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Neuer Trend: Flirten über »spotted-Seiten«

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»Spotted«-Seiten ermöglichen anonyme Kontaktanzeigen, mit denen man den potenziellen Traumpartner wiederfinden kann. Auch für Traunstein gibt es mittlerweile fünf Seiten. (Foto: Hinterseer)

Traunstein – »Suche hübsche Dame aus dem Sportzentrum«, »An den netten Gesprächspartner gestern vor der Garderobe«, »An der Ampel hatten wir kurz Blickkontakt« – So oder so ähnlich klingen die anonymen Kontaktanzeigen auf »spotted«-Seiten, die auch in Traunstein und Umgebung immer mehr zum Trend werden.


Jeder kennt es oder hat es schon einmal erlebt: Man entdeckt ein sympathisches Gegenüber und fängt an zu lächeln. Beide schauen sich kurz an, doch den anderen anzusprechen – das traut man sich nicht. Wenig später geht man wieder getrennte Wege. Früher war die Sache damit beendet, aber heutzutage ist dies manchmal anders.

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Allein fünf verschiedene Seiten für Traunstein

Mit Hilfe der »spotted«-Seiten, die man auf dem sozialen Netzwerk Facebook findet, kann man anonym Kontaktanzeigen schalten und so eventuell eine zweite Chance bekommen.

In Traunstein gibt es mittlerweile fünf verschiedene »spotted«-Seiten, die zusammen auf etwa 3000 »Gefällt mir«-Angaben kommen. Man kann sich also zwischen Stadt, Nachtleben, FOS/BOS, Berufsschulen oder AKG entscheiden, je nachdem, wo die Begegnung stattfand. Die Seite »Spotted: Traunstein«, die am 10. Januar erstellt wurde, steht dabei mit über 2000 Fans an der Spitze.

Die Idee für die Seite kam dem Betreiber, der anonym bleiben möchte, durch Zufall: »Ich bin über die spotted-Seite der Staatsbibliothek München gestolpert und dachte mir, dass das eigentlich eine ganz witzige Sache ist.« Der 25-Jährige betont aber, dass er das rein aus Spaß mache und nicht, »um irgendwelche Leute auszuspionieren«.

Die einzelnen Kontaktanzeigen erreichen den Betreiber per Nachricht. In dieser wird der Schwarm beschrieben sowie Ort und Zeit der verpassten Gelegenheit angegeben. Die Anzahl der eingehenden Nachrichten variiert. »Es kommt immer darauf an, was am Wochenende so los ist«, erzählt der Betreiber. Im Schnitt seien es aber etwa zehn Nachrichten pro Woche. Bevor die Meldungen veröffentlicht werden, schaut der Traunsteiner, ob sie Anstößiges oder ganze Namen enthalten. Falls dies der Fall ist, werden sie abgeändert. »Ansonsten werden alle Nachrichten aber ohne Veränderungen veröffentlicht«, erklärt er.

Etwa 70 Prozent sind erfolgreich

Etwa 70 Prozent der Suchanzeigen sind erfolgreich. Männer sowie Frauen nutzen diese Möglichkeit der Kontaktaufnahme gleichermaßen: Eine Tendenz, welches Geschlecht mehr Anzeigen veröffentlichen lässt, gibt es nicht.

Der Trend kommt aus Großbritannien und Nordamerika. Das englische »to spot« bedeutet nämlich entdecken und hat damit nichts mit Spott zu tun. »Spotted« heißt also nichts anderes als »entdeckt«. Ende letzten Jahres entstanden diese »spotted«-Seiten fast zeitgleich an allen Universitäten in größeren Städten. Mittlerweile findet man aber sogar Seiten, die sich auf einzelne Straßenbahnlinien, Diskotheken oder Schulen beziehen. Die Seiten boomen, haben tausende Fans und es werden täglich mehr.

Für die Suchenden läuft das alles anonym. Für den Gesuchten sieht es anders aus: In den Kommentaren können Freunde, die glauben, jemanden erkannt zu haben, beispielsweise einen Link zu deren Facebook-Seite posten. Fotos werden aber nicht veröffentlicht.

Rainer Gerling, Experte für Datenschutz an der Münchner Hochschule für Angewandte Wissenschaften, hält die »spotted«-Seiten trotzdem für problematisch. Das Problem sei vor allem die große Reichweite der Seiten, aber auch, dass die Anfragen über einen langen Zeitraum abrufbar seien. Gerling rät deshalb, vor jeder Nachricht an solche Seiten sehr sorgfältig nachzudenken, was man schreibt.

Bei vielen Suchanzeigen fällt es allerdings schwer, jemanden wiederzuerkennen. Meist beschränken sich die Angaben auf »den heißen Typen« oder »die nette Blondine«. Wer sich aber in einer Beschreibung wiedererkennt, hat das Recht, sie von den Betreibern löschen zu lassen. Das betrifft vor allem einige »spotted«-Ableger, die auf ihren Seiten zu Lästereien aufrufen. Carola Hinterseer