weather-image
15°

Liebe, Intrigen und Machtgehabe

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Schüler des P-Seminars brachten den Zuschauern die Schlüsselszenen aus Shakespeares Meisterwerken näher. Natürlich durften auch Romeo und Julia nicht fehlen, dargestellt von Alexandra Jira (links) und Roxane Lindlacher. (Foto: Helmut Floder)

Traunstein – Wer glaubt, Shakespeare sei schon lange tot, der hat sich gründlich geirrt. Nicht nur, dass die zentralen Themen wie Liebe und Macht als immerwährende Themen der Weltliteratur etabliert sind, sondern William Shakespeare selbst, führte leibhaftig durch den abwechslungsreichen Abend. Zu diesem hatte das 14-köpfige P-Seminar Englisch »Shakespeare for beginners«, geleitet von Alexandra Jira und Lisa Enzensberger sowie betreut von ihrer Lehrerin Mona Rechl, in die Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums geladen.


Lisa Enzensberger, die den wohl größten Dramatiker aller Zeiten gab, führte anhand von fünf ausgewählten repräsentativen Szenen aus Komödie, Tragödie und Historiendramen einfühlsam und selbstironisch in »sein« Werk ein, damit auch Shakespeare-Neulinge seine unglaubliche Schaffenskraft und sein menschliches Einfühlungsvermögen erfahren konnten.

Anzeige

Das Publikum wurde zunächst vom Elf »Puck« (Saskia Cloete) gewitzt durch den Sommernachtstraum mit all den Irrungen und Wirrungen zweier Liebespaare geführt und danach durfte man an der so bekannten Balkonszene aus »Romeo und Julia« teilhaben, wohl wissend, dass diese Liebe tragisch enden würde. Als dann Brutus (Johanna Sundheimer) den Mord an Julius Caesar (Schulleiter Bernd Amschler) zu rechtfertigen versuchte, wurde allen klar, wie man durch rhetorische Kraft die Massen zu seinen Gunsten manipulieren kann. Die Gegenrede von Marc Antonius (erneut Saskia Cloete) stellte den menschlichen Gegenpol her und der Intrigant Brutus wurde in aller Öffentlichkeit entlarvt.

Wenn man in der Pause den ersten Teil Revue passieren ließ, stellte man erstaunt fest, wie geschickt das multifunktionale Bühnenbild durch die gelungene Bühnentechnik ins rechte Licht gerückt wurde. Gerade die bewusste Reduzierung auf das Wesentliche erlaubte einen reibungslosen Szenenwechsel und somit den Zuschauern ein müheloses Durchdringen der verschiedenen Welten. Und die Tatsache, dass im Gegensatz zur Zeit Shakespeares – in der nur Männer als Schauspieler infrage kamen – an diesem Abend ausschließlich junge Damen das Heft in die Hand nahmen, darf ruhig als probates Mittel zum Aufbrechen der klassischen Geschlechterrollen interpretiert werden.

Im zweiten Teil wurden anhand von Szenen aus »König Lear« sowie »Der Sturm« noch weitere Facetten von politischem und zwischenmenschlichem Spiel dramatisiert. Am Ende nahmen alle Beteiligten auf der Bühne ihren verdienten Applaus für ihr Spiel oder das Schneidern der Kostüme sowie das Anfertigen des Bühnenbilds entgegen. Spätestens dann stellten noch viele »Beginners« aus dem Publikum fest, dass sie den großen Dichter nicht nur im elisabethanischen Englisch folgen konnten, sondern dass sie Lust auf mehr bekommen haben. Und was könnte man Besseres erreichen? Rudi Heid