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Schüler mit klaren Erwartungen an die Landespolitiker

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Auf die Schulbank ging es für die vier Landespolitiker Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Güll (SPD), Florian Streibl (Freie Wähler) und Klaus Steiner (CSU) für die Diskussion an der Beruflichen Fachoberschule in Traunstein. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. Schüler der Fachoberschule und Berufsoberschule in Traunstein haben klare Vorstellungen, was sich politisch verändern soll. In einer Schulveranstaltung diskutierten Zwölftklässler der Schule in Traunstein mit den Landtagsabgeordneten Klaus Steiner (CSU), Martin Güll (SPD), Florian Streibl (Freie Wähler), und Gisela Sengl (Bündnis 90/ Die Grünen).


Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer – ganz gemäß des Themas der Veranstaltung – dass die Jugend in Bayern eine gute Zukunft habe. Sehr unterschiedlich waren allerdings die politischen Ansätze über Grundsatzfragen, die von volkswirtschaftlichen Themen wie beispielsweise der Staatsverschuldung, über die Fragen von Bildung und Infrastruktur über relevante gesellschaftliche Themen reichten.

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»Europawahl ist für junge Leute wichtig«

Dabei hielten sich Wahlkampfphrasen sehr in Grenzen, was auch darin begründet sein dürfte, dass die Landtags- und Bundestagswahlen bereits im vergangenen Jahr stattfanden. Allerdings widersprach Grünen-Vertreterin Sengl dem Eingangsplädoyer von Moderator Christian Mayer: »Wir haben Wahlkampf, die Europawahl ist gerade für junge Leute wichtig«, ermutigte sie die Anwesenden, ihr demokratisches Recht aktiv zu nutzen. Steiner (CSU) ging noch einen Schritt weiter: »Engagiert euch in einer demokratischen Partei, engagiert euch ehrenamtlich.«

So manchem Schüler dürfte die Planung, selbst Berufspolitiker zu werden, gleich eingangs vergangen sein, als die vier Diskussionsteilnehmer über ihr persönliches Zeitengagement in der Landtags- und Stimmkreisarbeit berichteten. Eine 70-Stunden-Woche habe er, sagte der FW-Abgeordnete Streibl und fügte hinzu, dass ihm die Arbeit, für Menschen da zu sein, Freude mache. SPD-Bildungsausschussvorsitzender Güll sagte: »Die Arbeit muss man mögen, sonst wird es Stress.« Für Sengl ist es wie ein Tanz auf dem Drahtseil, in dem es auch darum gehe, eine Balance zwischen dem Familienleben und der politischen Arbeit zu halten.

Im Laufe der Diskussion wurden unter anderem der Länderfinanzausgleich und das Landesbank-Debakel aufgegriffen, aber auch der Ausbau der Infrastruktur, bei der beispielsweise die Autobahn zwischen München und Salzburg eine große Rolle spielte. Auf wenig Gegenliebe von den männlichen Schülern stieß in diesem Zusammenhang etwa die Forderung eines Tempolimits von Gisela Sengl.

ÖPNV ist den Schülern zu teuer

Kritisch äußerten sich die Schüler auch zum Thema Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV), der zu teuer und zu wenig flächendeckend sei. Aber auch einen zunehmenden schulischen Druck machten die Schüler aus. Dies sei mit der Grund, weshalb sich junge Menschen in ihrer knappen Freizeit nicht mehr ehrenamtlich engagieren würden, sagte ein Schüler. Für den rechtspolitischen Sprecher der Freien Wähler im Landtag, Streibl, war dies natürlich eine Steilvorlage mit Blickrichtung auf das Volksbegehren zum G9. Man brauche eine »Entschleunigung und Vermenschlichung«. Das G8/G9 sei hier die »Spitze des Eisberges«. Man sei in Deutschland auf dem falschen Weg und »viel zu engstirnig auf Leistung getrimmt«, sagte Güll, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag.

Steiner nahm in dem empfundenen Druck auch die Eltern in die Pflicht, es bestünde bei den Eltern teilweise eine »Übertrittspanik.« Die ruhig und sachlich geführte Diskussion geriet dann doch noch etwas aus den Fugen, als sich Güll und vor allem Sengl auf die Mittelschule »einschossen«. Steiner verteidigte diese energisch, seine beiden Landtagskollegen sahen eine entsprechende Erfolglosigkeit beim Bemühen, die Mittelschule als gute Option für junge Menschen zu positionieren.

Während zum Abschluss der eineinhalbstündigen Diskussion Steiner den Landkreis als eine Region lobte, die den Schülern alle Möglichkeiten eröffnen würde, lobte Güll die anwesenden Schüler als »interessiert und diszipliniert«. Streibl ermutigte sie, sich politisch zu engagieren und Sengl rief ebenfalls dazu auf, sich an Entwicklungen in der Gesellschaft zu beteiligen und sich in das gesellschaftliche Leben einzubringen. awi