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Ein Schulprojekt mit Weitblick

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Der Aufstieg zum Blaueisgletscher war sehr mühsam.
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Über das Wimbachgries ging es wieder nach unten.

Schüler der achten Jahrgangsstufe der Walter-Mohr-Realschule Traunreut und der Mittelschule Siegsdorf waren anlässlich des von ihrer Lehrerin Veronika Helfmeyer initiierten Umweltprojekts »Weitblick« in den Berchtesgadener Alpen unterwegs. Wissenschaftlich begleitet wurden sie von einem Mitarbeiter des Lehrstuhls für Hydrogeologie der TU München.


Die 24 Mädchen und Buben machten sich zusammen mit ihren Lehrern Diana Kapfhammer, Veronika Helfmeyer, Pedro May und dem Hydrogeologen Florian Heine auf den Weg zum Blaueisgletscher. Dabei bekamen die Schüler das erste Mal in ihrem Leben einen Eindruck davon, was es heißt, mehr als 1000 Höhenmeter aus eigener Kraft zu überwinden. Diese Anstrengung wurde auf der Blaueishütte belohnt – mit fantastischer Aussicht und einer Brotzeit. Nach der Pause bewältigten die Schüler auch noch die letzte Etappe bis ganz hinauf zum Gletscher.

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Dort konnten sie selbst sehen, welche Auswirkungen der Klimawandel hat, denn der Blaueisgletscher wird aufgrund seiner relativ geringen Höhenlage von Jahr zu Jahr kleiner. Hydrogeologe Florian Heine erklärte anschaulich die Entstehung der Alpen und wie die Gletscher zur Landschaftsbildung beitrugen. Im Verlauf der Wanderung erarbeiteten die Schüler dann auch intensiv, wodurch der Mensch den Klimawandel beschleunigt und welche Auswirkungen dieser hat.

Da die Schüler das erste Mal bis zu einem richtigen Gletscher gewandert waren und Spaß daran hatten, diesen zu entdecken, nahm der Unterricht in der »Gletscherschule« deutlich mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich eingeplant war. Am zweiten Tag machten sich die Schüler nach dem Frühstück auf den Weg zur Wimbachgrieshütte. Zunächst führte der Weg durch die tiefe Wimbachklamm, die mit ihren beeindruckenden Felsformationen einen hervorragenden Einblick in Jahrtausende der Erdgeschichte bot. Die Gruppe folgte anschließend dem Weg flussaufwärts bis zu seinem Ursprung. Gespeist wird der Wimbach nämlich vor allem aus einer Quelle, die mitten im Geröll zutage tritt. Die Schüler erhielten Informationen zum Kreislauf des Wassers und Möglichkeiten, wie man es schützen und zur Energiegewinnung nutzen kann. Hydrogeologe Heine ging auch darauf ein, dass es aufgrund geologischer Vorgänge besonders in Bayern in tiefen Erdschichten viel heißes Wasser gibt und wie man dieses mit Hilfe von Geothermie nutzen kann. Da Traunreut über ein großes Geothermiekraftwerk verfügt, war der Begriff vielen Schülern bereits bekannt. Was genau dort aber gemacht wird, wussten viele nicht.

Weiter ging die Wanderung bis tief hinein ins Wimbachgries, das auf der einen Seite vom Massiv des Hochkalters und auf der anderen Seite vom Watzmann begrenzt wird. Schließlich erreichte die Gruppe die Wimbachgrieshütte, in welcher sie die Nacht verbrachten. Nach dem Abendessen brachen einige Schüler und Lehrer noch zu einer Nachtwanderung unter dem klaren Sternenhimmel auf. Die Jugendlichen erfuhren, wozu man die vielen Satelliten braucht, die man mit bloßem Auge gut erkennen konnte.

Am letzten Tag ging es auf einem verschlungenen Weg durch das Wimbachgries ein Stückchen höher hinauf bis zum Trischübelpass. Für dieses Projekt sollte das der höchste Punkt sein und nach einer kleinen Pause traten die jungen Expeditionsteilnehmer den Rückweg an. Abgerundet wurde die viertägige Exkursion mit einem Besuch im Haus der Berge in Berchtesgaden.

Die Schüler erfuhren beim Projekt viel über die Bedeutung der Alpen, über Ursachen und Folgen des Klimawandels und über zukunftsweisende Energieprojekte. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Themen direkt vor Ort, durch das unmittelbare Erleben der Natur, verknüpft mit der körperlichen Anstrengung und dem Stolz über die erbrachte eigene Leistung sollte nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch der Wunsch geweckt werden, diese Natur zu schützen und zu erhalten.

Das Projekt wurde harmonisch in einer Kooperation zweier Schularten durchgeführt: der Realschule Traunreut und der Mittelschule Siegsdorf. Es war schön, zu sehen, wie schnell junge Menschen unvoreingenommen und mit Freude aufeinander zugehen können. fb