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In die fremde Welt Saudi-Arabiens eingetaucht

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Die bekannte Filmemacherin und Autorin Haifaa Al Mansour (rechts) aus Saudi-Arabien las auf Arabisch aus ihrem Buch »Das Mädchen Wadjda«. Jutta Reusch von der Internationalen Jugendbibliothek (links) übersetzte die Fragen ins Englische und Julia Cortis gab eine professionelle Lesung der deutschen Fassung. (Foto: Giesen)

Marquartstein – In die fremde Welt Saudi-Arabiens konnten die Schüler der siebten und achten Klassen des Staatlichen Landschulheims Marquartstein bei einer spannenden Lesung im Festsaal der Schule eintauchen. Im Rahmen des »White Raven Festival«, einer Veranstaltung der Internationalen Jugendbibliothek München, las die arabische Filmemacherin und Schriftstellerin Haifaa Al Mansour aus ihrem inzwischen international bekannten Jugendbuch »Das Mädchen Wadjda«.


Der Roman erzählt die Geschichte der elfjährigen Wadjda, die in ihrem Schul- und Familienalltag in Riad die Unterdrückung des patriarchalisch und islamisch traditionell geprägten Saudi-Arabiens erlebt. Allen Verboten zum Trotz tut sie alles, um sich ihren großen Traum von einem grünen Fahrrad zu erfüllen.

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Schüler genossen Klang der fremden Sprache

Bei der Veranstaltung las Haifaa Al Mansour in der arabischen Originalsprache aus ihrem Buch vor, wobei die Zuhörer den fremden Klang der Sprache genießen konnten. Dann gab die professionelle Sprecherin Julia Cortis eine beeindruckende Lesung daraus in deutscher Sprache, die alle in ihren Bann zog. Anschließend stellten die Schüler viele Fragen an die Autorin, die jeweils von Jutta Reusch von der Internationalen Jugendbibliothek ins Englische übersetzt wurden.

Auf die Frage, wer ein Vorbild zu ihrer Geschichte gewesen sei, sagte die Autorin, dass nicht sie selbst, sondern eine Nichte von ihr, ein wildes und selbstbewusstes Mädchen, als Vorlage für die Hauptperson im Buch diente. Inzwischen sei das Fahrradfahren als Sport für Mädchen im Haus oder Garten erlaubt, aber nicht als Transportmittel in der Öffentlichkeit. Frauen müssten in Saudi-Arabien gleichsam unsichtbar bleiben und erscheinen zum Beispiel nicht in den Stammbäumen. Es sei Gesetz, einen Schleier zu tragen. Das führe auch zu abstrusen Situationen: wenn zum Beispiel eine bekannte arabische Filmschauspielerin in ihrer Heimat verschleiert gehen müsse, aber im Supermarkt eine Zeitschrift mit ihrem Bild unverhüllt auf der Titelseite kaufen könne.

Kinofilm gewann internationale Preise

Vieles wollten die Schüler auch zu Leben und Werdegang der Autorin wissen. Haifaa Al Mansour wurde 1974 in der saudi-arabischen Kleinstadt Al-Hasa als achtes Kind von zwölf Geschwistern geboren. Nach einem Studium der englischen Literatur in Kairo und einem Masterstudium an der Filmhochschule in Sydney drehte sie als erste Filmregisseurin Saudi-Arabiens erst Kurz- und Dokumentarfilme, dann »Wadjda« als ersten Kinofilm, der auf vielen internationalen Filmfestivals Preise gewann. Der Roman ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 nominiert. Haifaa lebt in Kalifornien, ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Organisiert wurde die gelungene Veranstaltung von Friederike Muttray, der Leiterin der Bibliothek der Schule. Mitfinanziert wurde sie durch eine Spende des Vereins der Freunde des Staatlichen Landschulheims und der Kreissparkasse Traunstein. gi