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Kirche und Kommunen müssen Hand in Hand arbeiten

Traunreut. Im Rahmen der Pastoralvisitation im Dekanat Baumburg sprach Weihbischof Wolfgang Bischof jetzt mit den Bürgermeistern aus dem Dekanat Mehrgenerationenhaus. Dabei stellten die Vertreter der Kommunen wie auch Weihbischof Bischof fest, dass die in den letzten Jahrzehnten stark veränderten Strukturen in Familie und Gesellschaft ein Umdenken erforderten. Kirche wie Kommunen müssten hier Hand in Hand arbeiten und neue Wege gehen.

Weihbischof Wolfgang Bischof trug sich in das Goldene Buch ein, das ihm Landrat Hermann Steinmaßl vorlegte. (Foto: Mix)

Ein Anliegen des Weihbischofs, der mit dieser erstmaligen Pastoralvisitation eines ganzen Dekanats ebenfalls neue Wege geht, ist es, die Seelsorgeeinheiten in den Pfarreien mit den politischen Gemeinden zu verbinden. So fragte er die Bürgermeister, wie die Zusammenarbeit von Kirche und Gemeinde funktioniere, hörte sich ihre Anliegen an und betonte: »Wir sind offen für Fragen und haben immer ein Ohr für sie. Rühren sie sich ruhig, wenn sie was bedrückt.«

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Ein Thema war die Situation in den Pfarreien Tittmoning und Tacherting, die mangels neuen Pfarrers zunächst von Pfarradministratoren verwaltet werden. Bischof betonte, man unternehme alle Anstrengungen, um die Stellen neu zu besetzen. Allerdings sei es bei dem herrschenden Priestermangel nicht ganz einfach. Eines sei ganz wichtig: »Es wird Veränderungen in der Kirche geben und es kann sicherlich nicht alles so bleiben wie in der Vergangenheit. Aber wir dürfen nicht immer nur jammern, was wir nicht haben und was nicht mehr geht. Wir müssen jetzt vor allem gestalten und uns über das freuen, was wir an Potenzial noch haben, das es zu wecken gilt.«

Angesprochen wurden eine vermehrte Ausbildung von Wortgottesdienstleitern und vor allem auch das Problem, die Jugend wieder mehr in die Kirche zu holen. Für Bischof liegt hier das Problem vor allem in der Vielfalt an Angeboten für die Jugendlichen, mit denen die Kirche konkurrieren müsse. Da sei die Aufgabe nicht einfach, Jugendliche zum Mitgestalten zu gewinnen, ihnen zu zeigen, dass es schön ist, in der Kirche mitzuarbeiten. »Das müssen die jungen Menschen spüren, erleben. Dann werden sicherlich manche ihre Berufung, die sie in sich tragen, auch zum Ausbruch kommen lassen«, so der Weihbischof. Mehr Wertschätzung und Anerkennung beispielsweise auch schon bei den Ministranten wären hier hilfreich, wie ein Bürgermeister sagte. Mit der Schulsituation in den meisten Gemeinden und den vielen Verpflichtungen der Jugendlichen werde es immer schwieriger, beispielsweise für Beerdigungen am Nachmittag noch genug Ministranten zu haben. Der Weihbischof sagte, mancher Pfarrer in München wäre froh um Schulbefreiungen, da dort meist bei einer Beerdigung gar gar keine Ministranten verfügbar seien.

Einig waren sich die Gesprächspartner, dass unbedingt vermieden werden müsse, dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden, »denn wer erst einmal verloren ist, den kann man nur schwer wieder zurückgewinnen«, wie Bürgermeister Franz Parzinger aus Traunreut betonte. Gerade für das Zusammenleben in den Gemeinden sei die Kirche am Ort ein wichtiger Bestandteil, wie auch andere Bürgermeister betonten. In vielen sozialen Aufgaben wie Kinderbetreuung, Altenpflege oder anderen Bereichen arbeiteten Kommunen und Kirche beziehungsweise kirchliche Organisationen wie die Caritas nach wie vor sehr gut zusammen.

Landrat Hermann Steinmaßl hob hervor, dass die Individualisierung der Gesellschaft immer mehr voranschreite. Demgegenüber müsse man das »Wir« in den Vordergrund stellen. »Wir müssen deutlich machen, dass die Gemeinschaft wichtig ist und man zusammen mehr erreichen kann. Dazu müssen wir die Gemeinschaft so präsentieren, dass sie für den Einzelnen wieder attraktiv wird, in den Kommunen genauso wie in der Kirche.« Im Landkreis Traunstein klappe die Zusammenarbeit sehr gut, es gebe viele Schnittpunkte in der sozialen Arbeit, wie auch Dekan Hans Huber hervorhob. Seit 2005 gebe es im Dekanat Baumburg die Maria Ecker Gespräche, bei denen Bürgermeister und Pfarrer in regelmäßigen Abständen zum Austausch zusammen kommen.

In den nächsten Wochen bis Ende November stehen noch zahlreiche Gespräche des Weihbischofs im Dekanat auf dem Programm, bei denen er sich ein umfassendes Bild machen wird. »Das Leben spielt sich nicht nur innerhalb einer Pfarrei ab sondern in größeren Räumen«, erklärte Dekan Huber im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Deshalb sei auch diese erstmalige Visitation eines ganzen Dekanats viel aufschlussreicher als der Besuch einer einzelnen Pfarrei und könne ganz neue Sichtweisen eröffnen.

Im Anschluss an das Gespräch unternahm Weihbischof Bischof einen Rundgang durch das Mehrgenerationenhaus und ließ sich von Uwe Wenzel über die Angebote dort informieren. mix