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Probemütter auf Zeit

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Vier Tage lang kümmerten sich die sechs Schülerinnen jeweils um ein »Baby«. Die Puppe hatte dabei reale Bedürfnisse wie ein richtiges Kind.

Traunreut – Nachts aufstehen, füttern, wickeln, Bäuerchen machen: Bei dem »Babyprojekt« der Berufsschule der Jugendsiedlung schnupperten sechs Schülerinnen mit Hilfe von Säuglingssimulatoren in den Alltag als Mütter von Neugeborenen.


Von Montag bis Donnerstag haben die chipgesteuerten Babysimulatoren die Schülerinnen der Sozialpflegeschule auf Trab gehalten. Die Puppen haben einen Rhythmus wie ein neugeborenes Baby und gaben lautstark zu verstehen, dass sie ein Bedürfnis haben, das gestillt werden soll – tagsüber und auch nachts.

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Herauszufinden, warum die Simulatorbabys brüllen, fiel den Jugendlichen nicht immer leicht. Eingebaute Sensoren registrierten dabei genau, wie schnell gehandelt wurde. Auch Vernachlässigungen, Misshandlungen, Schütteln des Babys und fehlende Nackenunterstützung wurden von dem Chip aufgezeichnet.

Sich ausprobieren, neue Erfahrungen sammeln, die möglichst realistisch sind und die eigene Belastbarkeit und Reife erproben. Das waren die Hauptgründe, warum die Schülerinnen bei diesem freiwilligen Projekt teilgenommen haben. Durchgeführt wurde es vom Kinderschutzbund Traunstein.

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum die Schülerinnen mitmachen: »Ich will eigentlich noch lange keine Kinder haben, ich will nur mal ausprobieren, wie das mit so einem Baby ist«, betont Claudia. »Meine Mutter findet es gut, dass ich das ausprobiere«, erzählt Tamara, »damit ich weiß, wie das ist. Sie hat aber gleich gesagt, dass ich das Kind alleine versorgen muss«.

Dabei hätte Tamaras Mutter keine Bedenken haben müssen: Die Versorgung des Babys anderen zu überlassen, ist unmöglich. Denn nur die »Mama« trägt das Identifikationsarmband, mit dem sie sich bei dem Baby »einloggen« muss. Somit sind Erfahrungen in der Rolle einer Alleinerziehenden gleich mit inbegriffen.

Das Projekt wurde durch Gespräche in der Klasse über Verhütung, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie Partnerschaft begleitet.