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Die Enigma nachgebaut

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Rudi Haindl und seine Mitschüler des Dr.-Johannes-Heidenhain-Gymnasiums Traunreut präsentierten den Nachbau einer Enigma. Mit Unterstützung der Firma Heidenhain bauten die elf Schüler im Rahmen eines Projekt-Seminars die deutsche Kriegs-Maschine, mit der die Wehrmacht militärische Funksprüche verschlüsselte, nach. (Foto: Rasch)

Traunreut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zur Verschlüsselung des Nachrichtenverkehrs des deutschen Militärs verwendet. Die Alliierten brauchten Jahre, um den Code der Rotor-Schlüsselmaschine, der sogenannten Enigma (griechisch: Rätsel), die unter anderem auch die Polizei, Geheimdienste oder diplomatische Dienste zur geheimen Kommunikation einsetzten, zu knacken. Von der Oberstufe des Dr.-Johannes-Heidenhain-Gymnasiums wurde jetzt eine Enigma im Rahmen des P-Seminars (Projektseminar zur Studien- und Berufsorientierung) mit Unterstützung der Firma Heidenhain nachgebaut.


Schüler waren äußerst kreativ

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Bei der Präsentation des Nachbaus im Musiksaal des Gymnasiums wurde deutlich, dass sich die Schüler mächtig ins Zeug gelegt hatten, die Idee der Projektleiterin, Oberstudienrätin Birgit Israel, umzusetzen. In rund eineinhalb Jahren entstand ein hochtechnologisiertes Produkt, das den Schülern einiges abverlangte. Die elf Seminaristen seien äußerst kreativ und engagiert an das komplexe und aufwändige Projekt herangegangen, lobte Israel: »Die haben das dermaßen super gemacht.« Auch die Vertreter der Firma Heidenhain und Studienrat Hans-Jörg Schmid waren voll des Lobes. »Es ist hoch beeindruckend, zu was die Schüler fähig sind, sagte Schmid dem Traunsteiner Tagblatt.

Um die bekannteste und im Vor-Computer-Zeitalter wohl beste Chiffriermaschine der Welt nachzubauen, mussten die Schüler zunächst nicht nur die Pläne erstellen, sondern auch Fräs- und Lötkurse absolvieren und sich mit der Elektronik vertraut machen. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von der Firma Heidenhain. Für das Gehäuse wählten sie Holz, der Walzensatz wurde in Kunststoff ausgeführt und das Lampenfeld mit LEDs. »Es war sehr spannend und vielseitig, und nicht selten wurden wir mit Problemen konfrontiert«, sagte der Schülerprojektleiter Rudi Haindl. Neben den wöchentlichen Seminarstunden haben sich die Schüler auch in den Ferien getroffen und darüber hinaus auch »viele Zusatzschichten geschoben.«

Walzensatz ist das Herzstück

Die Enigma besteht im Wesentlichen aus der Tastatur, einem Walzenblock von drei austauschbaren Walzen und einem Lampenfeld zur Anzeige. Der Walzensatz ist das Herzstück zur Verschlüsselung. Die drei Walzen sind drehbar angeordnet und weisen auf beiden Seiten für die 26 Großbuchstaben des Alphabetes elektronische Kontakte auf, die durch 26 Drähte im Inneren der Walze unregelmäßig miteinander verbunden sind.

Drückt man eine Taste, so fließt elektrischer Strom von einer in der Enigma befindlichen Batterie über die gedrückte Taste durch den Walzensatz und lässt eine Anzeigenlampe aufleuchten. Der aufgeleuchtete Buchstabe entspricht der Verschlüsselung des gedrückten Buchstabens. Da sich bei jedem Tastendruck die Walzen ähnlich wie bei einem mechanischen Kilometerzähler weiterdrehen, ändert sich das geheime Schlüsselalphabet nach jedem Buchstaben.

Durch die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der Steckverbindungen entstehen Trillionen Code-Möglichkeiten. ga