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Fußballer Alaba: Vorbild für die Jugend Österreichs

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David Alaba ist ein großes Vorbild für viele österreichische Jugendliche. Auch die beiden Wiener Nachwuchskicker Stefan Ehrentraud (links) und Paul Jaschk, die ein handsigniertes Trikot des 21-Jährigen in den Händen halten, schwärmen von dem Nationalspieler.

Er hat als erster Österreicher das Champions-League-Finale gewonnen – und plötzlich interessiert sich die alpenländische Jugend fast mehr für Fußball als für Skifahren. Der Bayern-München-Spieler David Alaba ist in seiner Heimat ein Idol geworden. Erst am Dienstagabend schoss er mit seinem Tor zum 1:0 im WM-Qualifikationsspiel die Nationalmannschaft zum Sieg gegen Irland.


Viele Jugendliche in Österreich bewundern die Karriere des 21-Jährigen, manch einer würde selbst gern ein Leben als Profikicker führen. In einer Zeit, da die meisten jungen Leute im Land aus finanzieller Sicht eher sorgenfrei in die Zukunft blicken, bleibt Zeit für Wünsche und Träume.

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Schnell passen sich Paul (14) und Stefan (16) den Fußball auf einem Trainingsplatz am Rande Wiens zu. Ein Leben ohne das runde Leder können sich die Jugendlichen nicht vorstellen. Bei ihrem Verein SV Aspern begann auch Alaba seine Karriere. Die beiden Buben träumen davon, selbst einmal als Fußballprofis den Durchbruch zu schaffen, bleiben aber realistisch: »Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass es so sein wird«, sagt Paul.

»Ich habe schon mal mit ihm gespielt«

Trotzdem seien Alabas Erfolge ein großer Ansporn. »Er ist einfach ein Vorbild, wenn man weiß, was er alles geschafft hat«, findet Paul. »Ich habe auch schon mal mit ihm gespielt«, wirft Stefan stolz ein.

Noch im vergangenen Jahr begrüßte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter den Nationalspieler Alaba wegen seiner dunklen Hautfarbe auf Englisch mit »How do you do?«. Heute kennt jedes Kind den Österreicher, der in Wien geboren wurde und nigerianisch-philippinische Wurzeln hat. »David Alaba spielt die Rolle des Aushängeschildes perfekt«, schrieb die Zeitung »Die Presse«.

Sein Migrationshintergrund spielt bei seinen beiden jungen Fans in Wien keine Rolle: »Ich sehe ihn einfach als Wiener an. Mein bester Freund ist zum Beispiel auch Ägypter«, erzählt Stefan. Und Paul sagt über Alaba: »Er ist einfach da aufgewachsen und ist genauso wie jeder andere.«

Erfolgreiche Leitfiguren wie Alaba seien ein wichtiger Anstoß für eine offenere Gesellschaft, sagt Volker Frey von der Anti-Rassismus-Initiative ZARA. »Einzelne Vorbilder wirken gerade bei Jugendlichen sehr gut«, erläutert Frey, der auch in Schulen arbeitet. Alaba könnte mit seinem Werdegang durchaus für Abbau von Vorbehalten gegen Migranten sorgen. »Ich glaube schon, dass der Umgang mit anderen Fußballern mit Migrationshintergrund dadurch sensibler wird«, sagte Frey.

Alaba ist seit dem Champions-League-Sieg über alle sozialen Schichten hinweg zur Identifikationsfigur geworden, Jugendliche in Arbeiter- wie Villenbezirken tragen begeistert sein Trikot. Auch im kleinen Vereinslokal des SV Aspern hängt ein handsigniertes Bayern-Trikot des Kickers. Er selbst hat es einmal vorbeigebracht. Die Besuche werden zwar seltener, motivieren die jugendlichen Kicker aber jedes Mal enorm, sagt Nachwuchstrainer Andreas Liebhard. Alaba ist sich seiner Verantwortung bewusst. Er wolle ein »Vorbild für die jungen Spieler« sein, sagte er der dpa.

79 Prozent sehen ihre Zukunft positiv

Die beiden Schüler Paul und Stefan blicken optimistisch auf ihr weiteres Leben. So wie viele andere Jugendliche in Österreich auch. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage der Regierung aus dem vergangenen Jahr: So sehen 79 Prozent der 14- bis 24-Jährigen ihre Zukunft positiv. Eine knappe Mehrheit geht auch davon aus, relativ leicht einen Job zu finden. Österreich hat die EU-Finanzkrise bislang relativ gut überstanden. Von den 15- bis 24-Jährigen sind etwa acht Prozent arbeitslos gemeldet, ein im EU-Schnitt vergleichsweise geringer Wert.

Doch nicht jeder Jugendliche hat die gleiche Chance. Auch in Österreich hängt der spätere Erfolg im Beruf häufig von der Herkunft ab. Wer Eltern hat, die Akademiker sind, schafft eher einen Uni-Abschluss als Kinder, deren Mütter und Väter nur einen Schulabschluss und eine Ausbildung gemacht haben. Paul und Stefan ist auch wegen ihrem Vorbild Alaba klar, dass sie nur mit Fleiß viel erreichen werden. »Alaba war einerseits gut, aber er hat es auch wirklich gewollt und darauf hingearbeitet«, sagte Paul. Deshalb lerne er viel, um in der Schule gute Noten zu haben.