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In untypische Berufe geschnuppert

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Im Chemiesaal des Traunreuter Gymnasiums konnten diese Mädchen mit verschiedenen Stoffen experimentieren. (Foto: Mix)

Traunreut. Meist findet die Berufswahl von Mädchen und Buben in einem festen geschlechtsspezifischen Rahmen statt. Relativ wenig Mädchen entscheiden sich für naturwissenschaftliche oder technische Berufe. Genauso arbeiten Buben selten in den Bereichen Sozialwesen, Erziehung und Sprachen. An zwei Projekttagen konnten Schüler der siebten Klassen am Johannes-Heidenhain-Gymnasium nun in solch eher untypische Berufe hineinschnuppern.


In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) München und sozialen Einrichtungen in Traunreut entstanden je drei Projekte für die Mädchen und drei für die Buben. Eigens für Mädchen entwickelte die »Agentur Mädchen in Wissenschaft und Technik« der TU diese Schulprojekte.

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Einführung in die Welt des Gehirns

Die Schülerinnen hatten die Qual der Wahl: Das fächerübergreifende Projekt »Geistesblitze« (Biologie, Chemie, Physik) führte die Mädchen ein in die Welt des menschlichen Gehirns. Sie lernten dessen Aufbau und seine Funktionsweise kennen, zeichneten ein Modell und simulierten Impuls- und Reizleitungen durch das Löten elektrischer Verbindungen.

Beim zweiten Projekt machten die Mädchen durch Experimentieren Entdeckungen rund um das Thema Luft und kamen dem Traum vom Fliegen ein Stück näher. Sie planten nämlich den Bau eines Heißluftballons, konstruierten ihn nach eigenen Vorstellungen und bauten ihn. Um Chemie ging es in dem dritten Mädchenprojekt, in dem sie mit verschiedenen Stoffen experimentieren konnten, selber Salz und Gummibärchen herstellten und dann untersuchten, wie sich die Süßigkeit in den verschiedensten Lösungen verändert.

Mit den Projekten will die Agentur Mädchen in Wissenschaft und Technik Interesse an für Frauen eher untypischen Berufen wecken. Zentrale Aspekte dabei sind das eigene Tun der Mädchen, das Arbeiten in kleinen Gruppen, das Ausprobieren und Erproben sowie die Stärkung des Selbstbewusstseins in die eigenen Fähigkeiten. Die Schülerinnen fanden diese zwei Projekttage »cool« und »sehr interessant« und hatten großen Spaß am Experimentieren.

Die Buben aus den siebten Klassen konnten gleichzeitig zwei Tage lang in soziale Berufe hineinschnuppern. Auch für sie gab es drei Projekte, die in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen in Traunreut angeboten wurden. »Grenzen überwinden, Menschen mit Behinderung fördern« hieß ein Projekt in Zusammenarbeit mit den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten. Die Buben machten dabei zunächst neue Selbsterfahrungen, indem sie beispielsweise in einem Rollstuhl saßen und versuchten, mit körperlichen Einschränkungen zu arbeiten. In verschiedenen Montage-Gruppen der Lebenshilfe-Werkstätten konnten sie einen Tag lang mit den Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten und erlebten hautnah, wie diese trotz mancher Einschränkung zurechtkommen. Auch über den Umgang mit Menschen mit Behinderung lernten die Schüler viel.

Gesunde Ernährung in der Schulküche

Um »Fitness aus dem Topf« ging es in einem Projekt, das in der Küche der Realschule durchgeführt wurde. Die Buben lernten dort viel über gesunde Ernährung, kauften die Zutaten selber ein und bereiteten schmackhafte Gerichte zu.

Das dritte Projekt mit dem Titel »Durch Spielen lernen, Große lehren Kleine« fand im Kindergarten in St. Georgen statt. Dort spielten die Buben mit den Kindergartenkindern, tobten mit ihnen und feierten das Erntedankfest mit. Die Schüler waren fasziniert davon, wie schnell die Kindergartenkinder ihre Scheu verloren und Zutrauen zu ihnen fassten. Die kleinen Mädchen und Buben ließen die Schüler teils gar nicht mehr los und wollten alle mit ihnen spielen. »Manche sind richtig anhänglich«, erzählte Felix, dem es sichtlich Spaß machte, sich mit den Kleinen zu beschäftigen.

Dass männliches Personal in Kindergärten für die Entwicklung der Kinder wichtig wäre, bestätigt auch Kindergartenleiterin Silvia Arndt. Gerade für Kinder von alleinerziehenden Müttern wäre eine männliche Bezugsperson hilfreich und auch für etwas ausgelassenere Spiele oder zum Fußballspielen könnte man im Kindergarten oft männliche Unterstützung brauchen. mix