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Exotin im Hörsaal: Nur wenige Frauen studieren Elektrotechnik

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Julia Kolbinger hat ein duales Studium bei Airbus in Elektro- und Informationstechnik gemacht. Heute arbeitet sie in Teilzeit dort und absolviert berufsbegleitend ihren Master.

Sie ist eine Exotin im Hörsaal: Julia Kolbinger entschied sich nach ihrer Schulzeit für ein duales Studium der Elektro- und Informationstechnik. Die Praxis bot der Flugzeughersteller Airbus, die Theorie die Technische Hochschule in Ingolstadt. Rund 60 Studenten hatte der Studiengang, Kolbinger war eine von zehn Frauen.


Elektrotechnik hat den geringsten Frauenanteil

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Damit liegt der Studiengang der Hochschule in Ingolstadt über dem Durchschnitt. Der liegt laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Wintersemester 2013 bei rund 10 Prozent. Damit ist Elektrotechnik unter den größten Fächern der Studiengang mit dem geringsten Frauenanteil.

»Fakt ist, dass Frauen oft an dem Nutzen interessiert sind und weniger an technischen Spielereien«, erklärt Christina Haaf vom Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen. Deshalb seien technische Studiengänge, die Wörter wie regenerativ oder Umwelt im Namen tragen, unter Frauen beliebt. Die klassischen MINT-Fächer sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

»Am Anfang müssen Studenten in der Elektro- und Informationstechnik erst einmal durch die Grundlagen durch. Die sind verpflichtend«, erläutert Kolbinger. »Dazu gehören mindestens zwei Programmiersprachen, Physik, Elektrotechnik und Mathematik.« Außerdem brauchen Studenten Disziplin und Durchhaltevermögen. Die 24-Jährige empfiehlt deshalb die Vorkurse an den Universitäten zu besuchen, in denen das Grundwissen noch vor Studienbeginn aufgefrischt wird.

Brechen Frauen das Studium ab, liegt der Grund nicht unbedingt im Schwierigkeitsgrad der Fächer. »Nach wie vor herrscht die Meinung, dass Frauen nicht dort hinein passen. Sie gelten als Exoten«, sagt Walter Börmann vom Verband der Elektrotechnik. Julia Kolbinger kann das bestätigen. »Ich bin blond und blauäugig. Für manche hat das mit meiner Studienleistung in Mathematik nicht zusammengepasst.«

Für ein Studium wie Elektrotechnik müssten Studentinnen selbstbewusst genug sein, um arroganten Sprüchen schlagfertig zu begegnen. Außerdem sei es wichtig, mit Problemen nicht alleine zu bleiben, sagt Haaf. Der Austausch mit anderen ist wichtig. Dabei können Netzwerke helfen.

Das Studium der Elektrotechnik hat für Frauen aber auch Vorteile. Die Hilfsbereitschaft der männlichen Kommilitonen ist sehr groß. Außerdem sind Themen wie Fachkräftemangel und Frauenquote präsenter geworden. »Entsprechend gut sind die Chancen auf dem MINT-Arbeitsmarkt«, sagt Haaf. Absolventinnen können im Vergleich zu Geisteswissenschaftlern ein hohes Gehalt oder einen sicheren Arbeitsplatz erwarten.

»Ich spiele mit dem Gedanken, zu promovieren«

Julia Kolbinger hat ihren Bachelor in Elektro- und Informationstechnik beendet. Heute arbeitet sie für Airbus – aber nur in Teilzeit. Die restliche Zeit füllt sie mit einem berufsbegleitenden Master an der Technischen Hochschule in München. »Ich spiele mit dem Gedanken, zu promovieren«, erzählt sie und zeigt: Elektrotechnik muss nicht ausschließlich Männersache bleiben. dpa