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Bauern diskutierten mit Agrarminister – Hoher Butterpreis kommt nicht bei Bauern an

Milchmarkt als Dauerthema

Laufen – Der Hinweis von Bauer Sepp Hubert auf den halbwegs erfolgreichen Milchmengenausgleich – durchgesetzt von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und den Grünen – gefiel Bundesagrarminister Christian Schmidt gar nicht. »Beim Schmidt kocht der Chef. Das ist immer noch meine Entscheidung«, machte er deutlich. Die zahlreichen Landwirte im Laufener Gasthaus Greimel hatten einiges auf dem Herzen, und Christian Schmidt stellte sich ihren Fragen. Durchaus nicht selbstverständlich bei Wahlveranstaltungen. Fazit: Schmidt fordert mehr Eigenverantwortung der Landwirte, denn nicht er oder Brüssel würden die Milch produzieren.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt stand Rede und Antwort. (Foto: Höfer)

»Eine Mengendisziplin muss geübt werden«, appellierte Schmidt an die Bauern. In der Analyse sei beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vieles richtig, dessen sogenanntem Marktverantwortungsprogramm aber erteilte er eine Absage. »Wir brauchen ein System, bei dem aller Teile der Wertschöpfungskette dabei sind.« Klar sei: »Zu Milchpulver verarbeiten kann nicht der Weg sein.«

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»Bleiben Sie doch auf dem Boden der Realität«

Man habe doch jahrelang massenhaft Milchpulver eingelagert, erwiderte Lisi Aschauer, »das fällt jetzt auf uns zurück.« Die BDM-Kreisvorsitzende ist überzeugt, dass Deutschland als größter europäischer Milchproduzent vieles durchsetzen könnte. »Liebe Frau, bleiben Sie doch auf dem Boden der Realität«, reagierte Schmidt relativ harsch, man könne sich seine Ideen von halb drei Uhr früh nicht einfach so zurechtlegen. »Wachsen oder weichen« sei doch die Agrarpolitik der letzten Jahrzehnte gewesen, hielt Aschauer dem Minister entgegen, man habe größere Ställe gefördert, um noch mehr zu produzieren. Schmidt aber versicherte: »Ich möchte die kleinen und mittleren Betriebe erhalten.«

»Wer profitiert denn von dem hohen Butterpreis?«, fragte Hans Haunerdinger, die Bauern würden davon jedenfalls nur »Peanuts« bekommen. Der Landwirt aus Froschham rechnet mit der nächsten Milchkrise in drei Jahren. »So optimistisch bin ich nicht«, gestand Schmidt; er sei bereit an der »Kutsche« mitzubauen, fahren aber müsse sie selber. »Und nicht bei der ersten Kurve im Graben liegen.« Sich selbst attestierte der Minister eine gewisse fränkische Sturheit, die er allerdings für den Job auch brauche.

Vieles ließe sich schon im Detail verbessern, ist Bernhard Reiter überzeugt. Der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Traunstein bat um eine Verlängerung der Meldefrist von sieben auf 14 oder 21 Tagen, denn »die Fehlerquelle wäre viel geringer«. Reiter bat, die kleinen Schlachthöfe zu unterstützen, anstatt ihnen Prügel zwischen die Beine zu werfen. Und: »Gebt mehr Verantwortung zurück an die Landwirtschaft. Die Bauern sind vernünftige Leute.«

Zwei Drittel aller Bauern weltweit seien Kleinbauern, berichtete Dr. Sepp Heringer und blickte dabei auf das Thema Klimawandel und Flüchtlingskrise. »Was kann die deutsche Landwirtschaft tun?«, fragte Heringer, der weltweit in Sachen Gartenbau, Böden und Landwirtschaft unterwegs ist. Jedenfalls erkennt er »destabilisierende Tendenzen«. Es könne und dürfe nicht sein, dass afrikanische Kleinbauern mit europäischem Milchpulver kaputt gemacht würden.

»Ich habe durchgesetzt, dass es keine Agrarsubventionen für Exporte mehr gibt«, versicherte Schmidt. Zusammen mit dem Entwicklungshilfeminister Gerd Müller – ebenfalls CSU – arbeite er an grünen Zentren in Afrika, und an Züchtungen, die mit Trockenphasen besser zurecht kämen. Inzwischen gebe es auch asymmetrische Verträge zugunsten jener Länder. »Dort Zoll, bei uns nicht«, fasste Schmidt knapp zusammen.

Bauern zu Lohnmästern degradiert

»Der Einzelhandel diktiert den Markt«, beklagte Bauernverbands-Kreisobmann Georg Baumgartner und fragte: »Was tun?« Auch für Schmidt ist das ein »Hauptthema«, denn die großen Lebensmittelkonzerne würden zunehmend selbst Politik machen, würden eigene Regeln in Sachen Pflanzenschutz aufstellen. Genau das wolle er mit seinem viel kritisierten »Tierwohl-Label« verhindern, denn mit vom Handel diktierten Normen würden die Bauern degradiert zu Lohnmästern, die keine Wettbewerbshoheit mehr hätten. »Werbeargumente als Befehl, das macht mir Sorgen«, sagte Schmidt, der nach rund zweieinhalb Stunden den Abend beendete, weil er noch ins heimatliche Franken zurückkehren wollte. höf