weather-image

Das Maximum an Begabung

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Literaturwissenschaftlerin Christine Knödler (links) und Maximum-Leiterin Dr. Birgit Löffler (rechts) zeichneten Schülerin Rebekka Fackler vom Traunreuter Gymnasium als eine der vier besten Autoren aus.

Traunreut – Beim dritten Durchgang des Kreativwettbewerbs KunstWortKunst ließen 49 Neunt- und Zehntklässler von acht Gymnasien aus den Landkreisen Traunstein und Altötting in einem Gemeinschaftsprojekt in Kooperation mit der Stiftung DASMAXIMUM in ihren selbst verfassten Texten Kunst »sprechen«. Im Johannes-Heidenhain-Gymnasium fand die Prämierung der besten vier Texte statt. Außerdem wurden alle Jungautoren geehrt.


JHG-Schuldirektor und zugleich Vorsitzender des Schulclusters, Matthias Schmid, war begeistert von der überwältigenden Teilnahme und der guten Resonanz des Schreibwettbewerbs, bei dem Schüler Kunst »anders« erfahren sollen. »Vielleicht hilft die ein oder andere Geschichte auch dem erwachsenen Betrachter, in Kunstwerken mehr als nur Anlagewerte zu sehen«. Die Frage »Berührt mich das Werk?« stellte Maximum-Leiterin Dr. Birgit Löffler. Sie versuchte, die Schüler für ihre Arbeit zu sensibilisieren.

Anzeige

Bei der Betrachtung hochkarätiger Werke der Gegenwartskunst im DASMAXIMUM sollten die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen, Assoziationen kommen lassen um sie dann in der Verfassung von Texten festzuhalten. Hier sollte nicht etwa die Frage »Gefällt mir das?«, sondern vielmehr die Frage »Was macht das Kunstwerk mit mir?« fokussiert werden. Kunst soll im Betrachter etwas bewirken, soll provozieren und berühren. Literatur, so Literaturwissenschaftlerin Christine Knödler, die den Schülern wertvolle Tipps zum kreativen Schreiben gegeben hatte, soll »nicht nur die Realität beschreiben, sondern das, was die Realität mit uns macht«. Aus Kunst wurden Worte, die wiederum zu Kunst wurden. In den weitläufigen Räumen des Museums suchte sich jeder »seinen« passenden Platz, um von den Gegenwartskunstwerken inspiriert, in sich die Kunst des Schreibens zu entdecken.

Anfang Januar beurteilte eine Jury, bestehend aus Germanisten, Kunstwissenschaftlern und dem Ingeborg-Bachmann-Preisträger Norbert Niemann, die unter einem Pseudonym eingeschickten Texte. Angesichts des verblüffend hohen Schreibniveaus, fiel die Auswahl allerdings mehr als schwer. Umso spannender war das Zuhören der von den Juroren Norbert Niemann und Dr. Birgit Löffler vorgelesenen Texte.

In einer Laudatio führte Löffler den ersten Text, »Sky« von Rebekka Fackler ein: Inspiration für ihren Text war ein Werk von Walter de Maria: The Large Landscapes. In ihrem Text, der an ein gedankliches Ping-Pong-Spiel erinnert, geht es um Zerstörung und Neuanfang, um die Entdeckung der Schönheit der Welt, nach einem traumatisierenden Ereignis, nach der Frage um das Warum und letztlich um das einzige, was bei dem Empfinden von Machtlosigkeit bleibt: Hoffnung.

Den zweiten Text, »A Beautiful Mind« von Jana Mörtl, den Norbert Niemann vorlas, lag Dan Flavins »European Couplets« als Kunstwerk zugrunde. In ihrer Laudatio beschrieb Löffler ihn als verstörend. Im Zentrum steht ein Mensch, der stört, der anders ist, der in seiner eigenen Welt ein isoliertes, beängstigendes und einsames »weg gesperrtes« Leben in einer Anstalt fristet.

In Georg Baselitz’ Kunstwerk Oda zeigt sich die Welt kopfüber. Iris Rogger assoziierte mit seiner Betrachtung eine Geschichte, die zwangsläufig an das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt erinnert. Die von Birgit Löffler gelesene Geschichte wird aus der Perspektive eines »Todesengel« erzählt und beschreibt das Drama einer kleinen Familie, die durch den alles zerstörenden Lastwagen überrollt und getötet wird. Ein Stuhl mit viel zu langen roten Beinen und gelber Sitzfläche von Uwe Lausen inspirierte Nina Hardebusch zu einem Gedicht: »Bis zum gelben Faden«. Wie ein Farbenspiel beschreibt die junge Autorin in unglaublich poetischer Wörterflut den inneren Leidensweg eines Menschen bis hin zur Heilung. bene