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Alex Diehl ist auf der großen Bühne angekommen

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Alex Diehl ist endlich auf der großen Bühne angekommen. Dafür hat der 28-Jährige lang gekämpft. Jetzt veröffentlicht er mit »Bretter meiner Welt« sein zweites Album. (Foto: Artes)

Mit Säge, Pinsel und Hammer sieht man Alex Diehl im Booklet seines zweiten Albums seine eigene, kleine Bühne bauen, die dann als »Bretter meiner Welt« auf dem Cover zu sehen sind. Bis das Album fertig war, war es eine lange, überraschende Reise. Fast zwei Jahre hat der 28-Jährige daran gearbeitet und sich den lang ersehnten Wunsch erfüllt, professionell Musik zu machen. Dabei wäre bald alles anders gekommen. »Das Album war eine schwere Geburt, fast schon eine Not-OP.«


»Bretter meiner Welt« ist aber nicht nur der Titel des Albums, sondern auch eines Songs auf der neuen CD, die morgen in die Läden kommt. Mit kraftvoll, sphärischen Analogsounds entführt Alex Diehl in den musikalischen Kosmos. »Eigentlich bin ich über das Lied auf den Albumtitel gekommen«, erzählt der 28-Jährige im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt. Ausschlaggebend dafür war auch eine Zeile aus dem Song: »Aus dem Schatten in das Licht, ich blick' nicht mehr zurück«. Genau so macht es der gebürtige Waginger heute, der in seinem Leben schon einiges durchgemacht hat: Mit 17 schmiss Alex Diehl das FOS-Abitur, hatte kaum Geld, verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Gitarrenunterricht. »Das war mein Ding. Blöderweise habe ich schon als Kind gewusst, dass ich Musiker werden will.«

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Kurz vor Abgabe kündigte Sony den Plattenvertrag

Für diesen Traum hat Alex Diehl in den vergangenen Jahren hart gearbeitet. 2014 veröffentlichte er sein Debütalbum »Ein Leben lang«, nachdem er von Sony einen Plattenvertrag erhalten hatte. Eigentlich sollte auch sein zweites Album bei Sony erscheinen, doch zwei Wochen vor Abgabe des Albums, wurde ihm der Vertrag gekündigt – den genauen Grund weiß der 28-Jährige bis heute nicht. Es begannen die Überlegungen, ob er und sein Management das Album selbst herausbringen sollen, immerhin war es fast fertig. Doch schließlich kam das Angebot von Universal Music – Alex Diehl nahm es an.

Auf seinem neuen Album geht es Alex Diehl um handgemachte, selbstgemachte und authentische Musik. »Ich bin kein Popstar, sondern ein Liedermacher. Ich habe nur Musik und echte Geschichten zu bieten.« Nie habe er sich hingesetzt, um für das neue Album Lieder zu schreiben. »Ich habe alle Songs spontan geschrieben«, verrät der 28-Jährige unserer Zeitung. Die meisten seien in weniger als einer Stunde entstanden. »Du setzt dich hin, weil dich etwas beschäftigt und plötzlich erwischt es dich.« Dann brauche er nur noch Stift und Papier und die Lieder entstehen.

Deutschlandweite Berühmtheit hat der 28-Jährige mit »Nur ein Lied« erlangt. Mit dem Titel trat er Ende Februar beim Vorentscheid zum Eurovision Songcontest (ESC) in Köln auf und landete nach zwei hochemotionalen Auftritten auf einem hervorragenden zweiten Platz. »Es war perfekt, wie der ESC gelaufen ist«, freut sich Alex Diehl noch heute. »Still und heimlich habe ich mir immer gesagt, der zweite Platz wäre ideal.« Entstanden ist das Lied nach den Terroranschlägen in Paris. Alex Diehl war damals so wütend, dass er mit einem Song darauf reagieren wollte. Mit seiner Handykamera hat er »Nur ein Lied« spontan aufgenommen und ins Internet gestellt – keine 24 Stunden später hatte es über eine Millionen Aufrufe, mittlerweile sind es bereits acht Millionen.

Neben Liedern mit aufrichtigen Botschaften sind auf »Bretter meiner Welt« auch sehr persönliche, autobiografische Songs. »Ich habe zwei Lieblingslieder: 'Bitte werde nie ein Song' und 'Silvester'«. »Bitte werde nie ein Song« hat der 28-Jährige für seine Freundin geschrieben. »Sie hat mal zu mir gesagt: Du schreibst über jeden Scheiß ein Lied, aber nicht für mich.« Von dieser Aussage war der 28-Jährige sehr überrascht. »Ich bemerkte nach kurzem Nachdenken, dass meine Liebeslieder im Grunde immer Abschiedslieder für meine Ex-Freundinnen waren. Also habe ich ihr eine SMS mit den Worten 'Bitte werde nie ein Song' geschrieben.«

Ein Lied für den verstorbenen Freund

Richtig emotional wird es beim Lied »Silvester«, den Alex Diehl an einem alten Klavier in einer abgelegenen Pension irgendwo im Saarland auf Tour geschrieben hat. »Silvester« ist für seinen ehemaligen Pianisten und guten Freund David, der sich 2011 das Leben genommen hat. »Ich konnte nie richtig damit umgehen und kann es auch nicht immer nicht richtig. Er war genau wie ich«, erinnert sich der 28-Jährige.

Ab dem morgigen Freitag geht der 28-Jährige mit »Bretter meiner Welt« auf Promotion-Tour, die komplett ausverkauft ist. Er freut sich auf Stationen in München, Berlin, Köln und Hamburg. »Vor meinem Fanclub habe ich das neue Album schon ausprobiert und es kam sehr gut an.« Ab Mitte September geht Alex Diehl dann auf große Deutschlandtour, auf die er sehr stolz ist. Dann dürfen sich auch die Fans in der Heimat auf den 28-Jährigen freuen. Am 23. September tritt er im Gasthaus Messerschmied in Rottau auf und am 24. September im Kurhaus in Waging. »Ich würde mich natürlich freuen, wenn auch daheim die Leute kommen würden.« Bei den Konzerten wird Alex Diehl auch etwas zu den Hintergründen seiner Lieder erzählen. »Das wird keine leichte Kost.« Vielmehr verspricht er den Besuchern »eine Massentherapie«. »Aber das ist geil«, so der 28-Jährige.

Humanistische Botschaften in einer turbulenten Zeit

Am Ende verlässt Alex Diehl auf der Rückseite des Covers die selbstgezimmerte Bühne. Nur seine Gitarre bleibt dort stehen. Er tritt zurück in den kreativen Schatten mit der Gewissheit, dass gerade in diesen turbulenten Zeiten humanistische Botschaften immer wichtiger werden. Alex Diehl setzt hierfür ein Zeichen, steht mit seinen Liedern für Herz, Seele und Ehrlichkeit. Das sind die Bretter seiner Welt und nicht nur seiner. Julia Artes