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»Kleine Schwester« für die alte Achenbrücke

Marquartstein. Bei strömendem Regen fand gestern die feierliche Einweihung der neuen Fuß- und Radwegbrücke über die Tiroler Ache statt. Nicht nur Festgäste wie die Bürgermeister der Nachbargemeinden, Gemeinderäte und die Abordnungen der Vereine waren gekommen, sondern auch viele Schaulustige, von denen viele beim Feuerwehrhaus Schutz suchten.

Die Königlich Privilegierte Feuerschützengesellschaft Marquartstein hatte ihre historischen Salutkanonen auf beiden Seiten der Achen postiert und gab zur Eröffnung drei Salutschüsse ab. (Foto: Giesen)

Das elegante, filigran wirkende Stahlbauwerk der neuen Bogenbrücke mit einer Länge von 73 Metern ist gestalterisch der alten Achenbrücke in etwa 500 Meter Abstand Richtung Süden nachempfunden. Nach dem Beschluss des Marquartsteiner Gemeinderats im November 2010 zum Bau der neuen Brücke war nach den Plänen des Ingenieur- und Architekturbüros Richard Dietrich aus Traunstein im März dieses Jahres mit dem Bau begonnen worden.

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Die alte Achenbrücke, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, »hat eine kleine Schwester bekommen«, sagte Bürgermeister Andreas Dögerl. Obwohl eine Fuß- und Radwegbrücke schon 1984 im Flächennutzungsplan verzeichnet war, hatte kaum noch jemand an ihre Realisierung gedacht. Erst als Marquartstein 2008 in das Städtebauförderprogramm »Leben findet innen Stadt« mit intensiver Bürgerbeteiligung aufgenommen wurde, nahm das Projekt konkrete Formen an, sagte der Bürgermeister. Die Gesamtkosten betragen rund 925 000 Euro, wovon aus Mitteln des Bundes und des Freistaats knapp 400 000 Euro übernommen werden. Ein Ziel der neuen Brücke ist die bessere Anbindung der Ortsteile auch für die fast 1800 Schüler, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Jetzt würde allerdings auch die Frequenz der Überquerungen der Bundesstraße steigen, betonte der Bürgermeister, so dass nach einer besseren Überquerungsmöglichkeit gesucht werden müsse. Hier bitte die Gemeinde nochmal um die Unterstützung des Ministers.

Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer war in seiner Funktion als »oberster Städtebauer« gekommen, verzichtete aber wegen des Wetters auf eine lange Festansprache. Mit diesem Bauwerk sei für Marquartstein etwas Bedeutsames gelungen. Er könne die Entwicklung des Ortes gut beurteilen, da er selbst seine Schulzeit am Staatlichen Landschulheim von 1964 bis 1973 verbracht habe. Großartig sei es auch, dass eine intensive Beteiligung der Bürger vorausgegangen sei, sagte Ramsauer. Hier habe es ausnahmsweise mal keine Bürgerinitiative dagegen gegeben. Trotz der irreführenden Bezeichnung »Städtebauminister« sei sein Anliegen besonders, auch die kleinen Gemeinden zu stärken und die innerörtlichen Strukturen zu beleben, wie es auch mit der Ortsumfahrung von Raiten und dem Unterführungsbauwerk in Übersee in der Region gelungen sei. Aus seiner vergleichenden Erfahrung könne die Gemeinde mit den Baukosten, von denen 42 Prozent bezuschusst werden, zufrieden sein.

Die ökumenische, kirchliche Weihe für die neue Brücke nahmen Pfarrer Andreas Horn und Pfarrer Rainer Maier vor. Dann schnitten der Bundesverkehrsminister, der Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Klaus Steiner im Beisein von Architekt Richard Dietrich und Anton Mühlbauer von der Stahlbaufirma symbolisch das Band durch und gaben die Brücke damit offiziell für die Benutzung durch die Öffentlichkeit frei.

Akustisch weithin vernehmbar wurde die Eröffnung durch drei Salutschüsse der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft bekannt gegeben, die auf beiden Seiten der Achen ihre historischen Salutkanonen postiert hatte. Der Gartenbauverein hatte für schönen Blumenschmuck am Aufgang zur Brücke gesorgt. Den passenden musikalischen Rahmen lieferte eine Bläsergruppe aus Mitgliedern der Grassauer Bläser. Trotz des Regens nutzten gleich nach der Eröffnung viele die Möglichkeit, die Brücke erstmals zu überqueren, darunter eine Gruppe des örtlichen Kindergartens. gi