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»Kunstwortkunst«

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Die Schüler verteilten sich im Museum und schrieben die ersten Entwürfe ihrer Texte. (Foto: Franz Kimmel)

Traunreut – »Wer hat schon mal etwas geschrieben?« Viele Arme recken sich in die Höhe. »Was denn?« Die etwa 60 Jugendlichen in der Chamberlain-Halle des Traunreuter Kunstmuseums »Das Maximum« antworten sofort: »Geschichten und Gedichte«, »viel über die heutige Gesellschaft«, »humorvolle Sachen« und »Geschichten aus einer anderen Welt«.


Die Neunt- und Zehntklässler aus Gymnasien der Landkreise Traunstein und Altötting sitzen gespannt im Museum und erleben gerade den Start des Kreativwettbewerbs »Kunstwortkunst«. Die Literaturwissenschaftlerin Christine Knödler bereitet die Schüler darauf vor: »Literatur beschreibt nicht nur die Realität, sondern das, was die Realität mit uns macht.« Am Beispiel der Metapher »Auf der Straße lag Winter« zeigt die Spezialistin für Jugendbücher, dass diese Jahreszeit schön und gefährlich zugleich sein kann – je nach Sichtweise.

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Die Gymnasiasten aus Ising, Traunreut, Trostberg, Traunstein, Altötting und Burghausen haben bei diesem Wettbewerb die Aufgabe, sich von einem Kunstwerk anregen zu lassen zum Schreiben eines literarischen Textes – Gedicht, Kurzgeschichte, Szenen oder anderes. Knödler zeigte auf eine Plastik von John Chamberlain neben ihr, ein zerknülltes und bemaltes, altes, halbes Auto – und assoziiert zusammen mit den Schülern: »Totalschaden« – »nicht nur am Auto, sondern nach einem Ereignis« und »Ritter – sehr martialisch«, »eine andere Zeit, eine andere Welt«.

Kaum sind die Worte von Matthias Schmid, dem Schulleiter des Traunreuter Gymnasiums, und von Museumsdirektorin Dr. Birgit Löffler verhallt, die als Kriterium die Frage stellt, »berührt mich das, was ich da lese?«, verteilen sich die Schüler auf die weitläufigen Hallen des Museums. Sie sitzen nun vor einem Gemälde von Georg Baselitz, studieren einen Druck von Andy Warhol oder liegen vor einer Lichtinstallation von Dan Flavin und tippen in ihre Laptops. Vier Seiten höchsten sollen sie nun bis Anfang Januar schreiben. Eine hochkarätige Jury, darunter Germanisten und Schriftsteller, wird die Texte lesen und im Frühjahr feierlich die Preise für die besten Nachwuchsautoren vergeben.

»Ich habe schon die Idee für eine Kurzgeschichte«, sagt die Zehntklässlerin Zoe Hauser vom Isinger Gymnasium und zeigt auf das Gemälde vor ihr. »Misshandelte Frauenkörper, Männer ohne Köpfe mit angeberischer Körperhaltung – das wird schwer zu schreiben. Hoffentlich kriege ich das hin.« fb

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