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Cornern, Chillen und Rumoxidieren

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»Rumoxidieren« gehört zu der Nominierten-Liste für das »Jugendwort 2015«.

Cornern, rumoxidieren, angeiern – die Liste lässt sich weiter fortsetzen. Und manche Eltern dürften rätseln, sollten ihre Kinder diese Wörter aussprechen. Eine Auswahl aktueller und vergangener Begriffe:


RUMOXIDIEREN steht beim Voting zum Jugendwort 2015 des Langenscheidt-Verlags ganz weit oben. Es bedeutet: chillen – auch so ein Wort, das oft als Jugendwort bezeichnet wird. Rumoxidieren sagten einige schon in den 90ern, wie Nils Bahlo, Sprachwissenschaftler an der Universität Münster, weiß. »Viele sogenannte Jugendwörter sind szene- und gruppenspezifisch, und nur wenige schaffen den Sprung in die Umgangssprache«, erklärt Peter Schlobinski, Sprachwissenschaftler an der Universität Hannover. Geschafft hat es auch das Gammeln: Schlobinski zufolge kam das Wort bereits 1950 als Synonym für rumhängen oder müßiggehen auf, setzte sich in der Hippie-Zeit aber erst durch.

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CORNERN ist ungefähr das, was früher das Abhängen mit Freunden an der Bushaltestelle war. Aber eben nur fast: Die Straßenecke (engl.: street corner) macht sogar Club, Kneipe und Bar Konkurrenz. Gerade in der warmen Jahreszeit sammeln sich Trauben junger Menschen in Städten auf dem Bürgersteig und trinken Bier. Vom einfachen Abhängen mit den Kumpels unterscheidet es sich, »da es eben nicht unbedingt Freunde sind, sondern die Zusammensetzung wechselt«, sagt der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt.

ANGEIERN oder KLARMACHEN ist heute, was vor mehr als hundert Jahren backfischen oder possieren war. Für das Umwerben von jemandem gibt es ständig neue Wörter, wie eine Übersicht der Entwicklung einschlägiger Jugendwörter der Universität Wuppertal zeigt. In seiner Jugendstudie »Youth Economy« hat Christian Schuldt vom Zukunftsinstitut Frankfurt die Liste aktualisiert. Den beiden Übersichten zufolge war in den 1970er Jahren Süßholz raspeln, miezeln oder aufreißen angesagt. In den 30ern anschwirren, balzen, schwärmen. Das zeigt: »Ausdrücke der Bewunderung oder der Missachtung verändern sich über die Jahrzehnte, aber das Bedürfnis bleibt gleich, Worte dafür zu finden«, sagt Schuldt.

KRASS, FETT, GEIL sind Konstanten im ständigen Wandel der Sprache. Es gibt sie seit Jahrzehnten, wie Schlobinski sagt. Warum? Weil Emotionen eine große Rolle in der Kommunikation spielen. Mal sagt man krass, mal fett, dann wieder geil. »Das hängt damit zusammen, dass sich Jugendliche immer in neuen Szenen bewegen und innovativ sind, gerade bei Intensivierungswörtern.« Als »Ausdruck der Bewunderung« gelten der Aufzeichnung von Schuldt zufolge auch porno, epic oder swag. Vor 1900 sagte man schon mal famos, delicat oder splendid. Nicht zu vergessen das Oberaffengeil aus den 90ern. dpa