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»Die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen«

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Joseph Mörtl (rechts) geht zusammen mit Gabriel Beck für ein Jahr nach Bolivien. Mit auf dem Bild ist auch Theresa Ehrmaier, eine seiner Chefinnen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). Die KLJB ist Kooperationspartner der Erzdiözese und bietet in ihrem Namen die Stellen in Bolivien an.

Bergen – 18 junge Erwachsene gehen mit dem internationalen Freiwilligendienst der Erzdiözese München und Freising für ein Jahr nach Südamerika, um dort in sozialen Projekten mitzuarbeiten. Einer von ihnen ist Joseph Mörtl aus Bergen. Am heutigen Donnerstag fliegt der 18-Jährige nach Bolivien.


»Meine Stelle ist in der Pfarrei Coroico. Ich werde dort in der Pfarrei- und Jugendarbeit mithelfen«, erzählt Joseph Mörtl im Gespräch mit der Jugendredaktion. »Ich werde beispielsweise auch mit den dortigen Priestern bei abseits wohnenden Gemeindemitgliedern Gottesdienste feiern und mich um die Jugendgruppe im Ort kümmern. Was mich aber sonst noch erwartet, weiß ich selbst noch nicht genau.«

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Zwischen Urwald und Hochgebirge

Coroico ist eine kleine Stadt mit rund 2500 Einwohnern in der Provinz »Nor Yungas«. Sie ist etwa 100 Kilometer vom Regierungssitz La Paz entfernt. Das Städtchen ist beliebt bei Touristen, da es mittig zwischen Hochgebirge und Tiefland liegt. »In rund drei Stunden Busfahrt gelangt man sowohl ins Hochgebirge der Anden auf über 4000 Meter als auch in den tief gelegenen bolivianischen Urwald«, so der 18-Jährige. »In Coroico werde ich eine eigene Wohnung unweit der Kathedrale und dem zentralen Stadtplatz haben.«

Auf die Idee gebracht, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland zu machen, hat Joseph Mörtl ein befreundeter Gemeindereferent. »Er meinte damals, dass er sich mich da gut vorstellen könnte. Das war drei Tage vor Abgabeschluss der Bewerbung im vergangenen Herbst.« Der 18-Jährige hat sich im Internet informiert, sich beworben und wurde nach München zum Bewerbungsgespräch eingeladen. »Kurze Zeit danach kam dann die Zusage für Bolivien. Ich habe dann kurz überlegt, ob ich das wirklich machen will, das ging ja alles von der Bewerbung bis zur Zusage ziemlich schnell. Ich habe mir dann aber gedacht, 'wenn nicht jetzt, wann dann'.«

Über das Internet Kontakt nach Hause halten

Am meisten freut sich der 18-Jährige jetzt darauf, eine komplett andere Kultur kennenzulernen und »auch zu lernen, die Welt von einem anderen Blickwinkel aus zu sehen. Ich denke, für uns in Europa ist vieles so selbstverständlich und ich freue mich darauf, dieses eine Jahr in einem komplett anderen Umfeld mit komplett anderen Lebensverhältnissen kennenzulernen«. Doch es gibt auch Dinge, die Joseph Mörtl etwas Angst machen. »Ein Jahr ist ja irgendwie schon lange und es gibt so viele Menschen hier zu Hause, die ich gerne mitnehmen würde und einige, die ich besonders vermissen werden. Durch ein Jahr Trennung werden natürlich diese Beziehungen und Freundschaften auf die Probe gestellt. Aber durch das Internet, sofern es dort überhaupt gut genug funktioniert, kann man ja Kontakt nach Hause halten. Auch die Tatsache, dass wir zwei Freiwillige in dem Ort sind und ich nicht alleine bin, beruhigt mich.«

Vor allem der Mama fällt der Abschied sehr schwer

Am heutigen Donnerstag ist der Tag des Abschieds gekommen. »Bei einigen Menschen fällt es mir wirklich schwer, mich zu verabschieden, und ihnen geht es genau so. Meine Familie steht aber da ganz hinter mir, auch wenn es besonders meiner Mama schwer fällt... aber das verdrängt sie und sagt, es gehe ihr gut damit«, erzählt der 18-Jährige.

Was er nach dem Jahr in Bolivien machen möchte, steht noch nicht sicher fest. »Ich weiß schon, dass ich mich irgendwann einmal in der Politik engagieren möchte, bezüglich der Berufswahl bin ich mir aber nicht ganz so sicher.« Im Moment hat er vor, nach dem Jahr Gymnasiallehramt für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde zu studieren. »Aber ich denke, dass ich in Bolivien noch einmal Zeit haben werde, meine Pläne zu überdenken. Vielleicht offenbart sich mir nach einem Jahr auch noch etwas anderes oder ich werde in meinem Vorhaben bestärkt.« jar