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Junge Hausärzte sind gesucht

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Junge Mediziner haben heute das Glück, sich eine Stelle aussuchen zu können. Wer Hausarzt werden will, hat jedoch eine lange Facharztausbildung vor sich.

Viele kennen die Situation: Das Wartezimmer des Hausarztes ist bereits morgens um 8 Uhr gut gefüllt. Einen Termin gibt es erst wieder in acht Wochen, und mancherorts wird man als Patient gar nicht mehr angenommen. Vor allem im ländlichen Raum herrscht Ärztemangel. Junge Hausärzte sind deshalb sehr begehrt. Man könnte sogar sagen, sie werden verzweifelt gesucht.


Wer Hausarzt werden will, muss nach dem Medizinstudium eine Weiterbildung machen, die durch die Landesärztekammern geregelt ist. Sie gliedert sich in zwei Teile, erklärt Hans-Michael Mühlenfeld vom Deutschen Hausärzteverband. Zunächst arbeiten junge Ärzte für zwei bis vier Jahre in einer Klinik – mit Stationen in der Inneren Medizin, der Chirurgie, der Kinderheilkunde und anderen Bereichen.

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Viele Mediziner gehen bald in den Ruhestand

Anschließend folgt eine zweijährige Weiterbildungszeit in speziellen Hausarztpraxen. »In diesen Lehrpraxen lernt man, den Menschen in seiner Gesamtheit mit seinen vielen körperlichen, aber auch psychosozialen Problemen zu sehen«, erläutert Mühlenfeld. Er bildet selbst in einer solchen Lehrpraxis in Bremen aus.

Die Zeit der Ausbildung mag lang sein, doch wer sie auf sich nimmt, hat gute Chancen, später eine eigene Praxis zu betreiben. »Wir schätzen, dass bis 2021 rund 51 000 Mediziner altersbedingt aus der Versorgung ausscheiden werden«, sagt Roland Stahl. Er ist Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren besonders viele Haus-, Augen- und Hautärzte in den Ruhestand gehen.

Junge Mediziner hätten das große Glück, dass sie sich aussuchen können, was sie später machen, sagt er. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, Medizinstudenten so früh wie möglich mit der Niederlassung in einer eigenen Praxis vertraut zu machen. »Während des Studiums bekommen sie aber zu wenig mit von der ambulanten Tätigkeit«, sagt Stahl.

Aber vor allem die Praxis auf dem Land gilt für viele wohl als unattraktiv, denn dort ist die Nachfrage besonders hoch. Der Verdienst sei nicht der Grund, sagt Stahl. Aus finanzieller Sicht sei die Landarztpraxis durchaus attraktiv. »Als Hausarzt, als Landarzt habe ich aber keinen Nine-to-Five-Job. Ich muss auch abends und am Wochenende raus.«

Laut Mühlenfeld gibt es an etwa einem Viertel der 36 Hochschulen mit Medizinstudium keine Lehrstühle für Allgemeinmedizin. »Wenn es dort aber keinen Lehrstuhl dafür gibt, können die Studenten die Allgemeinmedizin gar nicht richtig kennenlernen«, sagt Mühlenfeld. Zwar stehe Allgemeinmedizin auch dort auf dem Lehrplan, oft werde sie dann aber von Fachfremden wie Internisten unterrichtet.

An der Universität Göttingen gibt es ein Institut für Allgemeinmedizin. Gabriel Rogalli hat dort studiert. »Ich hatte einen sehr engagierten Professor. Der hat es geschafft, mich für die Allgemeinmedizin zu begeistern«, erzählt der 34-Jährige. Momentan ist er noch in der Weiterbildung. Ein Jahr fehlt ihm noch, dann ist er Facharzt für Allgemeinmedizin. Später würde er gerne eine eigene Praxis haben. »Aber nicht allein, sondern als Gemeinschaftspraxis mit drei oder vier Kollegen«, sagt er.

Arzt ist auch Tröster, Helfer und Sozialarbeiter

Wie aber lernt man den Umgang mit den Patienten? Als Hausarzt erfülle man oft nicht nur die Rolle des Mediziners, sagt Stahl. »Man ist auch Sozialarbeiter, Helfer und Tröster.« Einfühlungsvermögen sei wichtig, sagt Mühlenfeld. »Nicht jeder ist als Hausarzt geeignet. Da gehören soziale Kompetenzen dazu«, sagt er. Im Idealfall sei man eine Vertrauensperson für den Patienten. Dass er Menschen über einen längeren Zeitraum begleiten könne, sei das Tolle am Beruf. »Man lebt ihr Leben ein Stück weit mit.«