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»Es gibt einfach so viele Möglichkeiten«

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Steffi Jobst hat sich nach ihrem Mittelschulabschluss für eine Friseurlehre entschieden.

Traunstein – Für Steffi Jobst war es die richtige Entscheidung: »Es gibt so viele Möglichkeiten nach dem Mittelschulabschluss, die die meisten oder viele gar nicht wissen.« Die 20-Jährige entschied sich für eine Friseurlehre – und hat zusätzlich auch ihr Fachabitur gemacht.


Schon in der Grundschule müssen sich die Kinder im Alter von neun oder zehn Jahren entscheiden, welchen schulischen Weg sie in den kommenden Jahren weiterverfolgen möchten. »Die Entscheidung, an welche Schule ich nach der vierten Klasse gehen möchte, ist mir frei gestanden«, erzählt die 20-Jährige. In ihrem Jahrgang entschied sich fast niemand für die Realschule. Ein Teil ging weiter aufs Gymnasium, die andere Hälfte auf die Mittelschule. »In dem Alter möchte man dort sein, wo die Freunde sind.« So kam sie an die Kohlbrenner-Mittelschule in Traunstein.

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Wechsel an andere Schule kam nie in Frage

Steffi Jobst war zufrieden mit ihrer Wahl. »Die Klassen haben super gepasst.« Auch die Lehrer seien immer sehr freundlich gewesen. »Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern war immer sehr persönlich und nicht so distanziert, wie man es von manch anderen Schulen kennt.« Vielmehr sei es wie ein Team gewesen. Da sie sich an der Schule sehr wohlgefühlt hat, kam auch ein Wechsel an eine andere Schule für sie nicht in Frage. Was die 20-Jährige heute aber noch ärgert, ist das negative Bild, das viele Menschen über die Mittelschule im Kopf haben. »Andere wissen gar nicht, wie weit man es auch mit dem Mittelschulabschluss schaffen kann.«

Steffi hat 2012 erst den Quali und 2013 dann den Mittelschulabschluss gemacht. In der neunten Klasse war sie noch unsicher, wie es für sie nach der zehnten Klasse weitergehen soll. »Die Lehrer haben mir aufgrund der Noten geraten, auf die FOS zu gehen.« Doch das allein wollte sie nicht. »Mir war es wichtig, nach der Schule auf eigenen Beinen stehen zu können.« Deshalb hat sie schon während der Schulzeit verschiedene Praktika gemacht, zum Beispiel im Krankenhaus, im Kindergarten oder eben beim Friseur. Bei einer Berufsberatung in der Schule hat die heute 20-Jährige schließlich erfahren, dass sie neben einer Ausbildung auch noch ihr Fachabitur machen kann. Als dann die Anfrage des Friseurs kam, ob sie anfangen möchte, sagte Steffi zu. »So konnte ich beides kombinieren, Geld verdienen und Fachabi machen.«

Sie besuchte während ihrer Ausbildung drei Jahre die Berufsschule Plus in Freilassing, wo sie neben dem normalen Schulabschluss auch die Studienberechtigung für alle Fachhochschulen erhielt. »Ich war die einzige Friseurin«, erinnert sich die 20-Jährige. »Und die Einzige mit Mittelschulabschluss. Die meisten in meiner Klasse kamen aus der Real- oder einer vergleichbaren Schule.« Das habe sie auch gemerkt. »Ich musste schon was machen, um den Anschluss nicht zu verlieren und einiges nachlernen, was den Anderen schon bekannter war.« Vor allem Mathe – dem Fach, in dem sie schon zu Mittelschulzeiten Probleme hatte, hat ihr Schwierigkeiten bereitet, doch sie hat sich durchgekämpft. Die Abschlussprüfungen von Fachabitur und Ausbildung lagen nicht weit auseinander. »Im Juni habe ich die Berufsschule Plus beendet und im Juli die Ausbildung.« Und zu ihrer großen Freude war auch ihre Chefin bei »Der Friseur« in Traunstein so zufrieden mit ihr, dass sie nach der Ausbildung als Vollzeitkraft übernommen wurde.

Momentan ist die 20-Jährige mit ihrer Situation sehr zufrieden. »Für mich steht jetzt im Vordergrund, mich ständig zu verbessern und täglich dazuzulernen, so bekommt man immer mehr Sicherheit beim selbstständigen Arbeiten.« Außerdem macht es ihr sehr viel Spaß, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. »Es ist schön, wenn man etwas erschaffen kann und die Kunden zufrieden aus dem Geschäft gehen.« Auch, dass sie immer sofort Rückmeldung bekomme, ob die Kunden zufrieden sind oder nicht, sei an ihrem Beruf sehr schön.

»Die drei Jahre sind nicht ganz stressfrei«

Ob sie irgendwann mal ihren Meister machen möchte oder vielleicht doch noch ein Studium anfängt, ist noch nicht sicher. »Es gibt einfach so viele Möglichkeiten«, sagt Steffi Jobst. Und eins fügt die 20-Jährige noch hinzu: »Die Kombination aus Ausbildung und Berufsschule Plus kann ich jedem weiterempfehlen, der bereit ist, von sich aus zu arbeiten und zu lernen. Die drei Jahre sind sicherlich nicht ganz stressfrei, aber am Ende ist man froh über das, was man geschafft und erreicht hat.«

In unserer Serie »Erfolgreich mit Mittelschulabschluss« stellen wir in den kommenden Wochen auf der Jugendseite ehemalige Schüler der Franz-von-Kohlbrenner-Schule Traunstein vor, die es mit ihrem Mittelschulabschluss schon weit gebracht haben im Leben. Es soll gezeigt werden, welche beruflichen Möglichkeiten die Schüler haben, auch wenn sie kein Abitur oder einen Realschulabschluss besitzen. jar