weather-image
26°

Eine Traunreuterin erobert das Reich der Mitte

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Carolin Reschka auf einem Schiff im Hafen der Millionenmetropole Hongkong, ganz in der Nähe von Shenzhen, ihrer Heimat für ein Jahr.

Traunreut. 8972,15 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Traunreut und der Millionenstadt Shenzhen in der Provinz Guandong der Volksrepublik China. Und genau dorthin zog die 23-jährige Carolin Reschka. Vor ihr: Ein Jahr voller Ungewissheit, Abenteuer – und einer ganzen Menge Reis. »Nach zwölf Monaten chinesischer Küche freue ich mich am meisten auf ein leckeres Vollkornbrot mit Leberwurst«, sagt die Traunreuterin kurz vor ihrer Rückkehr.


Nach Abschluss des einjährigen Bachelorprogramms im Bereich Hotelmanagement an der IUBH in Bad Reichenhall hatte Carolin Reschka ihre Koffer gepackt. Seit fast einem Jahr arbeitet sie inzwischen für eine große Hotelkette in Shenzhen; noch in dieser Woche wird es wieder zurück nach Traunreut gehen. China war natürlich nicht der nächste Weg, doch für die 23-Jährige war von Anfang an klar, dass es ins Reich der Mitte gehen soll: »Ich habe mich ausschließlich innerhalb des Festlandes von China beworben, direkt auf der Homepage einer internationalen Hotelkette.«

Anzeige

In einer Mitarbeiter-Wohngemeinschaft lebt die 23-Jährige zusammen mit anderen Frauen aus dem Ausland. »Ich hatte auch einmal die Gelegenheit, die gestellten Mitarbeiterunterkünfte meiner chinesischen Kollegen zu sehen. Da muss ich ehrlich gestehen, dass ich dort nicht eine Nacht geblieben wäre.«

In der chinesischen Hotellerie können die Arbeitstage schon mal 13 Stunden dauern. Die Einstellung zur Arbeit sei in China dennoch lockerer als in Deutschland, findet Carolin Reschka. Und die chinesischen Kollegen seien sehr hilfsbereit, was die Verständigung betrifft; Da die Traunreuterin nach wie vor kein Chinesisch spricht, kommuniziere man »einfach mit Händen und Füßen«.

Am meisten vermisst Carolin Reschka nach fast einem Jahr im Ausland ihre Familie und ihre Freunde, aber auch die gute bayerische Küche. Die Essensgewohnheiten der Chinesen waren für sie gewöhnungsbedürftig. In China, erzählt die Traunreuterin, sei es normal, sehr geräuschvoll zu essen. Stets essen alle zusammen aus einer Schüssel, Knochen oder ähnliches werden gern mal auf den Boden geworfen.

Als Snack essen die Chinesen am liebsten Hühnerfuß oder getrockneten Entenhals. Klingt für Europäer zwar ein wenig befremdlich, ist für die Menschen dort jedoch völlig normal. Ihre Lieblingsessen sind Rührei in süßer Tomatensoße und alle Arten von getrocknetem oder geräuchertem Tofu. »Das Verrückteste, was ich selbst jemals gegessen habe, waren getrocknete Schweinegummibärchen – wobei ich allerdings nicht weiß, ob das die richtige Bezeichnung ist«, berichtet Carolin Reschka und merkt an, dass man »halt einfach versuchen muss, sich ein bisschen anzupassen und offen für Neues zu sein«.

Nicht vergessen wird die 23-Jährige ein Erlebnis in einem Einkaufszentrum. »Die meisten Kleinkinder tragen hier keine Windeln und so passiert es, dass sie sowohl ihr kleines wie auch ihr großes Geschäft gerne inmitten eines Ladens verrichten.« Die Traunreuterin irritierte vor allem, dass das für die Eltern wie auch die anderen Beobachter völlig normal war.

»Was mir jedoch sehr gut gefällt, ist, dass in China die Zusammengehörigkeit der Familie ganz groß geschrieben wird«, sagt Carolin Reschka und fügt hinzu: »Es ist selbstverständlich, dass die Oma in Rente geht, um auf den Sprössling aufzupassen, sodass die Eltern ihre Karriere weiterverfolgen können.«

Die Traunreuterin möchte keine ihrer gemachten Erfahrungen missen. Weiterentwickelt habe sie sich, unabhängiger und selbstständiger sei sie geworden und vor allem habe sie eine Menge für ihren Beruf dazugelernt. »Das Jahr in China hat meine Erwartungen deutlich übertroffen. Jeder der so eine Chance bekommt, sollte sie unbedingt nutzen.«

Obwohl sie sich sehr auf die Heimat freut, lässt Carolin Reschka in China auch einiges zurück: »Am meisten werde ich meine tolle Arbeit und mein tolles Team vermissen. Während der vergangenen zwölf Monate sind sie meine Ersatzfamilie gewesen.« Doch eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen – nach Beendigung der Bachelorarbeit sind weitere Auslandsaufenthalte geplant, Shanghai wäre eine Option für die Zukunft.

Doch jetzt heißt es erst einmal zurück nach Deutschland und ein leckeres Vollkornbrot mit Leberwurst genießen. Christina Grimm