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Fair einkaufen wird immer wichtiger – Spagat zwischen Geldbeutel, Coolness und guten Taten oft schwer zu meistern

Shoppen ohne schlechtes Gewissen

Virginia packt oft die Kauflust. Ihren eigenen Stil zu finden und Mode zu tragen, die nicht jeder hat, ist ihr wichtig. »Mir ist es dann eigentlich auch egal, wenn die Kleidung aus Bangladesch kommt und von Kindern genäht wurde, so makaber das auch klingt«, sagt sie. Aber ganz so abgebrüht ist die 19-jährige Studentin aus Bochum dann doch nicht.

Billige oder faire Jeans? Jugendliche haben zwar den Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit, dies im Alltag in die Tat umzusetzen, scheitert aber oft am Geld.

Sie kennt sich aus mit dem Fairphone, einem Handy aus weitgehend fair gehandelten Materialien. Sie weiß, dass die Bekleidungskette H&M eine Linie für »grüne« Mode auf den Markt gebracht hat. Und sie hat sich vorgenommen, faire Mode zu kaufen, wenn sie später mehr Geld verdient. Aber momentan könne sie sich das einfach noch nicht leisten. Und weniger, aber teurere Klamotten zu kaufen, das komme für sie dann doch nicht in Frage.

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»Leben der Arbeiter macht mich traurig«

Auch Anna (15) aus Berlin geht gerne shoppen, ohne dabei ausdrücklich auf faire Mode zu achten. »Aber wenn ich im Fernsehen Reportagen sehe über das Leben der Arbeiter, habe ich Mitleid. Und dann kaufe ich die Klamotten oder Schuhe manchmal nicht, weil es mich traurig macht.«

Den Zwiespalt, in dem beide stecken, beschreibt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sehr genau. Jugendliche seien viel sensibler als der Durchschnitt der Bevölkerung, wenn es um fair gehandelte Produkte und umweltschonenden Konsum geht. Wie wir in Zukunft leben werden, darüber machten sich viele Jugendliche Gedanken. Dabei spiele der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit eine große Rolle. Aber das im Alltag in die Tat umzusetzen und ganz praktisch Fair-Trade-Kaffee im Supermarkt oder zu fairen Löhnen hergestellte Mode zu kaufen, dafür fehle es den Jugendlichen oft an Geld und Möglichkeiten, sagt Hurrelmann. Fair gehandelte Bananen findet man zwar öfters in Supermärkten, aber faire Mode, Schuhe und Handys muss man suchen. Verschiedene Siegel wie Fairtrade, der Global Organic Textile Standard und das von der Fair Wear Foundation vergebene Gütezeichen für ökologische und sozial fair hergestellte Mode helfen dabei. Inzwischen versprechen auch einige bei Jugendlichen beliebte Modehersteller wie Nike, Adidas, H&M und American Apparel, mehr auf Fairness zu achten.

Schokolade, Bananen und Kakao sind ein schnellerer Einstieg in die Fair-Trade-Welt. Manche Jugendliche fangen damit gleich in der eigenen Schule an. Wie der 17-jährige Florian, der vor ein paar Jahren erst beim Pausenverkauf von fair gehandelter Schokolade mitmachte und in diesem Frühjahr sein Abitur absolviert.

Auch seine Schule, das Carl-Orff-Gymnasium in Unterschleißheim ist eine der inzwischen 44 sogenannten Fair-Trade-Schulen in Deutschland. Mit dem Titel werden Schulen ausgezeichnet, die sich für fairen Handel engagieren. dpa