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»Mein Zeugnis hat die Entscheidung getroffen«

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Alexander Felde muss für sein Maschinenbaustudium zu Hause nach der Arbeit noch viel lernen.

Traunstein – Als Alexander Felde an die Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule in Traunstein wechselte, lebte er gerade einmal zwei Jahre in Deutschland. Die Schulzeit war aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten für den heute 22-Jährigen nicht einfach. Doch er ließ sich nicht unterkriegen und kämpfte sich durch. Die Arbeit hat sich gelohnt: Heute macht er berufsbegleitend ein Studium zum Maschinenbautechniker.


Mit seiner Familie kam Alexander Felde 2002 von Kirgisistan nach Deutschland. Der damals Neunjährige kam in der Grundschule gleich in die dritte Klasse – ohne Deutschkenntnisse. Für die Hauptschule hat er sich deshalb auch nicht selbst entschieden: »Mein Zeugnis hat die Entscheidung getroffen«, denn Deutsch ist damals bei ihm nicht gewertet worden. »Natürlich wäre ich lieber auf die Realschule oder das Gymnasium gegangen.« Nach der 5. Klasse hat Alexander Felde sogar den Aufnahmetest für die Realschule gemacht – doch es hat nicht geklappt. »Da hab ich mir gedacht, ich bleibe erst mal auf der Hauptschule und schaue, was danach geht.«

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Von der 9. Regelklasse ist Alexander Felde in die M-Zug-Klasse gewechselt. »Ich habe den Schnitt geschafft und wollte es in der M10 einfach versuchen.« Die darauffolgende Zeit ist schließlich sehr anstrengend gewesen, »denn ich musste viel aufholen«. Doch es habe sich gelohnt und 2010 hat der heute 22-Jährige die Mittelschule erfolgreich abgeschlossen.

Dass alles so gut geklappt hat, lag laut Alexander Felde auch an der guten Unterstützung der Lehrer. »Die Lehrer waren klasse, sie haben immer geschaut, dass jeder vorankommt.« Die ganze Schulzeit in Traunstein sei »toll« gewesen. »Viele vermissen die Schule nach dem Abschluss nicht, ich schon.«

»Nach dem Abschluss habe ich geschaut, dass ich einen Ausbildungsplatz bekomme«, so der 22-Jährige. Er wäre gerne Bauzeichner geworden, hat auf seine Bewerbungen aber nur Absagen bekommen. Deshalb hat er sich an der FOS beworben, war dort ein halbes Jahr und hat sich nebenbei weiterbeworben – auch in andere Ausbildungsrichtungen »Dann kam die Zusage von der Firma Heidenhain«. Im September 2011 hat Alexander Felde eine Lehre zum Zerspanungsmechaniker begonnen. Nach der Ausbildung wurde er übernommen. »Jetzt überwache ich den Produktionsprozess der CNC-Drehmaschinen.«

Doch das ist für den Traunsteiner noch nicht genug. »Ich will noch höher kommen.« Deswegen hat er im Oktober 2014 ein berufsbegleitendes Studium zum Maschinenbautechniker begonnen. In den ersten drei Semestern war er viel an der Hochschule in Rosenheim, ab dem vierten Semester, das in Kürze beginnt, muss er immer wieder für einige Tage nach Würzburg. Nach dem sechsten Semester hat der 22-Jährige, wenn alles gut geht, den Bachelor in der Tasche. Doch bis dahin liegt noch eine anstrengende Zeit vor Alexander Felde. »Das Studium ist sehr anstrengend.« Viel muss er sich zu Hause nach der Arbeit beibringen.

Mit dem bisher Erreichten ist Alexander Felde sehr zufrieden. »Ich würde vielleicht nur die FOS weglassen und gleich eine Ausbildung machen.« Auch an seine Mittelschulzeit hat der 22-Jährige nur positive Erinnerungen. »Ich habe mich immer gut mit meinem Mitschülern verstanden und viele Freunde gehabt.« Von Seiten der Schule sei immer Hilfe da gewesen: »Ohne die Lehrer an der Mittelschule wäre es nicht gegangen.« Sein Fazit ist deshalb: »Die, die wissen, dass sie andere Schulen nicht packen, sollen lieber erst auf die Mittelschule gehen und sich dann hocharbeiten.«

In den kommenden Wochen stellen wir jeden Dienstag auf der Jugendseite Schüler vor, die es mit der Mittleren Reife schon weit gebracht haben im Leben. Wenn auch du uns deine Geschichte erzählen willst oder jemanden kennst, der schon viel erreicht hat mit seinem Schulabschluss, dann melde dich bei der Jugendredaktion des Traunsteiner Tagblatts per Email an lokales@ traunsteiner-tagblatt.de oder unter der Telefonnummer 0861/9877-112.