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Tierschutzverein braucht »Blutauffrischung«

Traunstein. »Wir brauchen im Verein eine Blutauffrischung.« Das forderte der Vorsitzende Karl-Heinz Firsching bei der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins Traunstein. »Also mehr junge Leute, die sich den Zukunftsaufgaben stellen, Initiativen entwickeln und bereit sind, ihre Freizeit zu opfern«, betonte er. Ein Sonderlob sprach er seiner Stellvertreterin Helga Steiner und deren Ehemann Herbert Steiner aus, die sich seit Jahrzehnten im Verein engagieren. »Wenn wir euch nicht hätten, könnten wir den Verein zusperren.«

Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Traunstein, Karl-Heinz Firsching, bedankte sich bei Monika Hötschl (von links), Irmgard Bernauer und Berta Böhm, die dem Verein seit 25 Jahren die Treue halten. (Foto: Müller)

448 Tiere wurden erfolgreich vermittelt

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Lobend erwähnte Firsching auch die »50-Cent-Regelung« der Landkreiskommunen. Die Gemeinden unterstützen demnach die Arbeit des Vereins mit 50 Cent pro Einwohner und müssen damit keine weiteren Rechnungen für Fundtiere bezahlen. Dies sei auch angemessen, sagte der Vorsitzende, weil der Verein »ehrenamtlich und mit einem nicht zu unterschätzenden, finanziellen Aufwand« Aufgaben übernehme, die »zum großen Teil der öffentlichen Hand obliegen würden«. Mit abgestuften Laufzeiten zwischen einem und fünf Jahren beteiligen sich daran derzeit 25 der 35 Landkreiskommunen. Es sei wünschenswert, dass zukünftig auch jene Kommunen die Pauschalzahlungen leisten, für die derzeit die Einzelabrechnung gelte.

Die Leiterin des Tierheims Trenkmoos, Anna Obermeier, ließ ein »erfolgreich verlaufenes Jahr« Revue passieren. Insgesamt habe man 448 Tieren ein neues Zuhause vermitteln können, darunter 310 Katzen, 43 Hunde, 76 Nager und 18 Vögel. »80 Tiere warten allerdings immer noch auf ein neues Frauchen oder Herrchen«, gab Obermeier zu bedenken und verwies auf die latente Fundkatzen-Problematik.

2012 seien 210 Katzen im Tierheim abgegeben worden, aber nur 20 von ihnen vom Besitzer wieder abgeholt worden. Als Gefahr für die heimische Vogel- und Kleintierwelt bezeichnete Obermeier die hohe Zahl unkastrierter, oftmals sogar verwilderter Katzen. Obermeier riet zu einer umfangreichen Kastration von Hauskatzen, denn dies sei »eben auch gelebter Tierschutz«.

Mit Unverständnis reagierte sie darauf, dass sich Bundespolitik und bayerische Politik gegenüber einer generellen Kastrationspflicht für Katzen bisher »weitgehend verschlossen zeigten«. Allein der Tierschutzverein Traunstein habe für die Kastration von 150 Katzen und die Verteilung von 130 Kastrationsgutscheinen im Vorjahr rund 10 000 Euro aufbringen müssen.

»Dank der Zuschüsse, Spenden und Erbschaften konnten wir mit einem Plus abschließen« freute sich Schatzmeister Herbert Steiner. Der rund 50 000 Euro teure Neubau des Kleintierhauses konnte aus Rücklagen finanziert werden. Aktuell verfüge der Verein über 967 Mitglieder. Trotz eines leichten Rückgangs hoffe man, dass die magische Marke von 1000 Mitgliedern bald überschritten werde.

Für 25-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurden Irmgard Bernauer aus Waging am See, Berta Böhm aus Grabenstätt und Monika Hötschl aus Seeon. Vor 25 Jahren beigetreten sind auch Helga Allertseder (Marquartstein), Marina Arnusch (Neukirchen am Teisenberg), Günter Bauer, Reinhard Bösch (beide Trostberg), Bettina Egger (Inzell), Gisela und Hanns Filchner (Stein an der Traun), Dr. Isabel Gevelhoff-Eiser (Taunusstein), Dr. Marion Gluth-Stender (Bernhaupten), Rainer Hausberger, Fridolin Zenz (beide Traunstein), Karin Reichgruber (Traunreut) und Erna Lechner (Fridolfing).

Firsching beklagte sich abschließend darüber, dass viele Tierschutz-Forderungen nach wie vor »nicht erfüllt« seien und erinnerte an Tiertransporte und Massentierhaltung. Das Tierschutzgesetz müsse hier gründlich überarbeitet werden. Abschließend versprach der Vorsitzende, dass man vorhandene Gelder auch weiterhin »im Sinne der Satzung für unser Tierheim und die uns anvertrauten Tiere« verwenden werde. mmü