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Anspruchsvolles Theater mit Pfiff und Spielfreude

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In Italien verlieben sich Prinzessin Lena (Julia Wieland) und Leonce (Moritz Maier) ineinander. Doch Leonce kämpft mit sich selbst und ist innerlich zerrissen, was als Alter Ego von Christina Schwemmbauer (links) verkörpert wurde. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Ein besonderes Theaterstück, ungewöhnlich anspruchsvoll für ein Schultheater, brachte die 11. Jahrgangsstufe unter der Regie von Christoph Nöldeke auf die Bühne des Staatlichen Landschulheims in Marquartstein.


Georg Büchners Theaterstück, vom Autor als »Lustspiel« bezeichnet, ist vielmehr eine hoch politische Satire, die unter einem fröhlichen Deckmantel viele – auch in der Gegenwart gültige – wenig angenehme Wahrheiten über die politisch gesellschaftliche Führungs-»Elite« thematisiert.

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Im Mittelpunkt des Stückes standen die beiden Hauptfiguren, Prinz Leonce (Moritz Maier) vom Reich Popo und Prinzessin Lena (Julia Wieland) aus dem Reich Pipi, die ihre ihnen vorherbestimmten Rollen als König und Königin nicht annehmen wollen. Beide wollten sie – ohne einander zu kennen – den ihnen zugedachten Partner nicht.

Prinz Leonce: »Mein Leben gähnt mich an«

Während Lena im Reinen mit sich selbst ist und mit ihrer gestrengen Gouvernante (Barbara Mosner) nach Italien floh, kämpfte Leonce mit sich selbst, ist innerlich zerrissen, was als Alter Ego (anderes Ich) Christina Schwemmbauer sehr gut verkörperte.

»Mein Leben gähnt mich an wie ein großer, weißer Bogen Papier«, jammerte Leonce, sodass ihn nicht mal seine hübsche Geliebte Rosetta (Anna Haeggberg) und sein Begleiter, der lebensfrohe Valerio (Tobias Bär) trösten konnten. So flohen auch Leonce und Valerio Richtung Italien, wo sie rein zufällig ein hübsches junges Mädchen und ihre Gouvernante trafen und sich natürlich in die beiden verliebten.

Das Stück endete mit einem lustigen Volksfest, bei dem die Hochzeit von Leonce und Lena gefeiert wurde. Valerio, inzwischen Staatsminister, parodiert die Situation, indem er befahl, den Staat im Chaos versinken zu lassen – jeder solle nur noch an seinen persönlichen Genuss denken.

Die Hauptrollen, durchweg gut besetzt, wurden von den Schülern auch ohne Souffleur hervorragend gemeistert und gut dargestellt. Besonders hervorheben muss man bei der Inszenierung die musikalische Untermalung auf verschiedenen Instrumenten, die die Darsteller selbst vornahmen.

Wahrscheinlich wegen allzu vieler Aufführungen im Juli war das Theater unverdienterweise nicht allzu gut besucht. Der Applaus aber – auch nach einzelnen Szenen – war herzlich und anhaltend. Es bleibt zu hoffen, dass das Stück noch einmal im kommenden Schuljahr aufgeführt werden kann. gi