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Hühner gackern am Rottmayr-Gymnasium

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Bezirksvorsitzender Max Michl macht die Schüler mit der schönen Zwerg-Barnefelder-Henne vertraut. (Foto: Adelmann)

Laufen. Man habe »Früh-Kräher« bestellt, scherzte Direktor Dr. Alfred Kotter. Um 8 Uhr, zu Unterrichtsbeginn am Rottmayr-Gymnasium, sollte der Hahn nämlich schon ausgekräht haben. Sieben Hühner alter Haustierrassen tummeln sich seit Kurzem an der Südseite der Schule in einem kleinen »Wanderstall«. Schüler der sechsten Klassen kümmern sich sechs Wochen lang um die Tiere. Die Aktion »Tiere live« ist Teil des internationalen Projektes ELENA (siehe Kasten), das die Laufener Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) federführend betreibt.


Viele Hühner stehen auf der Roten Liste

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»Augsburger Huhn« und »Altsteirer« gibt es kaum mehr, bedauerte Diplom-Biologe Peter Sturm von der ANL. Diese alten Nutztierrassen stehen auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. »Sie legen halt nur rund 200 Eier im Jahr und nicht 250 wie die heutigen Hybrid-Hühner«, nannte Sturm einen Grund. »Vor 40 Jahren noch haben diese schmucken Gockel überall gekräht. Nun droht der Verlust einer enormen Vielfalt«.

Glücklicherweise gebe es noch Züchter, die sich dieser Vielfalt verpflichtet fühlten. Die sechs Hennen und der schwarze Hahn am Rottmayr-Gymnasium kommen von einem Züchter aus Altötting. Gebracht hat sie Max Michl, Bezirksvorsitzender der Rassegeflügelzüchter in Oberbayern.

»Das sind Zwerg-Barnefelder«, erklärte der Experte den Schülern der sechsten Klassen. Sie sind bläulich schimmernd, doppelt gefiedert und gesäumt. Täglich zwei Liter Wasser sollen die Tiere bekommen, idealerweise mit zwei Knoblauchzehen gewürzt. »So bleiben sie gesund«, gibt sich Michl überzeugt. Er beschrieb das Futter und zeigte Mädchen und Buben, wie man die Tiere am besten trägt.

Auch am Wochenende wird gefüttert

Einen Futterplan haben die Kinder bereits erstellt, selbst die Wochenendbetreuung war kein Problem. »Die haben sich darum gerissen«, lobte Dr. Ute Künkele als verantwortliche Lehrerin. Das Thema »Huhn« wird auch im Unterricht in den nächsten vier Wochen vermehrt behandelt, von der Ernährung bis zur Haltung. Die Universität Hamburg begleitet das Projekt. Den Wissenschaftlern dort geht es um die Frage, was die Betreuung der Tiere mit den Kindern macht – ob es Sichtweisen und Haltungen verändert, ob es damit Lerneffekte gibt.

15 Tiergruppen sollen in dem Projekt insgesamt zum Einsatz kommen, erklärte Peter Sturm, während einem Huhn der Trubel dann doch zu groß wurde. Es ergriff die Flucht und suchte Schutz im dichten Gebüsch. »Rennt nicht rum wie die aufgescheuchten Hühner«, mahnte Künkele ihre Schüler zu vorsichtigem Herangehen. Max Michl war es schließlich, der das Huhn mit einem Griff wieder in den Stall beförderte. »Sperrt den Stall immer gut zu«, forderte der Züchter die Kinder auf, »es könnte sonst vierbeinigen Besuch geben.«

Über die Namen wird noch diskutiert

Über die Namen der Tiere diskutieren die Schüler noch: »Sweety« wäre hübsch, oder »Lola«. Der schwarze Hahn, ein »Zwerg-Australorps«, könnte »Blacky« heißen. Und wenn der doch nicht zu Schulbeginn sein morgendliches Krähen einstellt? Nun ja, überlegte Alfred Kotter, dass der mit dem Schulhaus-Gong kräht, werde ihm in den sechs Wochen nicht beizubringen sein. höf