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Jahrhunderthochwasser verursachte Millionenschäden

»Katastrophenalarm nach sintflutartigen Regenfällen« – so lautete die Schlagzeile auf Seite eins im Traunsteiner Tagblatt vor zehn Jahren. Traunstein kam zwar halbwegs glimpflich davon; anderorts, vor allem in Unterwössen, war der Schaden jedoch immens hoch. Nach vorsichtigen Schätzungen mussten allein in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land mehr als 100 Millionen Euro aufgebracht werden, um die Folgen des Hochwassers zu beheben – nicht eingerechnet die Zehntausende von Arbeitsstunden, welche die Menschen leisten mussten, um ihr Hab und Gut in einen Zustand zu versetzen, wie er vor der Flutkatastrophe war.

Seinen Ausgang nahm das Unglück damals schon eine Woche vorher. Es regnete immer wieder und der Boden war mit Wasser mehr als gesättigt. Im Landkreis Traunstein gab es die erste Hochwassermeldung in der Nacht zum 6. August: In Ruhpolding hatte der Regen den Nesslauer Graben in einen reißenden Wildbach verwandelt. Er unterspülte die Fundamente des Gasthauses Brand samt Nebengebäude.

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Erinnerungen wurden in Ruhpolding wach an das Hochwasser vom 8. August 1991, als der Steinbach überging und eine Spur der Verwüstung hinterließ. Der Schaden an den Häusern entlang des Baches summierte sich 1991 auf mehrere Millionen D-Mark.

Aber weiter in der Chronologie: Am 8. August 2002 wurden aus Nieder- und Oberösterreich verheerende Überschwemmungen gemeldet. Tags darauf wütete im Bereich Passau ein schweres Unwetter und am Samstag, den 10. August wurden schwere Überschwemmungen vom Allgäu bis hinüber in den Landkreis Ebersberg gemeldet. Am Montag, den 12. August wurde der Landkreis Traunstein zum Katastrophengebiet erklärt. Der Boden konnte den Regen nicht mehr aufnehmen, die Bäche und Flüsse schwollen von Minute zu Minute an. Die Höchststände der Pegel wurden innerhalb kürzester Zeit überschritten. Erinnerungen wurden wach an die Hochwasserkatastrophen von 1899 und 1954.

Ehe an diesem denkwürdigen Montag die ersten Nachrichten aus dem fast komplett überfluteten Unterwössen eintrafen, konzentrierte sich die geballte Aufmerksamkeit der Medien auf Traunstein. Zahlreiche Fernsehteams warteten jedoch vergeblich auf die Katastrophe: Der Traundamm hielt den Wassermassen stand, sodass die Untere Stadt nicht überflutet wurde. Die Lage war jedoch so kritisch, dass viele Häuser und auch die Jugendherberge evakuiert wurden.

Viele Orte im Landkreis waren von der Außenwelt abgeschnitten. In Unterwössen standen fast alle Häuser unter Wasser; in Eisenärzt rissen die Fluten die hölzerne Fußgängerbrücke über die Traun weg. Selbst die Autobahn war für einige Stunden gesperrt, weil sie zwischen Neukirchen und Reichenhall überflutet war.

Dramatische Szenen spielten sich an jenem Montag vor zehn Jahren überall im Landkreis ab. Nach dem sintflutartigen Regen lösten die Behörden für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land Katastrophenalarm aus. Fast alle Bäche und Flüsse traten über die Ufer und verwandelten die Region in eine Seenlandschaft. Unterwössen war an jenem Montag nicht erreichbar. Boote wurden eingesetzt und die Stromversorgung wurde mit Hilfe von Notstromaggregaten sichergestellt.

Während sich hier und in den Orten entlang der Traun die Lage in der Nacht zum Dienstag entspannte, hatte die Salzach ihren Höchststand noch nicht erreicht. Fridolfing und Tittmoning schrammten nur haarscharf an einer Katastrophe vorbei. An der Salzach war eine Dammkrone gebrochen. Aus nahe gelegenen Bauernhöfen wurden 80 Menschen evakuiert. Gleichzeitig begann der Pegel aber zu sinken, sodass der schlimmste Fall nicht eintrat.

Bereits am Tag nach der Flut kamen mehrere Minister in den Landkreis, um sich die Schäden anzuschauen und Hilfszusagen zu geben. Umweltminister Werner Schnappauf besuchte Unterwössen, Landwirtschaftsminister Josef Miller erörterte Hilfsmaßnahmen mit Vertretern der Landwirtschaft und Staatsminister Erwin Huber sagte den Betroffenen zu, Steuern zu stunden.

Viele Landwirte büßten ihre gesamte Ernte ein. Im Grabenstätter Moos standen mehr als 30 der 50 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche unter Wasser; in Unterwössen setzte die Tiroler Achen den Segelflugplatz unvorstellbare 1,70 Meter unter Wasser. Für die Überschwemmungen, die den Ortskern trafen, war auch der sonst so beschaulich dahinplätschernde Wössner Bach verantwortlich, dessen reißende Fluten sich den Weg durch Straßen, Gärten und Häuser bahnten.

Im Landkreis und darüber hinaus haben in den folgenden Wochen viele Menschen für die Flutopfer gespendet. Die heimischen Medien starteten eine gemeinsame Spendenaktion, die auf großen Widerhall stieß und einen sechsstelligen Spendenbetrag einbrachte.

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein analysierte in der Folge die Situation und leitete zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen ein. Das gilt sowohl für den Wössner Bach als auch für die Traun südlich von Traunstein. Im Laufe der folgenden Jahre wurden Millionen verbaut, damit die Menschen beim nächsten Hochwasser besser geschützt sind. Noch sind nicht alle Schwachpunkte beseitigt; so stehen zum Beispiel noch Maßnahmen zum Hochwasserschutz nördlich von Traunstein (Kaltenbach) an.

Was sich in jenen dramatische Augusttagen im Landkreis Traunstein abgespielt hat, war für die Betroffenen eine Katastrophe. Was jedoch wenige Tage später entlang der Elbe passierte, stellte alles andere in den Schatten. Allein in Sachsen verursachte es Schäden von mehr als 15 Milliarden Euro. 400 Mitglieder von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen aus dem Landkreis Traunstein brachen nach den Hochwassereinsätzen in der Region auf, um in Sachsen zu helfen.

Das nächste große Hochwasser wird es an den Tag bringen, wo die größten noch verbliebenen Schwachpunkte entlang der Traun und anderen Fließgewässer in unserer Region sind. Man kann nur hoffen, dass es möglichst lange auf sich warten lässt. Aber eins ist sicher: Es wird kommen... -K.O.-