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Jede Menge Raritäten und Kostbarkeiten

»Das war sein Lieblingsteil«, sagt Martin Brandl und zeigt auf einen Schaukasten an der Wand, der wahrlich seltene Stücke birgt. Hinter dem verschlossenen Glasfenster sind unter anderem Originalteile der Bounty zu finden, jenem dreimastigen Segelschiff, das durch die Meuterei Berühmtheit erlangt hat. Ein Kupfernagel und eine Kanonenkugel hat sich der Diplomat, geboren 1909 in Straßburg, aus dem Wrack herauftauchen lassen, das seit über 200 Jahren in wenigen Metern Tiefe vor der Pazifik-Insel Pitcairn liegt.

Die Überreste von der Bounty sind bei weitem nicht die einzigen Kostbarkeiten, die die Witwe von Hans-Otto Meissner dem 66-jährigen Brandl »fast umsonst«, wie er sagt, überlassen hat – mit der Auflage, alles für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wer durch das Erdgeschoß des Wirts- und Wohnhauses streift, kommt darum aus dem Staunen nicht mehr heraus: ein präparierter Tigerkopf, der ausgestopfte Kopf eines Bären, sieben Elfenbeinzähne, der Schweif eines Elefanten, das Geweih eines Alaska-Elchs, ein Schildkröten-Panzer, der Schädel eines Gorillas, ein Haifisch-Gebiss, der Wirbel eines Wals, ein präparierter Krokodilkopf und vieles mehr sind dort zu finden.

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Meissner hatte ab 1952 viele lange Reisen rund um die ganze Welt unternommen und als Großwildjäger im Laufe der Jahrzehnte eine interessante Sammlung an Jagdtrophäen anlegen können. »Ich hatte lange mit dem Landratsamt Kontakt, bis ich für alles die offizielle Genehmigung hatte«, erinnert sich Martin Brandl. Aus dem Nachlass des früheren Konsuls sind auch an die 10 000   Fotoaufnahmen in seinem Besitz – und jede Menge Aufkleber von den unzähligen Hotels, in denen Meissner unterkam; sie zieren eine Wand in Brandls Haus.

Der Unterwössner selbst hat schon lange ein Faible für Raritäten. Er besitzt unter anderem eine umfangreiche Comic-Sammlung. Die rund 2000 Hefte aus den sechziger Jahren – vom »Heiteren Fridolin« bis »Sigurd« – lagert er in einem weiteren Schmuckstück: einem 300 PS starken und sechs Meter langen Cadillac Eldorado aus dem Jahr 1976, der ebenfalls ausgestellt ist. Auf dem cremefarbenen Lack haben unzählige US-Soldaten unterschrieben, die sich im damaligen Rasthaus Felden erholt haben und beim Schnitzlwirt eingekehrt sind.

Ein weiteres amerikanisches Straßenschiff hat Martin Brandl noch in Gebrauch: einen rosaroten 55er Cadillac aus dem Jahr 1960. Überhaupt scheint sich der Unterwössner mit »Kleinigkeiten« nicht abzugeben: Bereits in den achtziger Jahren erschuf er Schneeburgen, die bis zu fünf Meter breit, fünf Meter lang und vier Meter hoch waren. Am Hang hinter seinem Haus baute er damals außerdem ein Wild-West-Fort, eine riesige Befestigungsanlage, die viele Besucher anzog.

Das Außergewöhnliche ist spätestens seit da ein steter Begleiter von Martin Brandl. san