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In vier Wochen von Chieming bis nach Venedig

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Auf 3510 Metern liegt das Gipfelbuch des Hochfeilers, in das sich Jonathan und Samuel Auer, Maxi Ebert und Daniel Sommer natürlich eingetragen haben. Auch ein Erinnerungsfoto durfte nicht fehlen.

Vier junge Männer aus dem Landkreis Traunstein, allesamt unerschrockene Pfadfinder, machten sich diesen Sommer auf, um in vier Wochen zu Fuß den langen Weg nach Venedig zu gehen. Gestartet sind alle dabei vor der jeweiligen Haustür: Maxi Ebert (17) und Daniel Sommer (17) in Palling sowie Jonathan Auer (17) und sein Bruder Samuel (14) in Schnaitsee.


Zwar hatten die Vier fast durchgängig mit dem regnerischen Wetter zu kämpfen, unterkriegen lassen wollten sie sich deshalb aber nicht. Schließlich sind sie alle Pfadfinder und das teilweise schon seit ihrem elften Lebensjahr. Dieses Wissen half ihnen bei der 600 Kilometer langen Tour nach Venedig, bei der sie großteils in mitgebrachten Zelten übernachteten.

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Erster Treffpunkt war Chieming, von wo aus die Vier gemeinsam Richtung Alpen marschierten. Dabei benutzten sie nach Möglichkeit möglichst ungeteerte, naturbelassene Wanderwege. Auf dem Rücken trug jeder einen großen Rucksack, der mit knapp 20 Kilo Gepäck gefüllt war.

Mehrere heftige Unwetter und Regenfälle

Die Route führte die jungen Männer nach Schleching und von dort über den »Schmugglerweg« nach Kössen, ehe es weiter ging zum Walchsee und zum Feldalmsattel, dem ersten Berg auf der Tour. Auf dem Bettlersteig umrundeten die Freunde dann das Kaisergebirge. Dabei prasselte das erste heftige Unwetter herab, bevor die Pfadfinder einen Platz für ein Nachtlager fanden.

Der weitere Weg führte sie über den Hintersteiner See und Kelchsau nach Gerlos und Finkenberg im Zillertal, ehe sie dort auf dem Berliner Höhenweg weiter wanderten. Dort übernachteten sie zweimal auch in einer Hütte. Kurz vor dem Friesenberg-Haus waren sie sehr froh darum, schließlich hatte auf dem Weg dorthin in nächster Nähe ein Blitz eingeschlagen.

Am Pfitscher-Joch bei Stein überquerten die Vier die Grenze nach Italien. Der Hochfeiler mit 3510 Metern war die nächste Herausforderung für die Pfadfinder, wobei das erste Schneefeld kam und eine lustige Schneeballschlacht ein wenig Abwechslung brachte. Auf dem Gipfel angekommen trugen sich die Freunde natürlich in das Gipfelbuch ein.

In Südtirol bekamen die jungen Männer Unterstützung aus der Heimat. Opa Ebert hat die Gruppe besucht, neuen Proviant mitgebracht, Sachen getauscht und das gebracht, worüber man froh ist, wenn man wochenlang in unwirtlicher Natur bei Schlechtwetter marschiert. Im Auto mit nach Hause nahm Opa Ebert dann auch den 14-jährigen Samuel, der wie vorab festgelegt, in seinem jungen Alter nur die Hälfte des Weges mitgehen sollte.

Bei Regen ging es weiter auf dem Dolomiten-Höhenweg über die Sella-Gruppe. In den Dolomiten sind Maxi, Jonathan und Daniel verschiedene Klettersteige gegangen, aber auch mit Händen und Füßen gekraxelt. Der Schiara war der letzte große Berg über die Alpen, den die Pfadfinder schließlich auch noch geschafft haben.

In der italienischen Stadt Belluno gönnten sie sich eine Pizza und ein Eis zum Abschied von den steilen Bergen. Ab der Stadt Tarzo wurde das Gelände ebener und auch etwas eintönig, wie die drei Wanderer fanden. Nach 27 Tagen erreichten sie Jesolo und waren endlich am Meer.

Die letzte Etappe in Richtung Venedig führte über Punto Sabbioni, bevor man mit dem Schiff eine Stunde auf die Lagunenstadt zusteuerte. Dort waren die Oberbayern eine große Attraktion mit ihren Bergschuhen, während alle anderen Touristen und Einwohner mit Sandalen unterwegs waren.

Schätzen gelernt, wie gut es einem daheim geht

600 Kilometer – 25 000 Höhenmeter im Anstieg und 21 000 Höhenmeter im Abstieg – hatten die Pfadfinder zurückgelegt. Trotz aller Anstrengungen, die die Pfadfinder in den vier Wochen anstellten, sind sie sehr glücklich und mit Dankbarkeit erfüllt: »Es war eine schöne Tour, man kann allerhand schaffen, wenn man es sich vornimmt. Der Körper gewöhnt sich an vieles.« Außerdem lerne man zu schätzen, wie gut es einem daheim gehe, wo alles immer und überall vorhanden sei.

Jetzt, da die Ferien vorbei sind, hat für alle Vier wieder der Ernst des Lebens begonnen, der sich zunächst in verschiedenen Schulen abspielt: Jonathan, Samuel und Daniel gehen noch zur Schule. Nur Maxi Ebert ist bereits damit fertig und leistet ab 1. Oktober freiwillig Wehrdienst. Und wo? Der Kerl hat sich an Regen gewöhnt und macht seinen Wehrdienst in Regen im Bayerischen Wald. cw