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Traunreuter Schüler legten Schützengräben in Frankreich frei

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Mit Hilfe von Eimern entfernten die Jugendlichen Gestrüpp und Wasser aus den Schützengräben.
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Bevor es an die Arbeit ging, konnten sich die Jugendlichen die bereits restaurierten Schützengräben ansehen.

Traunreut – Gemeinsam mit dem Jugendzentrum fuhren elf Schüler des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums (JHG) nach St. Baussant nach Frankreich, um dort gemeinsam mit französischen Schülern Schützengräben freizulegen und zu renovieren. Die Aktion findet bereits seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit den französischen Partnern statt: der militärhistorischen Gesellschaft von Elsass-Lothringen (ALHIMIC) und dem französischen Kreisjugendring (MJC Thiaucourt).


Die JHG-Schüler fuhren mit dem Zug nach Frankreich. »Die Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum der Stadt läuft blendend. Wir freuen uns, dass die Schüler nun schon zum vierten Mal diese Freiwilligenarbeit in Frankreich machen können. Dafür gebe ich auch gerne eine Schulbefreiung«, so Dr. Robert Anzeneder, Schulleiter des JHG.

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Schüler wurden in Gastfamilien untergebracht

Christian Cratz vom MJC Thiaucour betonte, dass von ihm die Gastfamilien persönlich ausgewählt werden. Die Aufnahme der Jugendlichen war sehr zuvorkommend. Marie-Theres Clemente berichtete: »Meine Gastfamilie war nicht nur sehr freundlich, sondern ich wurde auch kulinarisch immer wieder positiv überrascht.«

Um 9 Uhr begann für alle die Arbeit. Philipp Dourthe, der Präsident der militärhistorischen Gesellschaft von Elsass-Lothringen, leitete die Jugendlichen an. Er war lange als Pionier in der französischen Armee tätig: »Ich freue mich, dass sich die Jugendlichen für die Geschichte interessieren und an dieser Arbeit aktiv teilnehmen. Vor 14 Jahren habe ich mit ein paar Mitstreitern angefangen, die Schützengräben als Gedenkstätte herzurichten. Jedes Jahr verbessern wir die Anlage ein wenig und erhalten sie als Sehenswürdigkeit.«

Die deutschen Schützengräben von St. Baussant ziehen sich über eine begehbare Länge von etwa eineinhalb Kilometern. »Da die deutsche Armee vor allem das Ziel hatte, ihre Stellung in der Region zu halten, sind die Schützengräben in St. Baussant zum Teil ausbetoniert und mit Steinen verstärkt. Die Schützengräben der französischen Armee hingegen waren nicht auf Verteidigung ausgelegt und sind dementsprechend auch nicht erhalten geblieben«, so Philipp.

Bestehende Anlage musste gereinigt werden

Zuerst einmal musste die bestehende Anlage gereinigt werden. Auf dem Programm standen unter anderem Rasenmähen, Moos aus den Zwischenflächen der Steine entfernen und die Bäume zuschneiden. Mittlerweile ist der Wald um die Schützengräben, welcher 1918 gepflanzt wurde, dichter geworden. »Nach dem Ersten Weltkrieg wollte man zuerst einmal das Gebiet mit den Schützengräben, das als große Wunde empfunden wurde, zudecken. Aufgrund dessen liegen solche Schützengräben, ebenso wie die im Ersten Weltkrieg zerstörten Dörfer und Städte dieser Zeit, in Wäldern«, erklärte Marc Rolland von der ALHIMIC.

Etwas schwieriger hingegen erwies sich die Reinigung der Schützengräben in nordöstlicher Richtung der Anlage. Da diese komplett von der deutschen Armee ausbetoniert wurden, sammelt sich dort nun das Wasser an und kann nicht abfließen. Mit Pumpen, Schaufeln und Eimern mussten dort das Gestrüpp und das Wasser aus den Gräben entfernt werden. Dieses Jahr litt das Gebiet unter einer enormen Mückenplage, wogegen weder lange Hosen noch Mückenspray wirklich halfen, berichtete Eva Haindl.

Ein Teil des dortigen Schützengrabens wurde nach historischen Fotos restauriert. Mit dem Maschendraht wurde die von der Front abgelegene Seite stabilisiert. Auf der anderen Seite wurden schadhafte Stellen mit Steinen ausgebessert. Zugänglich gemacht wurde dieser durch eine Treppe; an der anderen Stelle wird dieser Bereich in den nächsten Jahren weiter freigelegt werden. Dort muss etwa ein halber Meter an Erde abgetragen werden.

Abschluss des Projekts wurde gebührend gefeiert

Ein harter Arbeitstag ging gegen 17 Uhr zu Ende. Anschließend begann die landeskundliche Fahrt. Zwei Feierlichkeiten bestimmten diese Woche: Zum einen das Spektakel zum 14. Juli in den Dörfern um Thiacourt, welches nach einem Essen und dem Lampionzug der Kinder zum Nationalfeiertag mit einem Feuerwerk und lauter Musik zelebriert wurde. Diesen Tag verbrachten die deutschen Jugendlichen mit den Gastfamilien in Essay et Maizerais, in Thiaucourt und in Pont-à-Mousson. Zum anderen wurde aber auch der Abschluss der Freiwilligenarbeit der Jugendlichen gebührend gefeiert. Dazu wurde die Arbeitsstelle den Eltern und anderen Interessenten direkt vor Ort vorgestellt. Anschließend wurde in Nancy am Place Stanislas auf das Ende dieser Woche angestoßen.

Am nächsten Tag traten die Jugendlichen den Rücktritt nach Hause an. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Straßburg, wo sie die Innenstadt besichtigten, kamen alle wieder gesund und wohlbehalten zu Hause an. fb