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Werkstätten am Limit: Jeder möchte Reifen wechseln

Traunstein. Seit der Wetterdienst für dieses Wochenende Schnee angesagt hat, stehen die Telefone in den Autowerkstätten der Region nicht mehr still: Die meisten Autofahrer wollen noch schnell ihre Reifen wechseln – doch die meisten bekommen auf die Schnelle keinen Termin mehr.

In den Werkstätten herrscht in diesen Tagen reger Betrieb: Viele Autofahrer wollen ihr Fahrzeug jetzt noch schnell für den Winter fit machen. (Foto: dpa)

»Das ist wirklich der Wahnsinn«, sagt Wolfgang Löfflmann, Inhaber von Toyota Reiter in Traunstein. Sein Unternehmen bietet wie viele andere Werkstätten im Landkreis in den Herbstmonaten extra Reifenwechsel-Samstage an, um die Arbeit bewältigen zu können. »Wir schaffen an so einem Tag im Bestfall 70 Autos«, sagt Löfflmann. »Für heute hätten wir gut 150 Anmeldungen entgegennehmen können.« Ebenfalls »komplett ausgebucht« in diesen Tagen ist das Autohaus BMW Schwarz in Traunstein, sagt Inhaber Elmar Schwarz. »Wir fahren sogar Zusatzschichten, um allen Wünschen unserer Kunden gerecht zu werden.« Wegen des Wetters wollen nun alle Kunden auf einmal ihre Reifen gewechselt haben, betont er.

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Die Winterreifen sind die vergangenen Jahre auch meistens knapp geworden. »Vor allem im Jahr der Abwrackprämie« sei dies ganz erheblich gewesen, sagt Schwarz. »Es wird in diesem Jahr wesentlich entspannter sein«, glaubt er. Dennoch ist er sich sicher, dass es auch in diesem Winter bei der einen oder anderen Größe und dem einen oder anderen Produkt wieder Engpässe geben werde. »Die Industrie produziert die Winterreifen vor, das wird per Prognose hochgerechnet«, erklärt Schwarz. Vor allem größere und breitere Reifen seien da oftmals schnell vergriffen, sagt er.

Bei Toyota Reiter rechnet Löfflmann mit keinem Engpass. Man habe genügend Winterreifen auf Lager. »Wir haben da wenig Probleme«, sagt er. Zudem bereitet sein Team schon in den Sommermonaten die Reifen der Kunden vor, die ihre Reifen über den Sommer eingelagert haben.

Wer am Wochenende keinen Termin mehr bekommen hat, sollte sich gleich Anfang der Woche um einen bemühen. Denn in Deutschland gibt es seit 2010 eine Winterreifenpflicht. Diese schreibt vor, dass bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte Autos mit Sommerreifen nicht auf öffentlichen Straßen fahren dürfen. Auch in Österreich gibt es eine Winterreifenpflicht, die im Nachbarland verbindlich ab 1.  November gilt.

Der Winterdienst in der Region ist ebenfalls für die kommenden Monate gerüstet. 18 eigene und 29 angemietete Räum- und Streufahrzeuge stehen beim Staatlichen Bauamt Traunstein für Winterdiensteinsätze bereit. In sieben Streustoffhallen und zwei Silos werden rund 8300 Tonnen Tausalz und in der Zentrallagerhalle Wasserburg 12 000 Tonnen Tausalz bevorratet. Das Bauamt muss in den Landkreisen Traunstein, Altötting und Berchtesgadener Land 388 Kilometer Bundes-, 385 Kilometer Staatsstraßen sowie 89 Kilometer Kreisstraßen des Landkreises Berchtesgadener Land räumen. Zudem ist das Staatliche Bauamt für die Autobahn 94 zwischen Ampfing und Marktl mit einer Länge von rund 48 Kilometern zuständig. Auch der Traunsteiner Bauhof ist »für den Winter gut gerüstet«, sagt der stellvertretende Bauhofleiter Manfred Forstner auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Rund 30 Mitarbeiter der Stadt und einige Fremdfirmen werden sich darum kümmern, dass die rund 120 Kilometer der innerstädtischen Straßen und Ortsverbindungsstraßen geräumt sind. Dafür stehen dem Bauhof laut Forstner elf Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Die beiden Salzsilos sind mit jeweils 75 Tonnen bis obenhin gefüllt. 500 Tonnen Salz hat die Stadt zudem bereits vorgeordert. »Wir haben reichlich Salz«, so Forstner. »Sollte es ein normaler Winter werden, dann wird nichts fehlen.«

Der Kreisbauhof hat seine Wintervorbereitungen ebenfalls erledigt. »Wir sind bereit«, sagt Peter Mayer, Leiter des Kreisbauhofes. Sein Team muss gut 380 Kilometer Kreisstraßen im Landkreis vom Schnee befreien. Der Kreisbauhof hat fünf eigene Fahrzeuge im Einsatz, und zwölf Fuhrunternehmen helfen ebenfalls mit. »Auch mit Salz sind wir bestens ausgestattet«, sagt Peter Mayer.

3500 Tonnen Salz sind in zwei Lagern und 500 Tonnen sind in einem Silo deponiert. Dazu sind noch 200 Tonnen bei einem Salzunternehmen gelagert. »Das geht uns nicht aus«, ist sich Mayer sicher – der Winter kann also kommen. SB