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Die Geschichte des hässlichen Rucksacks

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Es war einmal ein Rucksack, der tagein, tagaus unglücklich war. Er war nicht der Allerschönste, doch hatte ein Herz aus Gold. Er stand in einem Taschengeschäft ganz hinten im Regal. Jeden Tag beobachtete er die Menschen, die vorbeigingen, doch niemand schaute ihn an oder kam auf ihn zu. Jeden Tag wurde er noch trauriger: Er wollte so gerne einen Besitzer haben.


Eines Tages mitten in der Nacht wachte er aus seinem tiefen Schlaf auf und bemerkte einen Lichtschein draußen vor der Tür. Wer könnte das sein? Ein Einbrecher? Es war still draußen, doch plötzlich flog die Tür auf. Zwei maskierte Männer stürmten in den Laden und griffen wahllos nach Taschen und Rucksäcken, ohne zu bemerken, dass sie auch den hässlichen Rucksack bei sich hatten. In den Augen des Rucksacks konnte man Panik erkennen, als er ohne jegliche Vorsicht in den Lieferwagen geworfen wurde. Es wurde ihm schwarz vor Augen.

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»Was hast du denn da mitgenommen?« Der Rucksack öffnete noch von der Ohnmacht benommen seine Augen und bemerkte, dass einer der beiden Diebe vor ihm stand und auf ihn zeigte. Nun kam auch der Zweite hinzu und blickte den Rucksack verdutzt an. Wie auf Kommando fingen beide an zu lachen. Der Rucksack begann innerlich zu weinen. Er erinnerte sich an einen Vorfall, der sich vor Jahren ereignet hatte. Die Gucci und Louis Vuitton Taschen hatten sich damals in einem Kreis um ihn aufgebaut und ihn ausgelacht, was für ein hässliches Ding er sei.

Er hörte den einen Verbrecher sagen: »Den können wir nicht gebrauchen«, als er auch schon mit voller Wucht aus dem Fenster geschleudert wurde und schließlich auf einem Schneehaufen landete. Er begann zu weinen und bereitete sich schon auf sein Ende vor. Er würde hier erfrieren! Traurig schloss er die Augen und die Tränen liefen ihm nur so die Wangen hinunter.

Auf einmal hörte er Glocken läuten und Rentiere schnauben. Ganz vorsichtig öffnete er ein Auge. Er konnte nicht glauben, was er sah: Der Weihnachtsmann! Der Mann mit der roten Mütze kam auf ihn zu und hob ihn vorsichtig aus dem Schnee. »Dich nehmen wir mit«, sagte er und stieg mit dem Rucksack im Arm in seinen Schlitten. »Ho, ho, ho«, rief er und die Rentiere hoben ab. Nach wenigen Sekunden trafen sie bereits im Hauptquartier des Weihnachtsmanns ein. Er übergab den Rucksack an eine der Elfen, welche ihn mit in eine große Halle nahm. Dort wurde er gewaschen, getrocknet und verschönert.

Als der Rucksack sich schließlich im Spiegel betrachtete, war er sich sicher, noch nie einen so schönen Rucksack gesehen zu haben. Er glitzerte und funkelte und alle Elfen sahen ihn begeistert an. Das war ein schönes Gefühl, endlich einmal im Mittelpunkt zu stehen. Der Rucksack strahlte über beide Ohren. Endlich war er schön. Der Weihnachtsmann kam herein und zeigte ihm ein Foto, auf dem ein kleines, süßes Mädchen zu sehen war. »Das ist deine neue Besitzerin, sie wird sich gut um dich kümmern!« Die Augen des Rucksacks begannen zu leuchten. Eine eigene Besitzerin, nur für ihn, der einmal der hässlichste aller Rucksäcke war.

Der Weihnachtsmann hob ihn hoch und brachte ihn zurück zum Schlitten. Sie erhoben sich in die Lüfte und flogen über die weihnachtlich erleuchtete Stadt. Lautlos landeten sie auf einem festlich geschmückten Haus. »Komm, kleiner Rucksack«, mit diesen Worten nahm der Weihnachtsmann den Rucksack und verschwand mit ihm im Kamin. Sie landeten heil mitten im Wohnzimmer und der Weihnachtsmann stellte den Rucksack unter den Weihnachtsbaum, winkte ihm zum Abschied zu und verschwand wieder.

Der Rucksack war aufgeregt, gleich würde er seine neue Besitzerin kennenlernen. Er hörte Stimmen draußen auf dem Flur, dann ging die Tür auf. Das kleine Mädchen, das der Rucksack schon auf dem Foto gesehen hatte, stürmte herein und erblickte ihn. Ihre Augen begannen zu leuchten, sie lief auf ihn zu und umarmte ihn. »Mami, Papi, ich habe einen Rucksack bekommen und er ist wunderschön! So einen hab ich mir schon immer gewünscht!«, rief das Mädchen. Als der Rucksack diese Worte hörte, begann er zu strahlen und freute sich unglaublich auf die Zukunft mit seiner neuen Besitzerin.