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Trotz Behinderung durch Deutschland getourt

Traunstein. »Ich habe hier überall nur freundliche, nette und hilfsbereite Menschen getroffen.« Der Satz des Israeli Yossi Lev liest sich fast wie ein Slogan aus einem Werbeprospekt einer Tourismusregion. Lev, der in der Nähe von Tel Aviv wohnt, fuhr von Mitte Juni bis Mitte August mit seinem Wohnmobil und seinem vierbeinigen Begleiter Harry quer durch Deutschland. Von Traunstein aus zum Bodensee, nach Hamburg, Berlin und Leipzig über Passau und Burghausen zurück in den Chiemgau. Am Donnerstag ging es über Salzburg und Wien zurück nach Israel.

Sein Urlaubsziel ist der Chiemgau: Yossi Lev aus Israel kommt seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig nach Deutschland. Mit seinem Assistenzhund Harry tourt er mit einem Wohnmobil durch die Region und darüber hinaus.

Israeli sitzt seit fast 20 Jahren im Rollstuhl

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Lev sitzt seit fast 20 Jahren im Rollstuhl. Ein nicht operierbarer, und sich immer wieder »bewegender« Gehirntumor, der auf der Hauptschlagader liegt, zwang den früheren Mathematikprofessor in den Rollstuhl, einige Zeit lag er sogar im Wachkoma, sodass seine Familie über lebenserhaltende Maßnahmen entscheiden musste. Er hat die damals kritische Situation »überlebt«. Heute bereitet er Studenten in privaten Unterrichtsstunden auf ihr Examen vor.

Die Lebensfreude hat sich der Israeli, dessen Familie zu Beginn der Judenverfolgung aus Deutschland geflohen war, trotz seiner Behinderung nicht nehmen lassen: Seit Mitte der 1990er Jahre kommt er jedes Jahr in den Chiemgau, um von hier aus seine Wohnmobiltouren zu starten. Sein Hund Harry ist ein Blickfang für die Menschen, wenn er das kleine Reisetäschchen seines Herrchens im Maul mitträgt. Zu Hause verrichtet der auf sein Herrchen fixierte und trainierte Assistenzhund auch schon mal den ein oder anderen Botengang zu naheliegenden Geschäften, die um die körperliche Situation seines Herrchens Bescheid wissen und die Bestellung, die der Hund überbringt, schnell erledigen.

Dass manche oft noch so kleine Schwellen und Hindernisse oft unüberwindbare Grenzen für einen Menschen im Rollstuhl sind, muss er trotzdem immer wieder aufs neue Erfahren. Entmutigen lässt er sich dadurch aber nicht: »Ich habe viel Hilfe erfahren«, sagte Lev nach seiner Reise. Die Hilfsbereitschaft ist enorm groß. Ich erzähle meinen Freunden in Israel jedes Mal davon.«

»Ich freue mich schon auf das nächste Jahr«

Auch spontane, behindertengerechte Umbauwünsche in seinem Wohnmobil wurden trotz enormer Arbeitsbelastung umgehend von einem Traunsteiner Schreinereibetrieb und einem Kfz-Betrieb erfüllt, um dem Israeli die Fahrt und den Aufenthalt in der Region so angenehm wie möglich zu machen. »Ich glaube, die haben wirklich alles liegen und stehen lassen, um mir zu helfen«, betonte er dankbar. Das erzählte er seinen Freunden, die er im Rahmen eines privaten Grillfestes in Traunstein am vergangenen Sonntag getroffen hat. Lev hatte eine Reisegruppe aus dem Chiemgau mit rund 40 Teilnehmern im vorigen Jahr zu sich nach Hause eingeladen und bewirtet.

»Ich freue mich schon auf meinen nächsten Urlaub im kommenden Jahr«, betonte der stille Israeli, wohl wissend, dass in seiner gesundheitlichen unsicheren Lage jeder Tag ein Geschenk ist. awi