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Eine fulminante Glanzleistung auf der Bühne des Landschulheims

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Im Stile der 20er Jahre gekleidet waren Marian Boschner (von links), Verena Riedmaier und Luisa Prasch. (Foto: A. Prasch)

Marquartstein – Mit dem Stück »Die Mädchenhändler« von Ödön von Horvath gelang dem Oberstufentheater des staatlichen Landschulheims eine fulminante Glanzleistung. Maske und Kostüm der 20er Jahre waren ebenso perfekt aufeinander abgestimmt wie der fließende Übergang von Theater zu Cabaret und von Komik zu Tragik.


Teilweise hinreißend komisch, aber auch erschreckend authentisch spielten die Schüler ihre anspruchsvollen Rollen in dem komödiantisch, sozialkritischen zeitweise tragischen Stück, welches die Dekadenz einer morbiden Gesellschaft messerscharf aufzeigte. Das Umfeld des ältesten Gewerbes der Welt und die damit verbundenen menschlichen Abgründe, sowie die naheliegende Korruption und die Egozentrik einflussreicher Leute, die meist ein doppeltes Spiel spielen, wurden von der Regisseurin und Lehrerin Sandra Altmann mit großem Geschick realistisch auf die Bühne verlegt.

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Die musikalischen Darbietungen, ausgesucht aus dem Filmmusical »Cabaret« mit Liza Minnelli, sorgten im Publikum für Furore. Detailgetreu und Charme versprühend sangen Lehrerin Andrea Zannantonio und Schüler Denis Power aus der Abiturklasse bei dem Lied »Money makes the world go round« feurig um die Wette und ließen dabei ein paar Goldmünzen im Dekolleté beziehungsweise in der Hose klimpern. Glitzer, Glamour und lockende Weiblichkeit verkörperten »special guest« Andrea Zannantonio zusammen mit Verena Riedmaier in der Rolle des »Fräuleins« und »Alma« alias Luisa Prasch. Das »Fräulein« und »Alma« übernahmen die Rollen der begehrten Cabaret-Girls und tanzten mit kessem Hüftschwung geschmeidig auf, über und neben schwarz gestrichenen Holzstühlen.

Auch die weiteren Charakterrollen waren perfekt besetzt: die stets betrunkene Bordellbesitzerin hervorragend gespielt von Sarah Erhard sowie Jenny Juchem, die in ihrer delikaten Rolle als Luise meisterhaft überzeugend ihre Neigung zu Frauen darstellte. In einer Nebenrolle brillierte Marian Boschner als Transvestit, der mit seiner rauchigen Stimme durch die immer wiederkehrende Frage: »Tasse oder Kännchen?« das Publikum toben ließ.

Die Gratwanderung zwischen Authentizität und Obszönität, die solch ein heikles Thema in sich birgt, war für die Regisseurin und alle Mitwirkenden eine Herausforderung und es ist mit Bravour gelungen, auf elegante Weise das Rotlicht-Milieu zu beschreiben.

Der Kreisjugendring hat im Rahmen der Oberbayerischen Kulturtage das Oberstufentheater eingeladen, das Stück am 15. Juli zur Eröffnung der neuen Freilichtbühne in Schützing ein weiteres Mal aufzuführen. apr