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»Ein Weg zum Erfolg«

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Für Konrektorin Ulrike Hoernes sind Mittelschulen ein Weg zum Erfolg.

Traunstein – Mittelschulen gelten häufig als Resteschule oder als Auffangbecken unseres Schulsystems. Darüber ärger sich Ulrike Hoernes, stellvertretende Schulleiterin der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule in Traunstein, schon lange. Denn die 57-Jährige sieht das anders: »Die Mittelschule ist ein Weg zum Erfolg.«


Noch immer haben Mittelschulen ein negatives Image. Oft herrscht die Meinung, dass dort nur Ausländerkinder, Verhaltensauffällige oder Schulverweigerer den Unterricht besuchen. »Viele Familien haben vor allem auch deswegen Angst davor, ihr Kind zu uns zu schicken – auch wenn diese Schulform zu ihrem Kind passen würde«, so Ulrike Hoernes. »Das Schreckgespenst Mittelschule macht viele Eltern fertig.« Stattdessen herrscht ein »großer Run auf Gymnasien und Realschulen«. In Traunstein kämen deshalb von den vierten Klassen oft nur wenige Schüler in der Mittelschule an, »weil die Eltern mit allen Mitteln versuchen, die Kinder auf andere Schulen zu bekommen«. So sind die Schülerzahlen in den fünften Klassen der Mittelschule geringer als in den höheren Klassen.

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Hoernes will Gymnasium und Realschule gar nicht schlecht reden, sondern vielmehr verdeutlichen, dass diese Schulformen nicht für alle Kinder der richtige Weg sind. »Wenn sich ein Schüler quält, weil es Zuhause nur um Noten und die Schule geht, dann ist das für die ganze Familie über Jahre sehr belastend«, so die stellvertretende Schulleiterin. Nicht selten kommt es vor, dass die Kinder überfordert sind, nur schlechte Noten schreiben, sich beim Lernen schwer tun oder komplett scheitern. Dann gibt es nach einigen Jahren in Realschule oder Gymnasium oft nur noch einen Ausweg: die Mittelschule. »Für diese Schüler ist es dann natürlich sehr demotivierend, von höheren Schulen zu uns zu kommen. Wenn sie dann aber endlich wieder Erfolge in der Schule haben, dann ergreifen sie oft die Chance und machen bei uns einen guten Schulabschluss.«

»Für viele Kinder ist es der passende Weg«

Die 57-Jährige möchte Eltern die Angst nehmen, ihr Kind auf die Mittelschule zu schicken. »Ich bin überzeugt, dass es für viele Kinder der passende Weg ist.« Mit dem Mittelschulabschluss würden Kindern in der heutigen Zeit mit sehr vielen Bildungsmöglichkeiten sowie Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen alle Türen offen stehen. Und sie macht den Eltern auch Mut: »Es gibt nicht nur die Rückkehrer. Einige Schüler wechseln von der Mittelschule auch ans Gymnasium und machen dort ihr Abitur«, so Hoernes. Andere Schüler machen hingegen lieber zuerst eine Ausbildung – und entscheiden sich Jahre später noch, das Abitur nachzuholen oder zu studieren. »Hier in Traunstein hat man alle Möglichkeiten. Wir haben viele weiterführende Schule vor Ort. Traunstein ist eine Schulstadt.«

Ein weiterer Grund, warum Ulrike Hoernes vom Mittelschulabschluss überzeugt ist, hängt mit der veränderten Lehrlingssituation zusammen. »Es kann nicht nur Theoretiker und Akademiker geben. Der Mittelstand blutet uns aus. Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Lehrlingen. Hier haben unsere Schüler mit der praxisorientierten Ausbildung hervorragende Berufschancen.« Die gebe es in vielen Berufen nicht mehr, da Schüler anderer Schultypen nach dem Schulabschluss häufig lieber zum Studieren gehen, als eine Ausbildung zu machen. Um den Schülern zu zeigen, wie wichtig auch das Handwerk noch ist, »wird bei uns viel Wert auf Aktionen gelegt, bei denen Kinder selbst etwas machen dürfen. So bauten die Schüler zum Beispiel unter Anleitung von Fachleuten im Pausenhof einen Brotbackofen, der oft und gern zum Backen genutzt wird.«

»Es sollte zu einer Aufwertung dieser Schulart kommen«

Besonders erfreut ist Ulrike Hoernes aber darüber, dass es viele ihrer ehemaligen Schützlinge im Leben schon weit gebracht haben. »Da bin ich genau so stolz, wie wenn meine eigenen Kinder etwas erreichen.« So arbeitet zum Beispiel Kai Weigand bei Sternekoch Tim Raue in Berlin, Magdalena Poller ist Physiotherapeutin in Traunstein. Zu ihnen, aber auch zu vielen anderen Schülern pflegt die 57-Jährige noch regelmäßigen Kontakt. »Viele ehemalige Schüler kommen immer wieder bei uns in der Schule vorbei und erzählen, was sie jetzt machen.«

Für die Zukunft würde sich Ulrike Hoernes wünschen, dass die Mittelschule endlich gleichberechtigt zu den anderen Schulformen angesehen wird. »Es sollte endlich zu einer Aufwertung dieser Schulart kommen, die immer zurückgestellt wird, es aber nicht verdient hat.«

In unserer neuen Serie »Erfolgreiche Schüler« stellen wir in den kommenden Wochen jeden Dienstag und Donnerstag auf der Jugendseite Schüler vor, die es mit der Mittleren Reife weit gebracht haben im Leben. Eine ehemalige Schülerin wird zum Beispiel bald als Lehrerin arbeiten, ein ehemaliger Schüler arbeitet bei einem Sternekoch in Berlin.

Wenn auch du uns deine Geschichte erzählen willst oder jemanden kennst, der schon viel erreicht hat mit seinem Schulabschluss, dann melde dich bei der Jugendredaktion des Traunsteiner Tagblatts per Email an lokales@ traunsteiner-tagblatt.de oder unter der Telefonnummer 0861/98 77 112. jar