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»Die Lehrkraft bleibt entscheidend«

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Traunstein. Das Pilotprojekt am Chiemgau-Gymnasium, bei dem eine Klasse den Unterricht mit Tablets bestreitet, verläuft bis jetzt positiv. Dennoch bleibt der Lehrer die zentrale Figur im Klassenzimmer. Dies stellt Prof. Dr. Engelbert Thaler, Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik des Englischen von der Universität Augsburg fest. Er begleitet das Projekt seit Beginn an zusammen mit seinen Mitarbeitern.


Prof. Dr. Thaler, was hat Sie an diesem Projekt bisher am meisten begeistert?

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Was mich wirklich begeistert, ist die Lehrerschaft. Es sind durchweg sehr kompetente, engagierte und medienbegeisterte Lehrkräfte. Sie hängen sich wirklich rein, machen das sehr gerne, haben tolle Ideen und Unterrichtsvorschläge.

Wie sieht die wissenschaftliche Begleitung aus?

Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen wir das Projekt begleiten. Zum einen erfolgt dies natürlich durch elektronischen Kontakt, also via E-Mails und Internettagebüchern (Blogs). Die Klasse hat einen wirklich schönen Blog eingerichtet – www.ipad-klasse.org – und auch an der Uni gibt es ein entsprechendes Pendant. Zum anderen haben ich und auch der betreuende Lehrer Gerhard Piezinger bereits mehrere Artikel zu dem Thema in Fachzeitschriften veröffentlicht. Außerdem sitzen meine Mitarbeiter Dr. Susanne Heinz, Stephanie Bajor und ich regelmäßig selbst im Unterricht der Tablet-Klasse.

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich bisher aus dem Projekt ziehen?

Nach einem halben Jahr muss man immer vorsichtig mit solchen Angaben sein, aber man kann vielleicht schon sagen, dass sich das sogenannte »Balance Teaching« bewährt. Es sollte also eine Balance im Umgang mit traditionellen und modernen Medien herrschen. Entscheidend ist, dass das Tablet nicht in jeder Schulstunde 45 Minuten lang läuft, sondern nur phasenweise. Totale Tablet-Klassen wird es wohl nie geben, das wäre didaktisch auch nicht sinnvoll. Primär wichtig ist das Lernziel, die Methode und das verwendete Medium sollten dabei nur an zweiter Stelle stehen.

Warum wurde eine achte Klasse für das Projekt ausgewählt und nicht eine fünfte?

Für »Anfänger« ist es noch zu früh für dieses Unterrichtsmodell. Diese sollten lieber mit traditionellen Methoden unterrichtet werden. Die ganze Kraft des Internets lässt sich eher auf einem fortgeschritteneren Niveau nutzen. Viele Texte und andere zugängliche Informationen werden oft einfach noch nicht verstanden.

Begleiten Sie derzeit mehrere Schulen?

Nein, dieses Schuljahr nur das Chiemgau-Gymnasium. Nächstes Schuljahr wird das Ganze mit Hilfe meiner Mitarbeiterinnen auf einzelne Schulen in ganz Deutschland ausgeweitet.

Glauben Sie, dass sich diese Unterrichtsmethode in naher Zukunft bundesweit durchsetzen wird?

Ein Frankfurter Kollege sagte einmal zu mir: »In fünf Jahren werden alle Klassenzimmer in Deutschland mit Tablets ausgestattet sein.« Ich glaube das nicht. Man muss erst einmal abwarten, wie sich das Projekt gestaltet und welche Ergebnisse man beobachten kann. Die Lehrkraft bleibt entscheidend, davon bin ich überzeugt. Tablets können keinen Lehrer ersetzen, es hängt immer noch alles an ihm.