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Nicht überall haben die Schüler in den Ferien auch frei

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Sommerferien gibt es für den elfjährigen Ma Hai aus der Provinz Sichuan in China nicht. Zwar bleibt seine Schule im Sommer für ein paar Wochen geschlossen, jedoch muss der Bub dann zum Nachhilfeunterricht – von morgens bis abends.

Die bayerischen Schüler haben beides: ihre Zeugnisse und Ferien. Bei uns können die meisten Kinder und Jugendliche im Sommer sechs Wochen lang durchschnaufen. Aber wie ergeht es Schülern in anderen Teilen der Welt?


JAPAN: In Japan haben die Kinder vier Wochen Sommerferien, von Ende Juli bis Ende August. Büffeln müssen sie allerdings trotzdem, die Kinder bekommen nämlich ein extra angefertigtes Hausaufgabenarbeitsheft mit. Die meisten Kinder schieben das bis ans Ende der Ferien und machen es dann halb heulend. Zudem gibt es häufig Aufgaben wie einen Aufsatz zu schreiben oder ein Forschungsprojekt anzufertigen, das die Kinder und Jugendlichen nach den Ferien in der Schule vorstellen müssen.

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Bei den Zeugnissen gibt es in Japan die Noten fünf bis eins, wobei fünf die beste Note ist. Sitzenbleiben gibt es in Japan nicht und man nimmt die Noten in der Grundschule auch relativ locker. Aber für die Kinder, denen die Aufnahmeprüfung für eine private Mittelschule bevorsteht, ist in den Sommerferien vor allem eines angesagt: hartes Büffeln. Von morgens bis abends verbringen sie ihre Ferien in sogenannten Paukschulen.

CHINA: Sommerferien gibt es für viele Schüler in China nicht. Zwar bleiben – wie in Deutschland – viele Schulen für ein paar Wochen im Sommer geschlossen. Aber für etliche Schüler beginnt dann Nachhilfeunterricht von morgens bis abends. Wer auf das zusätzliche Büffeln verzichtet, hat im nächsten Schuljahr teilweise Probleme noch mitzukommen. Entsprechend hoch ist der Druck bei den Zeugnissen. Weil die Eltern und Verwandte große Summen in besonders gute Nachhilfelehrer investieren, erwarten sie auch gute Ergebnisse. Das System ist sehr umstritten. Pädagogen warnen seit Jahren, dass der Druck auf die Kinder einfach zu groß ist.

FRANKREICH: In Frankreich ist es für Eltern im Allgemeinen wichtig, dass Kinder ein gutes Zeugnis nach Hause bringen. Wer es sich leisten kann, der besorgt – sobald es schlechte Noten gibt – schnellstmöglich einen Nachhilfelehrer, denn in Frankreich können Schüler sitzenbleiben. Außerdem steht auf vielen Zeugnissen neben der eigenen Note auch der Klassendurchschnitt, das schürt oft den Ehrgeiz von Kindern und Eltern. Zu den üblichen Noten in Mathe oder Geografie wird in Frankreich auch noch bewertet, wie ordentlich, fleißig oder frech ein Kind war.

ITALIEN: In Italien gibt es Noten von zehn bis eins. Zehn ist die beste, auch das Benehmen wird benotet. Genau da hapert es bei vielen Schülern, was aber nur wenige Eltern stört. Viele geben sogar den Lehrern die Schuld. Pauken müssen alle im Urlaub: Denn italienische Kinder bekommen eine lange Liste mit Hausaufgaben mit auf den Weg – bei drei Monaten Ferien auch verständlich.

GROSSBRITANNIEN: Zeugnisse gibt es wie in Deutschland von der ersten Klasse an, aber Noten erst in höheren Jahren. Ein Fünftklässler beispielsweise hat weder Prüfungen abgelegt, noch ist er in irgendetwas benotet worden. Was Prüfungen und Zensuren angeht, kommt es auf die zehnte Klasse an, das ist das britische Äquivalent der Mittleren Reife. Das heißt aber nicht, dass die Kinder vorher nicht hart arbeiten müssen. Unglaublichen Druck spüren sie, wenn sie sich um einen Platz an einer begehrten Schule bewerben – dafür wird dann jahrelang gebüffelt.