blick auf die kühnen Felstürme der Sextener Dolomiten, der sich in seiner ganzen Pracht erstmals vom Gipfel des Helm bot, begleitete die gesamte Exkursion. Immer wieder wurde jedoch die überwältigende Schönheit der Landschaft von den überall deutlich zu erkennenden Relikten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sichtbar. So mahnte zum Beispiel schon am zweiten Tag Mitteleuropas höchstgelegener Soldatenfriedhof in der Nähe des Hochgräntenjochs zum Innehalten, bevor man als nächstes Etappenziel die idyllisch gelegene Obstanserseehütte erreichte, deren Spiegelbild im gleichnamigen See bei Abendlicht fast ein wenig kitschig daherkam.

Auch auf der dritten Etappe zur Porzehütte waren für den aufmerksamen Beobachter inmitten herrlichster Landschaft immer wieder Laufgräben, Geschützstellungen und Reste von Mannschaftsunterkünften zu erkennen. Dies beeindruckte und bedrückte insbesondere dann, wenn man wie die Schüler durch eine inhaltliche Vorbereitung sehr konkrete Vorstellungen davon entwickelt hat, welchen Schrecken dieser Krieg im Gebirge für Soldaten und Zivilbevölkerung mit sich brachte.

Um hier nicht in einen effektorientierten »Gruseltourismus« beziehungsweise in einen unangemessenen »Heroismus« abzugleiten, war es notwendig, die damaligen Ereignisse unter fachkundiger Anleitung möglichst objektiv einzuordnen. In diesem Zusammenhang galt es zu beachten, dass die ältere und auch eine umfangreiche semiprofessionelle Geschichtsschreibung oft dazu tendiert, den Gebirgskrieg als solchen beziehungsweise seine Protagonisten mythologisch zu überhöhen. Vor allem die Internetrecherche erforderte ein erhebliches Maß an Kritikfähigkeit.

Auf der nächsten Etappe folgte die Schülergruppe nicht der klassischen Route zum Hochweißsteinhaus, sondern wählte die weniger anspruchsvolle Variante zur Malga Antola, einer einfachen italienischen Almhütte. Von dort führte ein einfacher Wanderweg durch das Val Visdende hinunter ins Tal.

Zurück zum Ausgangspunkt in Sexten ging es dann mit dem Bus über den in Kriegszeiten strategisch bedeutsamen Kreuzbergpass. Insgesamt zeichnete sich die Tour durch sehr widersprüchliche Eindrücke aus – Licht und Schatten waren nicht nur wetterbedingte Begleiter. fb