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Eine gute Vorbereitung für Arbeitswelt und Ausbildung

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Im Werkraum der Kohlbrenner-Mittelschule sägten, feilten, hämmerten und klebten die Schüler solange, bis ihr Werkzeugkasten fertig war.
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Für die Tomaten-Zucchini-Tarte musste auch der Teig selbst hergestellt werden. (Fotos: Artes)

Traunstein – Wenn in der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule wieder gesägt und gehämmert, Gemüse geschnitten und in Töpfen umgerührt sowie am Computer Flyer und interessante Power-Point-Präsentationen erstellt werden, dann sind wieder Projektprüfungen an der Schule. In zwei aufeinanderfolgenden Wochen stellten sich die Schüler der neunten und zehnten Klassen spannenden Aufgaben, deren Noten zum Quali und der Mittleren Reife benötigt werden.


An der Mittelschule in Traunstein können die Schüler zwischen den Zweigen Technik, Wirtschaft und Soziales wählen. Bis zur siebten Klasse haben die Schüler noch alle drei Fächer, ab der achten Klasse dann nur noch den Zweig, für den sie sich entschieden haben. Die Schüler erwerben dabei nicht nur Fachwissen, sondern entwickeln auch Kompetenzen. Das Lernen ist auf die Bewältigung von Anforderungen und nicht nur auf den Ausbau von Wissen ausgerichtet.

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Projektprüfung beinhaltet immer fünf Schritte

Egal, um welchen Zweig es geht, die Projektprüfung besteht immer aus fünf Schritten: Die Schüler erhalten einen Leittext oder ein Szenario, anschließend bereiten sie sich in Gruppen auf die Aufgabe vor, am Prüfungstag haben sie einen bestimmten Zeitrahmen, in der sie die Arbeit eigenständig fertigstellen. Außerdem dokumentieren die Schüler alle Arbeitsschritte in einer Projektmappe und stellen am Ende in der Gruppe ihr Projekt vor Publikum vor.

Im Zweig »Technik« durften die Schüler heuer einen Werkzeugkasten erstellen. Dieser musste auch Platz für die wichtigsten Handwerkzeuge und eine übersichtliche Anordnung gewährleisten. In ihren Gruppen planten die Schüler im Vorfeld, wir ihr Werkzeugkasten am Ende aussehen soll. Wie Schulleiter Hubert Schmid erklärt, erhalten die Schüler für das Material einen kleinen Zuschuss. »Das Werkzeug wird ihnen in der Schule zur Verfügung gestellt.« 260 Minuten haben die Jugendlichen am Prüfungstag Zeit, dann muss ihr Werkzeugkasten fertig sein. »Die Herausforderung für die Schüler ist, ob sie das, was sie vorhaben, in der Zeit überhaupt schaffen«, so Schmid. »Viele Schüler bauen ihre Teile deswegen zu Hause oft schon zur Probe.«

Für die Schüler im Zweig »Wirtschaft« hieß die Aufgabenstellung: »Als Jungunternehmer startest du in Australien deine Karriere als Betreiber einer Unterkunft für meist jugendliche Reisende – einen sogenannten 'Backpacker'«. Die Schüler mussten dann mit einem Serienbrief ihre Freunde und Bekannte über die Eröffnung informieren, einen Informationsflyer über das Haus und das Rahmenprogramm sowie eine Power-Point-Präsentation mit sechs sehenswerten Zielen des australischen Bundesstaats Queensland erstellen. Für sie war vor allem die große Herausforderung, wie sie ihren Flyer oder die Präsentation gestalten: Wie viel Text verwende ich und welche Bilder? Welche Farben nutze ich? Auf welche Quellen beziehe ich mich? Alles Dinge, die am Ende auch in die Bewertung einflossen.

Beim Kochen drehte sich alles um »Genfood«

Fleißig waren auch die Schüler, die sich für den Zweig »Soziales« entschieden und in der Küche der Ludwig-Thoma-Grundschule groß aufgekocht haben. Heuer drehte sich für die Zehntklässler alles um das Thema »Genfood«. Die Jugendlichen – überwiegend Schülerinnen – haben sich ihre Rezepte selbst ausgesucht, mussten für die Zutaten einen Kostenrahmen von 40 Euro einhalten, haben Menükarten entwickelt und die Tische schön aufgedeckt. Am Prüfungstag wurde in der Küche geschnippelt, gerührt und geknetet. Entstanden sind zum Beispiel eine Tomaten-Zucchini-Tarte, eine Kartoffelcremesuppe mit Kräutern oder Mousse au chocolat mit Fruchtpüree. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, berichtet Lehrerin Ursula Riedl. »Es kommt schon mal vor, dass etwas nicht fertig wird oder dass zu wenig eingeplant wurde.« Doch meist haben die Schüler die Gerichte daheim schon einmal gekocht, sodass ihnen die Arbeitsschritte während der Prüfung geläufig sind. Auch im Unterricht haben sie sich gut darauf vorbereitet. »Man fängt mit einfachen Dingen an und steigert sich dann langsam zu schwierigen Rezepten.«

Rektor Hubert Schmid und Konrektorin Ulrike Hoernes sind sich einig, dass diese Form der Prüfung motivierend für die Schüler und sehr praxisnah ist. Es wird viel Teamarbeit und Selbstständigkeit verlangt, eine gute Vorbereitung für die Arbeitswelt und die Ausbildung. Man erlebt die Schüler sehr aktiv und zielstrebig bei der Arbeit, sie schätzen die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten, den diese Art der Prüfung bietet. Es werden verschiedene Fähigkeiten verlangt und bewertet, sodass die Noten dann auch wirklich die Leistungen der Schüler widerspiegeln.

In unserer Serie »Erfolgreich mit Mittelschulabschluss« stellen wir in den kommenden Wochen auf der Jugendseite ehemalige Schüler der Franz-von-Kohlbrenner-Schule Traunstein vor, die es mit ihrem Mittelschulabschluss schon weit gebracht haben im Leben. Es soll gezeigt werden, welche beruflichen Möglichkeiten die Schüler haben, auch wenn sie kein Abitur oder einen Realschulabschluss besitzen. jar

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