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Mahnung für Erhalt des Friedens und gegen den Krieg

Traunstein. In diesem Jahr jährt sich der Beginn des Rußlandfeldzuges unter Napoleon, in dem sich Frankreich und Rußland mit ihren jeweiligen Verbündeten gegenüberstanden, zum 200. Mal. Auch aus dem Königreich Bayern waren bis zu 35 000 Soldaten dabei, unter ihnen auch viele aus dem Chiemgau, die auf Seiten Napoleons in den Krieg zogen. Nur wenige kehrten wieder nach Hause zurück. Bereits 1837 wurde in Erinnerung an die Opfer des Rußlandfeldzuges im heutigen Stadtpark ein Obelisk als Kriegerdenkmal errichtet.

Kranzniederlegung am Traunsteiner Obelisken im Gedenken an die Opfer des Rußlandfeldzuges, der sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt. Auch diplomatische Vertreter der beiden Staaten Russische Föderation und Frankreich legten Kränze nieder. Unter den vielen Opfern des Krieges befanden sich auch zahlreiche Chiemgauer. (Foto: Wittenzellner)

Die Stadt Traunstein veranstaltete am Samstag im Gedenken an die Opfer des Krieges eine Gedenkfeier am Obelisken. Mit einer Kranzniederlegung durch Oberbürgermeister Manfred Kösterke, eingerahmt von einem Ehrensalut der Gebirgsschützenkompanie Traunstein und der passenden musikalischen Umrahmung durch die Stadtmusik Traunstein, gedachten die rund 150 Anwesenden im Stadtpark der Opfer des Krieges, über deren Zahlen die Aufzeichnungen auseinandergehen, und in verschiedenen Literaturquellen mit bis zu einer Million Toten auf beiden Seiten angegeben werden. Vom bayerischen Heer kehrten nur rund 5000 Überlebende in die Heimat zurück.

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Auch die beiden maßgeblich an dem Krieg beteiligten Nationen Frankreich und Russland schickten diplomatische Vertreter zu der Gedenkfeier in Traunstein: Stellvertretender französischer Generalkonsul Florent Cheval und der Generalkonsul der Russischen Föderation, Andrey Jurewitsch Grozov legten jeweils einen eigenen Kranz am Mahnmal nieder.

Bei der anschließenden Matinée im Saal des angrenzenden Kulturzentrums am Stadtpark ging Oberbürgermeister Kösterke auf die kriegerischen Ereignisse im Jahr 1812 ein, in dem der französische Kaiser Napoleon Bonaparte eine riesige Streitmacht, die Grande Armée, zusammengezogen hatte und Russland angriff. »Eine der größten militärischen und humanitären Katastrophen der Geschichte« nannte der Oberbürgermeister den Feldzug, der »Leid für Millionen von Menschen und einen sinnlosen Tod Unzähliger brachte«.

Viele Chiemgauer mussten an die Front. Am Beispiel des Berufssoldaten Joseph Enzinger, dessen Grabstein im Traunsteiner Stadtmuseum zu finden ist, lasse sich erahnen, was der 1787 im Chiemgau geborene Mann erlebt haben müsse. Enzinger hatte als einer von Wenigen auch den Rußlandfeldzug Napoleons überlebt. »Doch viele seiner bayerischen Kameraden kamen von der Front nicht mehr nach Hause.«

Zeichen der Versöhnung

In Erinnerung an die gefallenen Soldaten dieses Krieges, insbesondere der Toten aus dem Chiemgau, habe man im Jahr 1837 auf dem Gelände des damaligen Friedhofs der Stadt Traunstein, dem alten Gottesacker, der heute Teil des Stadtparks ist, einen Obelisk errichtet.

»Seit nunmehr 175 Jahren ist er Mahnung zum Frieden und Gedenkstätte zu Ehren der Gefallenen zugleich« betonte der Oberbürgermeister. In diesem Zusammenhang bedankte er sich für das Engagement des Fördervereins Alt-Traunstein, der den Obelisken im vergangenen Jahr mit hohem finanziellen Aufwand hatte restaurieren lassen.

Die Anwesenheit von hochrangigen Vertretern der damaligen Kontrahenten Frankreich und Russland sei für ihn ein »deutliches Zeichen zur Versöhnung in Europa und zum Frieden in der Welt«, der Obelisk ein weithin sichtbares Mahnmal für den Erhalt des Friedens und gegen das Grauen der Kriege.

Stadtarchivar Franz Haselbeck betonte in seinen historischen Anmerkungen zum Obelisken, dass dieser eine »stumme Bitte« sei, derjenigen zu gedenken, die durch Hunger und Kälte im rauen Norden geblieben seien, wie er aus der Rede des Geistlichen Joseph Reisenberger zitierte, die der Traunsteiner Stadtkooperator anlässlich der Enthüllung des Obelisken hielt.

Das Denkmal selbst sei von 116 Veteranen in Auftrag gegeben worden, wovon 47 an einem der Feldzüge Napoleons teilgenommen hatten. In dem mit interessanten und teilweise fast humorvollen Anekdoten vorgetragenen geschichtlichen Bericht über die Initiatoren des Denkmals schwang auch viel Nachdenkliches mit.

Auf die selbst gestellte Frage, ob es nötig sei, solche Denkmäler zu erhalten, zitierte er den ehemaligen Stadtpfarrer Franz Mooslechner, der den Obelisken vor 25 Jahren im Rahmen einer Feierstunde mit einem »Zeigefinger der zum Frieden mahne« verglichen hatte und hinzufügte: Wir alle seien verpflichtet, Frieden zu stiften, denn Gott, in dessen Richtung der Obelisk zeige, wolle den Frieden.

»Zum Frieden mahnen, die eigene Geschichte erkennen und pflegen, niemals aber vergangene Kriege verherrlichen, das muss heute die Intention sein« betonte der Stadtarchivar.

Willi Schwenkmeier las und erzählte im Nachgang aus den Kriegsberichten des Soldaten Peter Schleicher, die in erschütternder Weise die Schrecken des Rußlandfeldzuges deutlich machten. Er habe alle Kameraden verloren; viele Menschen seien bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad erfroren. »Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt« hatte Napoleon auf seiner Flucht aus Russland gesagt: »Und dafür mussten Hunderttausende sterben« betonte Schwenkmaier nachdenklich über die fragwürdige Erkenntnis.

Die Anwesenden hatten im Nachgang zu der Veranstaltung die Möglichkeit, sich in das Ehrenbuch der Stadt Traunstein einzutragen, wovon auch die beiden diplomatischen Vertreter Frankreichs und Russlands Gebrauch machten. awi