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»Die Menschen sind mir schon ans Herz gewachsen«

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Im Rahmen ihrer Arbeit im »Centro de Formación Leonidas Proano« hat Sophia Maier (rechts) auch an einem Seminar mit Jugendlichen teilgenommen.

Traunstein – Sophia Maier aus Haslach leistet derzeit ihren Freiwilligendienst für ein Jahr in Ecuador. Anfang August startete ihre Reise. Für das Traunsteiner Tagblatt berichtet sie nun von ihren ersten Wochen in Südamerika:


Seit fast drei Monaten lebe ich nun schon in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Die ersten drei Wochen verbrachte ich bei einer Gastfamilie, die ich mir herzlicher nicht wünschen konnte. Ich durfte ihren Alltag miterleben, aber darüber hinaus machten wir verschiedene Ausflüge, z. B. zum Äquatormonument »Mitad del Mundo«, das 23 Kilometer nördlich von Quito liegt und wörtlich übersetzt »Mitte der Welt« bedeutet. Einer der Ausflüge führte uns auch nach Mindo, ins Dorf der Schmetterlinge, Kolibris und Wasserfälle. Mindo liegt in einem großen, subtropischen Talkessel auf 1250 Metern Höhe, inmitten eines Naturschutzgebietes mit Nebelwald, seltenen Orchideen- und Schmetterlingsarten sowie einer Vielzahl an Vögeln.

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Nachdem ich mich in meiner Gastfamilie an die ecuadorianische Lebensweise gewöhnt hatte, war ich jetzt natürlich schon gespannt, was mich an meinem Arbeitsort erwartet. Das »Centro de Formación Leonidas Proano«, in dem ich das ganze Jahr über sowohl arbeiten als auch wohnen werde, ist eine Art Jugendbegegnungsstätte. In diesem Zentrum finden Vorträge, Versammlungen und Unterricht statt. Die Jugendlichen kommen dabei sowohl aus der näheren Umgebung, aber auch aus entfernteren Teilen des Landes oder aus südamerikanischen Nachbarländern. Sie werden mit Essen versorgt und haben die Möglichkeit, in kleinen Häuschen zu übernachten.

So sieht mein Alltag hier aus: Um 8 Uhr frühstücke ich zusammen mit den Angestellten des Zentrums. Danach helfe ich meistens der Sekretärin im Büro. Beispielsweise erstelle ich Tabellen, in denen der Nahrungsmittelverbrauch festgehalten wird. Wenn die Büroarbeiten erledigt sind, helfe ich in der Küche beim Schneiden, Abspülen oder Tischdecken. Das Mittagessen besteht oft aus Fleisch und Reis.

Während der Vormittag fast immer gleich abläuft, sind meine Nachmittage recht abwechslungsreich. Zurzeit ist es meine Aufgabe, bei den verschiedenen Pfarrgemeinden anzurufen, um die Daten der Gemeinde zu aktualisieren oder E-Mails zu verschicken, um an die nächsten Versammlungen zu erinnern. Meine beiden Chefs, Pablo und Dario, sind in der Pastoral Juvenil (Jugendpastoral) tätig und engagieren sich sehr für eine bessere Bildung der Jugendlichen, aber auch der Erwachsenen. Sie halten beispielsweise Vorträge im Centro, fahren manchmal aber auch direkt an die Schulen und informieren über ökologische Zusammenhänge, politische Strukturen oder motivieren die Schüler, ihre Freizeit besser zu nutzen. Meistens darf ich die beiden bei ihren Besuchen begleiten.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Freizeit- und Feriengestaltung der Jugendlichen. Wir planen Festivals, Fußballturniere, Ausflüge, Nachhilfeunterricht und bald auch Adventsaktionen. Dabei kann ich mich auch selbst einbringen. Ich werde einen kleinen Chor gründen und mit diesem bei verschiedenen Veranstaltungen auftreten. Vor Kurzem wurde ich gefragt, ob ich nicht Deutsch unterrichten könnte. Jeden Samstag findet nachmittags eine Gruppenstunde statt, die ich mit zwei anderen Ecuadorianerinnen leite. Dabei versuchen wir, die Jugendlichen von zu Hause und damit auch vom Fernsehen oder Computerspielen wegzulocken. Wir gehen mit ihnen in den Park, ins Schwimmbad, machen Sport oder kochen gemeinsam etwas.

Wenn ich ein Wochenende frei habe, unternehme ich gerne etwas mit den anderen Freiwilligen aus Deutschland, die in Quito und Umgebung ihren Einsatz haben. So verbrachten wir zusammen ein Wochenende in Tena. Das Dorf liegt mitten im Urwald und man erreicht es nach einer fünfstündigen Busfahrt. Der Ort ist Ausgangspunkt für geführte Touren in den Tropischen Regenwald. Ein anderes Mal machten wir einen Tagesausflug zum Cotopaxi, dem »Hausvulkan« Quitos. Meistens bleiben wir aber in Quito und besuchen Museen, gehen auf die Märkte oder spazieren durch die Altstadt. Am Abend treffen wir uns in einer Bar, essen eine Kleinigkeit und stürzen uns ins Nachtleben.

Alles in allem macht mir die Arbeit sehr viel Freude und das Heimweh hält sich, Gott sei Dank, in Grenzen. Die Menschen, mit denen ich hier lebe, sind mir aufgrund ihrer liebenswürdigen, fröhlichen Art schon sehr ans Herz gewachsen.