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Sport ohne Ende? Das ist nicht immer sinnvoll!

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Wer wie Arijalda Mujkovic schon in jungen Jahren viel Sport treibt, muss auf seinen Körper achten: Ist man ständig krank, schlapp oder müde, sollten die Alarmglocken läuten.

Ein Leben ohne Sport? Für Arijalda Mujkovic unvorstellbar. Sie fing 2008 an, Volleyball zu spielen. Schon ein Jahr später trainierte sie sechsmal wöchentlich – plus Punktspiele am Wochenende. Nach dem Abitur ging sie für ihr Studium nach Lippstadt. Sie fand ein neues Team in der Regionalliga, stieg aber nach der halben Saison wieder aus. »Dreimal die Woche 140 Kilometer bis zum Training wurden mir einfach zu viel. Das konnte ich mit dem Studium nicht vereinbaren.« Die 21-Jährige stillt ihre Sportlust jetzt mit Beachvolleyball und geht dreimal die Woche ins Fitnessstudio. Hier hat sie sich einen Trainingsplan erstellen lassen, der Ausdauer- und Muskeltraining abdeckt. Je nach Zeit und Laune geht sie joggen. Zu viel?


Den Körper kennen und auf ihn hören

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Professorin Christine Graf von der Sporthochschule Köln findet, dass »zu viel« relativ ist. »Solange der Körper es mitmacht, ist das Training nicht immer ein Problem.« Der Trick ist vielmehr, seinen Körper zu kennen und – noch viel wichtiger – auf ihn zu hören. Wenn man zum Beispiel öfter krank, schlapp oder ständig müde ist, sollten die Alarmglocken läuten. »Jede Person hat eine unterschiedliche Leistungsgrenze. Diese hängt nicht unbedingt von der ausgeübten Sportart ab, sondern vielmehr von der Frequenz und Intensität«, sagt Graf. Und es ist wichtig, sich auch Erholung zu gönnen.

Auf seinen Körper zu hören, ist manchmal nicht genug. Ulrich Fegeler vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte rät, dass etwa Leistungssport medizinisch begleitet werden sollte. So können Verschleißerscheinungen rechtzeitig erkannt werden. Wird jemand früh vom Ehrgeiz gepackt und will zum Beispiel Tennis-Champion werden, muss der Jugendliche ständig untersucht werden. »Nur so kann man sehen, inwieweit das Schultergelenk und die stabilisierende Muskulatur geschädigt werden«, sagt Fegeler.

Höchstleistung nicht in den Vordergrund stellen

Häufig werde über die Belastungsgrenze hinaus trainiert, und »das hinterlässt dauerhafte, körperliche Schäden«, sagt Fegeler. »Das Trimmen auf Höchstleistung darf niemals im Vordergrund stehen.« Das ist besonders wichtig für junge Sportler. »Wenn jemand ab dem 15. Lebensjahr Gewichte stemmt, wird sich das wahrscheinlich mit Zunahme des Trainings und der Dauer des Sports schädigend auf die Wirbelsäule und die Gelenke auswirken«, sagt Fegeler. »Eine wachsende Wirbelsäule ist viel anfälliger für Fehlbelastungen als eine ausgewachsene.«

Grundsätzlich ist gegen Volleyball, Tennis und Co. natürlich nichts einzuwenden, wie Fegeler sagt. Bei Arijalda Mujkovic seien auch keine Grenzen überschritten. »Was auch immer ihr Ziel oder Motiv ist, ihr macht es Spaß, und es ist offenbar keine Qual.« Der erstellte Trainingsplan enthält Kurse wie Zumba für die Ausdauer sowie Gerätetraining für den Muskelaufbau. Circa anderthalb Stunden dauert eine Trainingseinheit.

Ein gutes Training berücksichtigt den individuellen Zustand und ist angepasst an die körperliche Entwicklung bei Jugendlichen«, betont Graf. Da sind auch gute Trainer gefragt. Mindestens 150 Minuten sportliche Aktivität pro Woche empfiehlt die Medizinerin.

»Ich esse, worauf ich Hunger habe«

Während es für andere oft eine Qual ist, den inneren Schweinehund zu überwinden und sich zum Sport aufzuraffen, hat Arijalda den Eindruck, dass sie momentan eher zu wenig Sport macht. Das liegt aber nicht daran, dass sie mit ihrem Körper unzufrieden ist: »Auf meine Ernährung achten tue ich nicht wirklich. Ich esse, was mir schmeckt und worauf ich Hunger habe. Warum ich denke, es ist zu wenig Sport, hängt mit früher zusammen.« Sie hat den Eindruck, dass Leute in ihrem Alter sehr sportbewusst sind. »Oft zu bewusst. Folgt man den Leuten auf Facebook, sieht es so aus als würden viele nur Sport treiben, um gut auszusehen. Die Jungs pumpen für die Muskeln, die Mädels wollen dem Idealbild entsprechen.« Sport, um fit zu bleiben, ist ihr lieber. Sie hat einen guten Weg für sich gefunden, auch wenn ihr das Volleyballspielen fehlt. dpa